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Ideen

Ameisen in Haus und Garten

Ameisen sind auf ihren Straßen oft in großen Mengen unterwegs.
Ameisen fressen auch Nektar. (Bild:Shutterstock.com/Arto Hakola)
Ameisen erfüllen im Naturhaushalt wichtige Aufgaben und sind nicht grundsätzlich
Eine ihrer störenden Eigenschaften ist, dass sie Blattläuse züchten. (Bild:Shutt
Wenn in unmittelbarer Nähe von Ameisenbauten mit Kalkstickstoff gedüngt wird, üb
Dezember 2017

Wer kennt sie nicht, die kleinen Lästlinge, die zuweilen in Heerscharen ins Haus einfallen und dort nach Nahrung suchen? Im Garten stören sie oft durch ihre Erdnester, die sie unter anderem im Rasen anlegen. Die Rede ist von Ameisen.

Ameisen gehören zu den staatenbildenden Insekten. Im Staat herrscht eine strikte Arbeitsteilung. Die Königin legt Eier und sorgt für Nachwuchs. Die Arbeiterinnen sorgen für Futter, ziehen die Brut auf und bauen am Nest. Ameisen sind flügellos, nur für den Hochzeitsflug werden beflügelte Männchen und Weibchen herangezogen. Am häufigsten kommt in Deutschland die Schwarzgraue Weg­ameise (Lasius niger) vor. Ihre Nester bauen sie im Gras, gerne werden auch regengeschützte Stellen angenommen, oft sind sie auch unter Steinen und Plattenbelägen zu finden. Diese halten die Feuchtigkeit ab und speichern die Wärme. Zur Ernährung benötigen vor allem die Ameisenlarven Eiweiß, das die Arbeiterinnen in Form von Raupen, Würmern und allerlei Insekten in den Bau tragen. In dieser Hinsicht sind die Tiere durchaus als nützlich zu bezeichnen, da sie nicht unerheblich zur Schädlingsdezimierung beitragen. Als weiteren Nahrungsbestandteil brauchen Ameisen aber auch zuckerhaltige Substanzen. Diese finden sie in reifem Obst, in manchen Pflanzensäften und vor allem bei Blattläusen, die Honigtau abscheiden. Dabei werden die Läuse regelrecht „gemolken“. Als Gegenleistung werden die Läuse vor Fraßfeinden wie Marienkäfern beschützt.

Abwehr und Bekämpfung
Einfach ist es, Ameisen den Zugang zu Bäumen zu verwehren. Dazu wird lediglich ein Insektenleim aus dem Fachhandel ringförmig um den Stamm gestrichen. Allerdings ist es falsch, zu glauben, dass die Bäume dann frei von Läusen bleiben. Diese entwickeln sich ja aus den Wintereiern, aus denen die Läuse schon ab Knospenschwellen schlüpfen. Viel schwieriger ist es, die Ameisen aus dem Haus zu bringen, wenn sie erst einmal Zugang gefunden haben. Die wichtigste Maßnahme ist, keinesfalls Lebensmittel offen stehen zu lassen. Es dürfen auch keine Kuchenkrümel auf dem Boden liegen, Zucker muss in fest verschließbaren Behältern gelagert werden. Denn sobald ein attraktives Nahrungsangebot vorhanden ist, bemerken dies Kundschafterameisen und melden es im Ameisenbau. Gleichzeitig legen sie eine Duftspur zur Nahrungsquelle. Auf dieser Ameisenstraße kommen nun sehr viele Tiere und wollen am Futter teilhaben. Eine Möglichkeit wäre nun, diese Duftspur mit einer stark riechenden Substanz wie Rasierwasser oder Essig zu überlagern. Die Ameisen sind dann orientierungslos und finden Nest und Futter nicht mehr. Über kurz oder lang finden die Insekten aber einen neuen Weg. Backpulver, auch vermischt mit Puderzucker hilft definitiv nicht, die Erfahrungen des Autors mit Borax waren durchweg negativ, heißes Wasser auf die Nester hilft sehr wohl, Sie müssen nur genug draufschütten. Auch Barrieren aus Kalk oder Kreide schaden nicht, ob sie allerdings nützen, ist mehr als fraglich. Im Handel erhältlich sind Ameisenmittel als Gießmittel, Ködermittel oder Sprays. Der Wirkstoff ist hier ein gängiges Insektizid wie Spinosad oder ein Pyrethroid. Mit dem Gießmittel wird der Ameisenbau begossen. Ködermittel werden von den Tieren gefressen oder an die Larven und Königin verfüttert. Sprays werden hauptsächlich im Haus eingesetzt. Wenn die Ameisen drüberlaufen, nehmen sie den Wirkstoff über die Beine auf und sterben. Der Spraybelag kann wochenlang wirksam sein. Die Wirksamkeit dieser Produkte ist durchaus zufriedenstellend. Nun ist allerdings nicht jeder begeistert vom Einsatz eines chemischen Insektizids im Garten oder gar Haus. Für den Garten gibt es aber Abhilfe – und die heißt Kalkstickstoff. Dies ist ein altbekannter Dünger, den jeder Gartenmarkt in Kleingartenmengen anbietet. Bei der Umwandlung des Düngers bei Feuchtigkeit entsteht eine für Kleinstlebewesen giftige Phase, die Ameisen sterben sofort. Es reicht dabei aus, das Gras, in dem der Ameisenhügel steht, mit einem Teelöffel voll Kalkstickstoff zu düngen. Die Wirkung ist bereits am nächsten Tag erreicht. Wichtig ist, dass gedüngt wird, denn einen direkten Einsatz von Kalkstickstoff gegen Ameisen erlaubt das Pflanzenschutzgesetz nicht. Sonst wäre er ein Pflanzenschutzmittel, dann bräuchte er eine Zulassung. Gras, Blumen, Bäume, Gemüse zu düngen, ist jedoch völlig unproblematisch. Wenn sich die Ameisennester unter Terrassen- oder Gehwegplatten befinden, genügt es, ein paar Körner Kalkstickstoff um die Ein- und Ausgänge zu streuen. Auch hier ist der Erfolg verblüffend. Wenn die Ameisen das Haus besetzen und schon beim Frühstück über den Esstisch laufen, ist es höchste Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Auch wenn sie im Gewächshaus den Boden umgraben und die Läuse pflegen, ist ein Eingreifen sinnvoll. Ansonsten muss nicht jedes Nest bekämpft werden. Der Grünspecht wird es uns danken, sind doch die Ameisen im Sommer seine Hauptnahrung, die er mit seiner zehn Zentimeter langen Zunge aus den Gängen fischt. Die ärgsten Feinde der Ameisen sind übrigens die Ameisen selbst. In regelrechten Feldzügen werden andere Nester überfallen, deren Bewohner getötet, Puppen und Larven geraubt. Diese werden dann großgezogen und müssen bei ihren neuen Herren Nestarbeiten verrichten.