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Garten

Obstbaumschnitt: das Central-Leader-System

Kleingarten Magazin
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Februar 2017

Kleinkronige Bäume und Spindeln eignen sich hervorragend für den Anbau im Kleingarten, da sie wenig Raum einnehmen und dennoch einen guten Ertrag leisten. Das Central-Leader-System liefert die passende Schnitt- und Erziehungsanleitung dafür.

 

Kleine Hausgärten sind für die Kultur von Buschbäumen bzw. schlanken Spindeln auf Schwachwuchs induzierenden Unterlagen (z. B. GiSelA5 bei Kirschen, M9, M27 bei Äpfeln) hervorragend geeignet. Die Bäume kommen sehr schnell in den Ertrag, sind in ihrer Höhe begrenzt, daher leicht beerntbar, und sind mit wenigen Schnittmaßnahmen in den Griff zu bekommen. Gut geeignet ist auch das sogenannte Central-Leader-Erziehungssystem (nach Tobias Vogel). Ursprünglich für Kirschen konzipiert und vom arttypischen Wuchs der Wildkirschen abgeleitet, eignet es sich z. B. auch gut für Zwetschgen und in modifizierter Form für Äpfel. Hierunter versteht man einen Baum mit einer dominanten Mitte und schwachen, möglichst flach abgehenden Fruchtästen – Idealfall: 90 Grad. Diese sind spiralförmig und unregelmäßig um die Achse verteilt und gehen bis in die gewünschte Endhöhe. Etagenförmige Anordnungen der Äste, wie man sie z. B. bei der Fichte kennt, gilt es zu vermeiden. Ziel des Schnitts ist es, aus der zentralen Mitte kein starkes Holz oder gleich starke Vergabelungen entstehen zu lassen. Bei Kirschen soll diese Erziehungsform den natürlichen Wuchs nur leicht lenken und korrigieren. Die notwendigen Schritte werden nachfolgend kurz beschrieben: Ideal sind einjährige Veredelungen mit vorzeitigen – bereits vorhandenen – Trieben in einer Ansatzhöhe von ca. 60 bis 80 Zentimetern. Sind diese nicht vorhanden, wird der noch unverzweigte Trieb auf die gewünschte Stammhöhe von 60 bis 80 Zentimetern zuzüglich etwa sechs Augen angeschnitten. Rückschnitt fördert Austrieb von Seitenknospen! Zwei bis vier Augen unter der Endknospe bricht man am besten aus. Dies verhindert steile Konkurrenztriebe zur Mitte. Sind vorzeitige Triebe vorhanden, werden diese auf drei bis fünf ausgedünnt. Sie ordnen sich spiralförmig um die Mitte an. Steile Triebe werden entfernt. Die verbliebenen Triebe werden, so notwendig, mittels Astklammern (Astfix 2 bzw. 3 – eventuell auch Wäscheklammern oder Papierdrahtkordel, wenn die Äste noch weich sind) in eine waagerechte Position gebracht. Zum Waagerechtstellen eignen sich zur Not auch kleine Betonklötzchen. Kirschen tragen durch diese Maßnahme oft bereits am einjährigen Holz. Ist der Mitteltrieb nach dem letzten Seitentrieb nicht länger als 80 Zentimeter, wird er wie die vorzeitigen Triebe nicht angeschnitten. Drei bis fünf Knospen unter der Endknospe bricht man aus. Ist er länger als 80 Zentimeter, schneidet man ihn ca. 70 Zentimeter über dem Seitentrieb auf ein gesundes Auge zurück und bricht zwei bis vier Augen darunter aus. Durch den Rückschnitt ist der Austrieb schwächer, aber zahlreicher. Nach ca. drei Wochen kann man bei der Verwendung von Wäscheklammern zum Abspreizen von den Seitentriebe diese entfernen und sie fortlaufend an die Spitzen des Triebs hängen. Dies bewirkt einen weiterhin waagerechten Aufbau der Seitentriebe. Alternativ kann bei sich wieder aufrichtenden Ästen die Astfix-1-Klammer „eingefädelt“ und der Trieb waagerecht gehalten werden. Wird diese Maßnahme verpasst, muss man notfalls waagerecht binden. Bis zum Erreichen der Endhöhe lässt man die Spitze durchtreiben und führt den Ausbruch der darunterliegenden zwei bis vier Knospen durch. Der Mitteltrieb wird nur angeschnitten, wenn er mehr als 80 Zentimeter zugewachsen ist. Steil noch oben oder unten wachsende Jungtriebe auf den Seitenästen kann man entfernen. Ist die Endhöhe erreicht, leitet man auf einen waagerechten Fruchtast um. Dies kann z. B. im August oder bei Kirschen nach der Ernte erfolgen. Neue Austriebe lassen sich frühzeitig durch Ausbrechen beseitigen. Nach dem Aufbau erfolgt die Fruchtholzpflege im Sinne der Fruchtholzrotation. Altes Fruchtholz wird zugunsten neuer Triebe im Turnus mehrerer Jahre ersetzt. Werden die Seitentriebe dicker, werden sie entweder auf einen geeigneteren jungen Trieb abgesetzt oder entfernt. Im Laufe der Zeit kann es nach erfolgtem Aufbau durch die Oberseiten- oder Spitzenförderung dazu kommen, dass sich flache Seitenäste wieder aufrichten. Ziel sollte es sein, vegetatives und generatives Wachstum in der Waage zu halten, d. h. ein Gleichgewicht zwischen Neutrieben und Fruchtholz aufrecht zu erhalten. Insgesamt sollte die Baumform pyramidal aufgebaut sein. So wird eine gute Belichtung auch der unteren Baumpartien garantiert.

Spindel und Superspindel
Der Aufbau der Spindel orientiert sich im Grunde am Prinzip der Central-Leader-Erziehung. Einer dominierenden Mitte ohne Leitäste werden flache Seitenäste untergeordnet, die nicht angeschnitten werden. Flache Astabgangswinkel können mit den beschriebenen Hilfen erreicht werden. Stärkere Seitenäste kann man entfernen, längere absetzen. Auch hier sollte der Baum pyramidal aufgebaut sein, um eine Verschattung der unteren Astpartien zu vermeiden. Je nach Wuchsstärke der Unterlage kann aus einer normalen Spindel auch eine Superspindel mit besonders kurzen Seitenästen werden. Beträgt bei der Apfelunterlage M9 der Abstand zwischen zwei Bäumen etwa 1,5 Meter, kann er, wenn man eine Dichtpflanzung mit vielen Sorten erreichen möchte, bei M27 bis auf ca. 0,7 Meter reduziert werden. Mit einem jährlichen einfühlsamen Schnitt ist dies ohne große Probleme möglich.

Sauerkirschen als Spindel
Sauerkirschsorten, die im Gegensatz zu Süßkirschen am einjährigen Holz fruchten, neigen dazu, bei zurückhaltendem Schnitt nur noch in den Außenbereichen zu fruchten. Die Mitte verkahlt leicht. Dennoch können auch sie bei wenig Platz im Garten als schlanke Spindeln erzogen werden. Im Gegensatz zum Apfel wird man hier noch viel stärker darauf achten müssen, junges Holz in der Nähe der Mittelachse zu halten. Auf eine strenge Formierung der jungen Äste kann man im Grunde verzichten. Ein ähnlicher Aufbau ist auch beim Pfirsich möglich.