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Garten

Tomaten pflegen

Kleingarten Magazin
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Juli 2011

 

Ob gelb oder rot, oval oder rund – Tomaten gibt es in vielerlei Formen, Farben und Sorten.

 

Die Tomate ist das Lieblingsgemüse in Deutschland. In den Gärten werden Tomaten mit mehr, leider manchmal auch mit weniger Erfolg angebaut. Den Tomaten der Kindheit wird besonderes Aroma und Geschmack nachgesagt. Kleingärtner, die ihre eigenen Tomaten anbauen, sind auf dem richtigen Weg. Früchte, die an der Pflanze ausreifen dürfen, haben natürlich viel mehr Geschmack als die halbreif geernteten Früchte, die es zu kaufen gibt. Dort gibt es oft auch nur die allbekannten Salattomaten – rot, rund und schnittfest. In den letzten Jahren werden die Stiele mitverkauft, weil sich hier viel vom Geruch befindet und wir hoffen, dass damit auch der Geschmack verbunden ist.
Wer selbst Tomaten anbaut, hat die Möglichkeit, auszuwählen, welche Sorte er/sie denn gern hätte: Salat-, Fleisch-, ­Ketchup-, Nasch- und Suppentomaten sind Beschreibungen der Nutzung. Tomaten bieten eine große Vielfalt an Farben, Größen und Formen, von Weiß über Gelb, Grün, Orange, Rosa, Rot, Violett bis Dunkelbraun; von der Größe einer Johannisbeere bis zum Ochsenherz mit über einem Kilo Gewicht, von rund, oval, länglich bis hohl zum Füllen reicht die Palette. Wir müssen nur auswählen und anbauen.
Jetzt, im Juli, sind die Tomaten eingepflanzt, von frühen Sorten konnten schon reife Früchte geerntet werden, bei den großfruchtigen und den späten Sorten müssen wir noch warten.
 

Was ist jetzt zu tun, damit es eine erfolgreiche Ernte gibt?

 

Überdachung
Tomaten sind anfällig für die Pilzerkrankung „Kraut- und Knollenfäule“, Phytophthora infans. Anfällig für eine Infektion sind Pflanzen, die länger als zehn Stunden nass sind. Dies passiert nach einem langen Regentag und auch, wenn es einmal ein, zwei Tage nieselt. Typisch deutsches Sommerwetter. Wenn die Tomatenpflanzen überdacht angebaut werden, sind sie vor Regen geschützt und können zudem nach einem Schauer schnell abtrocknen. Die Gefahr der Erkrankung sinkt.
 

Gießen
Tomaten brauchen weniger Wasser als oft angenommen. In Italien geht keiner auf die Felder und gießt regelmäßig die Tomatenpflanzen. Wirklich gegossen werden müssen Tomaten bei großer Hitze, wenn die Blätter am Morgen eingerollt bleiben. Dann herrscht Not und dann muss gegossen werden. Gegossen wird in den Wurzelbereich und nicht auf die Blätter – ein neben der Pflanze eingegrabener, umgedrehter Blumentopf hilft hierbei.
 

Mulchen und düngen
Wer Tomatenpflanzen mulcht, verhindert, das der Boden austrocknet. Der Mulch, Rasenschnitt oder Tomatengeize düngen zudem. Tomaten sind Starkzehrer, brauchen also ausreichend Dünger. Wichtig ist, vor der Pflanzung biologisch zu düngen und etwas nachzudüngen. Viel hilft hier nicht viel, sondern macht die Früchte anfällig dafür, dass sie aufplatzen.
 

Blätter entfernen? Pflanzen begrenzen?
Die Blätter braucht die Pflanze auch zur Photosynthese, deshalb sollte man nicht zu rigoros Blätter entfernen.
Fast alle Tomatenpflanzen treiben bis zum Frost neue Triebe, blühen, entwickeln Früchte. Wir wissen, dass es eine Zeit braucht, bis z. B. eine Fleischtomate reif ist. Hier sollten wir eingreifen und das Wachstum der Pflanze Ende August/Anfang September begrenzen, damit die gebildeten Früchte noch ausreifen können.
 

Nachreifen
Wenn es zu kalt wird, reifen die Früchte nicht mehr an der Pflanze aus. Zum Nachreifen kann man die noch grünen oder etwas gefärbten Früchte ins Haus holen. Zur Nachreife ist kein Licht nötig, aber eine Temperatur von 15 bis 22 Grad.
 

