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Hildegard von Bingen und die Heilkräfte der Kräuter

Kleingarten Magazin
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April 2017

Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) gehört wohl zu den bedeutendsten Frauengestalten des deutschen Mittelalters. Sie war Prophetin, Mystikerin und Äbtissin der Klöster vom Rupertsberg bei Bingen und von Eibingen. Hildegard war aber auch eine Naturkundige, die um die Heilkräfte der Natur wusste.

Die Botschaften und Weisungen aus ihrer stets ganzheitlichen Sicht sind gleichermaßen auf die Gesundheit von Körper, Geist und Seele des Menschen ausgerichtet. Bei dem überlieferten Heilwissen der Hildegard von Bingen geht es nicht nur um sättigende Nahrungsmittel, vielmehr geht es ihr darum, die Lebenskräfte eines Menschen zu erhalten. In ihrem Naturkundewerk „Physica“ nennt Hildegard unter anderem viele Pflanzen und Kräuter, die eine gesundmachende und positive Wirkung auf den gesamten Organismus des Menschen haben. So zeigt sie auch Lebensmittel auf, die eine frohmachende und stärkende Wirkung haben und stellt gleichzeitig deren Bekömmlichkeit für kranke oder gesunde Menschen heraus.

Der Fenchel macht fröhlich
„Wie immer er gegessen wird (roh oder gekocht), macht er den Menschen froh und bringt ihm sanfte Wärme und guten Schweiß und bringt ihm eine gute Verdauung.“ (Quelle: Hildegard von Bingen – Physica)
Der Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare) ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Hildegard lobt ihn wegen seiner krampflösenden Eigenschaften bei Magen- und Darmleiden. Er wirkt besonders gut bei Verdauungs­beschwerden und wird auch gerne als Tee getrunken. Die Körner des frischen Fenchels können regelmäßig gegessen werden und helfen gut gegen Mundgeruch.

Der Quendel reinigt
„Ein Mensch, der schwaches Körperfleisch hat, so dass sein Fleisch wie Krätze ausblüht, soll oft Quendel, entweder mit Fleisch oder in einem Mus gekocht, essen und sein Körperfleisch wird von innen geheilt und gereinigt werden.“ (Quelle: Hildegard von Bingen – Physica)
Der Quendel, bekannt als Gartenthymian (Thymus serpyllum), zählt zu den wichtigsten Heilkräutern der Hildegard von Bingen. Er riecht stark aromatisch und enthält Bitter- und Gerbstoffe sowie ätherische Öle, die krampflösend und desinfizierend wirken. Als Gewürz werden die Blättchen frisch und getrocknet oder das pulverisierte Kraut den Gemüseeintöpfen und Fleischgerichten zugegeben, da der Quendel mitgekocht werden muss. Auch zu Salbe verarbeitet und zum äußerlichen Auftragen auf erkrankte Hautstellen wird diese Pflanze verwendet (Quendelsalbe). Der Quendel wirkt, laut Hildegard, besonders gut bei allen Hautproblemen wie Neurodermitis und Ausschlägen. Außerdem ist er blutreinigend und hat eine durchblutungsfördernde Wirkung auf das Gehirn, was die Gedächtnisleistung unterstützt.

Die Petersilie stärkt das Herz
„Wer am Herzen oder an der Milz oder in der Seite Schmerzen hat, soll Petersilie in Wein kochen, etwas Essig und reichlich Honig zufügen und das durch ein Tuch seihen. Das soll er oft trinken, und es heilt ihn.“ (Quelle: Hildegard von Bingen – Physica)
In der Küche wird die Petersilie (Petroselium crispum) als Gewürzkraut verwendet. Bei diesem Heilrezept weist Hildegard auf die stärkende Wirkung der Petersilie auf Herz und Milz hin. Der Petersilien-Honig-Wein wirkt auch blutdruckregulierend. Es werden die glatten oder die krausen Blätter verwendet.

Wein ist Heilmittel
„Das Salbeipulver (aber) wird in Wein gegeben, damit es durch ihn zum Heilmittel aktiviert wird.“ (Quelle: Hildegard von Bingen – Causae Et Curae)
In Hildegards Heilkunde ist der Wein ein wichtiges Heil­mittel. Die heilkräftigen Substanzen der Pflanze werden im Wein besonders gut gelöst. Wein sollte stets abgekocht werden. Dadurch verflüchtigt sich auch der Alkohol. Wichtige Weinabkochungen sind neben dem Petersilien-Honig-Wein noch der „Gelöschte Wein“ – er hilft bei Ärger, Trauer und zur Beruhigung – und der „Wermut-Wein“. Er wird als Frühjahrskur von Mai bis Oktober getrunken, regt den Stoffwechsel an, ist gut zur Reinigung der inneren Organe und hilft gegen Erschöpfung. Auch die Weinrebe hat bei Hildegard eine Heilwirkung. So wird z. B. eine Lauge aus Wein und Rebasche hergestellt, die zum Putzen der Zähne gegen Zahnfleischentzündung und Zahnfleischschwund verwendet wird. Bei Augenbeschwerden in Form von Trübungen und Bindehautentzündung empfiehlt die Benediktinerin die ersten Tropfen, die im Frühjahr aus dem geschnittenen Weinstock austreten, in einem kleinen Fläschchen aufzufangen und oft auf die Augenlider zu streichen. Dieses Rezept wird von Hildegard noch erweitert: Bei Ohrenschmerzen und -entzündungen sowie Kopf- und Stirnhöhlenschmerzen werden die Rebtropfen mit etwas Olivenöl gemischt und rund um die Ohren gestrichen bzw. sanft auf die Stirn aufgetragen. Über die hier beschriebenen Heilwirkungen liegen zahlreiche positive Erfahrungsberichte vor. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für einen persönlichen medizinischen Rat.