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Leben

Staudengärtnerei Gaißmayer, Illertissen: Robust, vital und bio

Kleingarten Magazin
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Juni 2017

Weit mehr als 3.000 Arten und Sorten von Stauden kultiviert die Staudengärtnerei Gaißmayer, eine spannende Mischung aus historischen und neueren Sorten. Dass ihre Pflanzen gesund und widerstandsfähig sind, ist den Illertissener Gärtnern, die den Begriff „Bio“ konsequent leben, ein besonderes Anliegen.
 

Verlässt man die längste deutsche Bundesautobahn A7 mit ihrer manchmal von Geschwindigkeit, manchmal von Staus geprägten ruhelosen Atmosphäre an der zwischen Ulm und Memmingen gelegenen Ausfahrt 124 – Illertissen, so gelangt man schon nach fünf Minuten in eine andere Welt: die idyllisch auf der Illertissener Jungviehweide gelegene Staudengärtnerei Gaißmayer. Bereits der Name Jungviehweide sei absolut passend und schön, findet Inhaber Dieter Gaißmayer, der den Betrieb gemeinsam mit zwei Kollegen 1980 gegründet hat – erdverbunden und ländlich eben. Nur dass auf den drei Hektar Freilandfläche der Gärtnerei natürlich keine Jungtiere weiden und heranwachsen, sondern stattdessen junge Pflanzen gehegt und gepflegt, kultiviert und beobachtet werden. Mit über 3.000 Arten und Sorten überwiegen dabei die Zierstauden; einen hohen Stellenwert haben aber auch Kräuter im Sortiment, das zudem Gräser, Farne und Zwiebelpflanzen umfasst. „Seit der Gründung vor 37 Jahren hat sich unser Betrieb stetig weiterentwickelt und vergrößert, wobei unser Ziel nicht die pure Größe ist. Vielmehr ist es uns wichtig, dass wir unser ganz eigenes, umfangreiches Sortiment von Pflanzen haben, hinter denen wir voll und ganz stehen können“, betont Dieter Gaißmayer. „Dazu gehören sowohl langbewährte, historische Sorten als auch neuere Züchtungen, die wir kritisch prüfen, bevor wir sie in unser Sortiment aufnehmen.“ Bei dieser kritischen Begutachtung kommt es ihm vor allem auf das an, was er als „die inneren Werte“ bezeichnet: „Die Sorte sollte wüchsig und robust sein. Bei neuen Sorten ist es außerdem wichtig, dass sie stabil sind, also nicht in die Ausgangsform zurückschlagen“, erläutert er. „Und sie sollten wirklich etwas Neues darstellen, neue Eigenschaften oder eine neue Qualität aufweisen – das Etikett ‚neu‘ wird heute ja oft viel zu schnell verliehen.“

Alte Sorten neu entdecken
Allerdings kann auch etwas eigentlich sehr Altes manchmal durchaus etwas Neues sein – alte, historische Stauden beispielsweise, die bereits vor Hunderten von Jahren in den Gärten unserer Großeltern kultiviert wurden, die heute aber fast niemand mehr kennt und die dann neu entdeckt werden können. Die Elfen- oder auch Steppendistel (Morina longifolia) beispielsweise, die ursprünglich aus der Himalaya-Region stammt und dort Wiesen und Waldlichtungen in 3.000 bis 4.300 Meter Höhe besiedelt, ist bei uns bereits mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Kultur, aktuell in Gärten aber nur sehr vereinzelt anzutreffen. Zu Unrecht, wie Dieter Gaißmayer meint: „Die Elfendistel ist langlebig und blüht toll mit in Quirlen angeordneten filigranen Einzelblüten, die sich von anfänglich Weiß im Laufe der Zeit nach Rosenrot verfärben und zudem köstlich duften. Auch die schönen Samenstände sind ein Blickfang – und das bis in den Winter hinein.“ Bedenken, dass solche historischen Stauden sich für den Kleingärtner zu Problemfällen entwickeln könnten, die sich nur mit besonderem gärtnerischen Spezialwissen erfolgreich kultivieren lassen, entkräftet er sofort: „Viele dieser historischen Stauden wachsen ja bereits seit einem Jahrhundert oder länger in unseren Gärten und haben sich während einer langen Zeit dank ihrer Robustheit und Ausdauer bewährt. Gerade auch Hobbygärtnern kann ich nur empfehlen, eine Auswahl dieser oft ungewöhnlichen Pflanzen bei sich aufzunehmen.“ Als weitere Beispiele für empfehlenswerte historische Stauden nennt er Gefüllten Hahnenfuß (Ranunculus acris ‘Multiplex’), Götterblume (Dodecatheon meadia ‘Alba’) Rosenwurz (Rhodiola rosea), Elfenraute (Artemisia lactiflora) sowie die Pflaumen-Schwertlilie (Iris graminea).

