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Leben

Leidenschaft für Tomaten mit viel Geschmack

Kleingarten Magazin
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Februar 2017

Über 900 alte Tomatensorten mit einer ungeheuren Farb-, Formen- und vor allem auch Geschmacksvielfalt hat Irina Zacharias in ihrer Obhut. Bei ihrer Arbeit kommt es ihr in erster Linie nicht auf die Züchtung neuer, sondern auf den Erhalt wertvoller alter Sorten und deren Weiterentwicklung an.

 

Bereits seit ihrem 14. Lebensjahr beschäftigt sich Irina Zacharias mit Tomaten. Zunächst geschah das allerdings eher aus Notwendigkeit – auf der elterlichen Datscha in Russland war es selbstverständlich, dass jedes Familienmitglied bei der Ernte und Verarbeitung der Gartenfrüchte tatkräftig mit anpacken musste, damit es im Winter zu den Kartoffeln auch schmackhafte Beilagen gab. „Es wurde eingelegt und eingemacht – und vor allem gehörten auch immer viele Tomatengläser zu unseren Wintervorräten“, erinnert sich Irina Zacharias. Ihre Eltern allerdings entwickelten schon bald eine weit über das Notwendige hinausgehende Begeisterung für die Tomaten und ihre Vielfalt. Sie kauften nicht nur auf den Bauernmärkten rundum die verschiedensten gelben, orangen oder auch braunen Früchte, sondern ließen sich darüber hinaus aus allen Teilen der damaligen UdSSR von Bekannten Tomaten mitbringen. Als Irina Zacharias 1994 nach Deutschland kam, war sie entsetzt über die Qualität der Tomaten, die hier das Angebot beherrschten: „Tomaten, die gezielt auf Transport- und Lagerfähigkeit gezüchtet wurden, die aber wässrig sind und nach nichts schmecken“, bemerkt sie schaudernd. „Damals erst wurde mir so richtig klar, wie wertvoll die von meinen Eltern gesammelten Sorten mit ihrer Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt sind. Mir stand ein großer Garten zur Verfügung und so bat ich sie um Tomatensamen, die ich dort aussäte.“

Ungeheure Sortenvielfalt
Die Leidenschaft für Tomaten war vollends erwacht und ausgehend von der Sammlung ihrer Eltern vergrößerte Irina Zacharias ihre eigene Kollektion durch den Tausch mit anderen Tomatenbegeisterten immer weiter auf heute über 900 Sorten. „Dabei kommt es mir gar nicht auf eine extrem große Zahl an Sorten an“, erläutert sie. „Wenn ich es darauf anlegen würde, könnte ich auch schon über 3.000 Sorten haben. Wenn sich meine Sammlung doch immer wieder erweitert, dann eher deshalb, weil ich Sorten entdecke oder andere Menschen mich auf welche aufmerksam machen, die ich so interessant finde, dass ich sie auch noch in Pflege nehme.“ Bald schon wurde sie Mitglied bei Arche Noah, der Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihre Entwicklung. Sie unterstützte den Verein jahrelang auch aktiv als Erhalterin durch ihre gärtnerisch-züchterische Arbeit und die Weitergabe ihres Wissens und ihrer Erfahrungen. „Diese Tätigkeit musste ich leider bereits vor einigen Jahren stark einschränken, als ich hauptberuflich in Vollzeit als Diplompsychologin in einem Krankenhaus angefangen habe“, bedauert Irina Zacharias. „Nach wie vor unterstütze ich Arche Noah aber natürlich, wenn es darauf ankommt, und bin mir sicher, dass ich auch von dort immer Unterstützung bekommen würde. Die Tomatenzüchterei ist für mich einfach ein sehr intensiv betriebenes Hobby.“ Die Gärtnerei dagegen – Irinas Tomaten & Kräuter Spezialitätengärtnerei, in der die verschiedenen Sorten gezüchtet werden und über die sie auch bezogen werden können – betreibt ihr Mann Ulrich.