Saatgut gewinnen
Wer in diesem Jahr von einer Tomatensorte überzeugt ist, kann selbst Saatgut gewinnen, wenn die Sorte samenfest ist. Nicht samenfest sind Hybridsorten, die F1-Hybriden. Hierbei handelt es sich um Kinder von zwei unterschiedlichen Sorten. In der nächsten Generation erhält man etwas aus dem Potenzial der Elterngeneration und nicht die Eigenschaften der angebauten Tomatensorte.
Tomaten sind zumeist Selbstbefruchter, das bedeutet, der Pollen fällt schon vor dem Öffnen der Blüte auf den Griffel. Wenn sich die Blüte öffnet, ist die Befruchtung zumeist schon abgeschlossen. Wild- und einige Fleischtomaten haben einen langen, aus der Blüte herausschauenden Griffel und können deshalb über Insekten fremdbestäubt werden. Ansonsten helfen Hummeln durch die leichte Schüttelbewegung bei der Befruchtung. Hier kann aber auch der Gärtner eingreifen und seine Pflanzen leicht schütteln.
Zur Saatgutgewinnung wird eine der ersten reifen Früchte benötigt, so wird die frühe Reife weitergegeben. Um die Tomatenkerne liegt eine durchsichtige Gallertschicht, in ihr befindet sich eine Keimhemmung, die verhindert, dass überreif heruntergefallene Früchte vorzeitig keimen. Diese Keimhemmung wird durch einen Fermationsprozess aufgelöst. Die Samen werden dazu in Wasser gelegt, Bakterien und Pilze helfen, die Gallertschicht aufzulösen. Dieser natürliche Prozess dauert zwei Tage bis zu einer Woche. Deshalb regelmäßig prüfen, ob der Prozess schon abgeschlossen ist. Eine Schimmelbildung ist üblich und schadet nicht. Man kann es fühlen, wenn die Gallertschicht nicht mehr vorhanden ist. Dann wird das Saatgut gespült und zum Trocknen ausgelegt. Glattes Papier wie Packpapier hat sich bewährt, auf Küchenpapier können die Samen festkleben.
Das so gewonnene Saatgut wird trocken und kühl gelagert und ist mindestens fünf Jahre haltbar. Eine Beschriftung, Name der Sorte und Erntejahr, hilft in den nächsten Jahren.
 

Zur Autorin
Kornelia Stock, Sozialpädagogin, Fachberaterin im Kleingärtnerverein in Hannover. Seit über 25 Jahren baue ich im Haus-, jetzt im Kleingarten Gemüse biologisch an und gewinne einen Teil meines Saatguts selbst. Als Fachberaterin biete ich im Kleingartenverein Kurse zum biologischen Gärtnern an. Im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. arbeite ich seit 2005 mit und betreue seit einiger Zeit Haus- und Kleingärtner, die sich mit einer Sortenpatenschaft engagieren und nicht mehr im Handel erhältliche Gemüsesorten über einen längeren Zeitraum anbauen, beschreiben und erhalten.
 

Zum Verein
Der Verein zur Nutzpflanzenvielfalt e. V. feiert 2011 seinen 25. Geburtstag. Zwischenzeitlich hat er über 600 Mitglieder. Der Verein stellt alle zwei Jahre ein Gemüse als „Gemüse des Jahres“ in den Mittelpunkt. 2011 und 2012 ist das die Pastinake, unsere Logo-Pflanze. In einer Saatgutliste stellen Mitglieder die von ihnen erhaltenen Sorten vor, Interessierte können Saatgut, Pflanzen oder Stecklinge bekommen.
Der Verein vergibt im Frühling und Herbst nicht mehr im Handel zu bekommende Sorten in Patenschaft. Um möglichst vielen Haus- und Kleingärtnern die Mitarbeit zu ermöglichen, haben wir uns hauptsächlich auf die Vergabe von Selbstbefruchtern, Tomaten, Salaten, Erbsen und Bohnen beschränkt. Im Herbst werden Wintersalate und Wintererbsen in Patenschaft gegeben.

Weitere Informationen gibt es unter www.nutzpflanzenvielfalt.de. 

Bilder: Jörg Lindemann, Angelika Feiner