Abgehärtete, winterharte Gartenstauden
Robustheit und Ausdauer, durch die viele der historischen Stauden sich auszeichnen, sind überhaupt ein großes Thema in der Staudengärtnerei Gaißmayer. Zwar verfügt der Betrieb auch über mehrere Tausend Quadratmeter Gewächshausfläche, die meisten Pflanzen aber werden im Freien kultiviert und, wenn es sich um auf ihre Eignung für das Sortiment zu überprüfende Neuzugänge handelt, dort auch kritisch beobachtet. „Soweit es möglich ist, werden alle Sorten bei uns draußen im Freiland überwintert“, erläutert Dieter Gaißmayer. „Wenn wir sie unter Glas kultivieren würden, könnten sie nicht abhärten. Unser Anspruch aber ist es, den Kunden von Sorten, die das zulassen, winterharte Gartenstauden zu liefern.“ Anspruchslose Sorten also, die überall und unter allen Bedingungen wachsen, bei denen der Kunde nichts kaputt machen kann und bei denen er sich um nichts kümmern muss? Das wäre ein ziemliches Missverständnis. Wenn eine Pflanze im Winter an ihrem angestammten Platz im Freien bleiben kann, bedeutet das zunächst einmal ja vor allem, dass sie in einem generell für sie geeigneten Klima wächst. Ansonsten aber gilt: „Damit Pflanzen gut gedeihen, ist zweierlei wichtig: Sie müssen von bester Qualität sein und sie brauchen im Garten den richtigen Platz“, so Dieter Gaißmayer. „Deshalb geben wir uns große Mühe, unsere Kunden ausführlich über die Eigenschaften unserer Stauden, über mögliche Standorte und Bodenansprüche zu informieren – sowohl online als auch sehr gerne direkt bei uns in der Gärtnerei. Hier stehen den Besuchern während unserer Öffnungszeiten auch unsere sehr umfangreichen Schau- und Mutterpflanzenquartiere offen und laden zum Besichtigen und Verweilen ein. Am liebsten geben wir unsere Pflanzen in Hände, wo ihnen ein langes Leben beschieden ist, und dazu braucht es auch die entsprechenden Informationen.“