Selektion und Anpassung
Bei der züchterischen Arbeit geht es der Tomatenexpertin nicht so sehr darum, neue Sorten zu züchten, sondern ganz stark darum, die alten, wertvollen Sorten zu erhalten und weiterzuentwickeln. „Ganz wichtige Stichworte sind dabei Selektion und Anpassung“, erläutert sie. „Ich selektiere die Pflanzen auf gewünschte Eigenschaften wie besondere Farben und Formen und vor allem auf den Geschmack hin. Und ich entwickle sie weiter, um sie an bestimmte Standortbedingungen anzupassen.“ Was den Geschmack angeht, so ist dieser natürlich von Sorte zu Sorte ganz unterschiedlich. Seine Intensität und Ausprägung aber hängt auch stark von den Aufzuchtbedingungen ab, wie die erfahrene Züchterin zu berichten weiß: „Man sagt ja immer, dass die Tomate ganz viel Wasser braucht. Die Pflanzen kommen aber auch mit weniger aus. Ebenso benötigen sie nur anfangs Dünger. Unter solchen Bedingungen bekommen die Früchte eine dickere Haut und entwickeln einen wesentlich intensiveren Geschmack. Es mag sein, dass die Gartennachbarn einen etwas schief angucken, wenn die Tomatenpflanzen nicht saftstrotzend grün aussehen – mein Ziel aber ist es, möglichst viel Geschmack herauszuholen.“

Gibt es denn die eine Tomate, die all das hat, was eine Tomate ausmacht – die Tomate schlechthin also? „Das ist so eine typische Journalistenfrage“, findet Irina Zacharias. Ihr kommt es ja vor allem auf die ganze Vielfalt der Tomaten an. Ihre ganz persönlichen Favoriten unter den Tomatensorten hat sie aber natürlich auch, nur sind das morgen vielleicht andere als heute, weil es ja immer wieder neue Entdeckungen gibt. „Warm ums Herz wird mir vor allem bei Sorten, die ich aus Samen von meinen Eltern gezogen habe. Oder auch bei Sorten, die eine lange Tradition haben oder mit einer besonderen Familiengeschichte verbunden sind“, erzählt sie. „Beispielsweise ‚Limonnij Gigant‘ oder auf Deutsch ‚Zitronen Riese‘, die erste nicht rote Sorte in der Sammlung meiner Eltern, eine gelbe, plattrunde, saftige, süßfruchtige Fleischtomate, die bis zu 500 Gramm wiegen kann. Oder die erste dunkle Sorte, die ich meinem Vater verdanke: ‚Tschernij Prinz‘ oder ‚Schwarzer Prinz‘ mit sehr fleischigen, saftigen, würzigen und dünnhäutigen Früchten. Nicht zu vergessen auch ‚Black Cherry‘, eine absolut köstliche, lilabraune, etwas größere Kirschtomate. Oder auch die gerade erst bei uns im Laden eingestellte Sorte ‚Usbekskije Yusupovskije‘, die von dem bekannten usbekischen Selektionär Karim Yusupov in Richtung Größe selektiert wurde und die in Usbekistan schon Früchte mit ein bis zwei Kilogramm Gewicht hervorgebracht hat.“

Samenshop und Pflanzenverkauf
Wem die Schilderung dieser Sorten Lust auf Tomatenvielfalt im eigenen Garten gemacht hat, der findet ein reichhaltiges Angebot an Tomatensamen der verschiedenen Sorten sowie auch Samen beispielsweise von ungewöhnlichen Chili- oder Paprikasorten im Onlineshop unter www.irinas-shop.de. Jungpflanzen dagegen gibt es in der Gärtnerei vor Ort von Ende April bis zum Ende der ersten Juni-Woche. Dann kommen auch Kunden beispielsweise aus Paderborn oder aus der Schweiz ins Oberpfälzer Maxhütte-Haidhof.