Pflanzen für den Klimawandel
Sammelleidenschaft und die kontinuierliche, kritische Begutachtung und Selektion neu hereinkommender Arten und Sorten waren und sind die Grundlage für das umfangreiche Sortiment, durch das Gaißmayer sich heute auszeichnet. Die Zucht neuer Sorten dagegen steht nicht so sehr im Vordergrund. „Es gibt unendlich viele gute, interessante, erfolgversprechende Stauden, die wir kultivieren und auch verbessern können – deshalb fühlen wir uns nicht berufen, selbst viele Neuheiten zu züchten“, meint Dieter Gaißmayer. „Bei manchen Staudengruppen kann es aber trotzdem durchaus sinnvoll sein, mit eigenen Neuzüchtungen zur Vielfalt beizutragen, beispielsweise beim Phlox. Vom ‚normalen‘ Phlox Phlox paniculata gibt es 600 bis 700 verschiedene Sorten mit einer enormen Wuchs- und Farbpalette. Allerdings leidet diese Art zunehmend unter dem Klimawandel, während der verwandte Großblatt-Phlox Phlox amplifolia Hitze und Trockenheit wesentlich besser aushält. In den letzten Jahren hat uns unser Züchterkollege Walter Schimana spannende Selektionen dieser Art übergeben. Mit diesen robusten Sorten können wir jetzt eine deutlich erweiterte Wuchs- und Farbpalette auch von Phlox amplifolia anbieten. Und mit dem über mehrere Jahre beobachteten Zufallssämling Phlox amplifolia ‚Apanatschi‘ aus unserer Gärtnerei können auch wir einen würdigen Beitrag zu dieser Vielfalt leisten.“ Den größten Teil der bei Gaißmayer erhältlichen Pflanzen kultiviert die Staudengärtnerei auf eigenen Flächen, unter anderem um so auch selbst den Erhalt der Sortenechtheit unter Kontrolle zu haben. Bei einem begrenzten Anteil des Sortiments kooperiert das Unternehmen aber auch mit ausgewählten Partnerbetrieben. „Zum einen ist unser schwerer Illertissener Boden manchen Stauden nicht zuträglich, zum anderen arbeiten wir bei bestimmten Sorten mit bewährten Zulieferern, die aufgrund ihrer Spezialisierung mit deutlich weniger Aufwand vergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse erzielen“, führt Dieter Gaißmayer aus.

Biobetrieb aus tiefster Überzeugung

Eine weitere Besonderheit der Staudengärtnerei Gaißmayer ist, dass sie dem Bioland-Verband angehört, nach dessen über die üblichen Vorgaben im ökologischen Landbau weit hinausgehenden Richtlinien arbeitet und auch dementsprechend zertifiziert ist.

„Bei Kräutern, einem unserer Schwerpunkte, ist vielen Menschen unmittelbar einleuchtend, dass Bio gut und wichtig ist, weil Kräuter ja auch etwas mit Ernährung und damit mit Gesundheit zu tun haben“, erläutert Dieter Gaißmayer. „Wenn es dagegen um Zierpflanzen, die den Großteil unseres Sortiments ausmachen, geht, höre ich oft die Frage, warum es auch hier Bio sein muss. Aber auch in diesem Bereich ist der Schutz der Natur wichtig und entspricht zutiefst unserer Haltung! Eine sichtbare Bestätigung bieten unsere gesunden, vitalen Pflanzen – es ist einfach schön, eine Biostaude in der Hand zu haben. Aber es geht natürlich auch um den Schutz der Menschen, die bei uns arbeiten: Bei uns muss niemand mit chemischem Gift hantieren.“ Gaißmayer fasst den Begriff Bio sehr weit – setzt weder Pestizide noch künstlichen Dünger ein, arbeitet viel mit Nützlingen, nutzt beim Verschicken der Pflanzen als Packmaterial Heu aus einem Biosphärenreservat und verfolgt insgesamt einen ganzheitlichen Ansatz. Das kommt auch bei den Mitarbeitern gut an. „Anders als manche anderen Betriebe unserer Branche haben wir keine Probleme, neue Mitarbeiter zu bekommen“, freut sich Dieter Gaißmayer. „Und auch Auszubildende – ein Punkt, der uns ebenfalls am Herzen liegt: Jedes Jahr nehmen wir zwei Auszubildende neu auf, da wir auch aktiv das Wissen, den Umgang mit Stauden vermitteln wollen.“ Sechs bis acht Auszubildende arbeiten auf diese Weise meist gleichzeitig im Unternehmen, das insgesamt rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Fast alle sind ausgebildete Staudengärtner, die mit dem entsprechenden Fachwissen alle Kunden der Gärtnerei vor Ort beraten können. Wem der Weg nach Illertissen zu weit ist, der kann sich aber auch im Online-Shop unter www.pflanzenversand-gaissmayer.de umsehen und umfassend kundig machen.