Zurück zur Übersicht

Ideen

Blütenschäden an Obstgehölzen

Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Februar 2017

Eine ganze Reihe von äußeren Einflüssen kann die Blüten schädigen. Dieser Beitrag versucht etwas Licht in diese Materie zu bringen und stellt die wichtigsten Probleme vor.

 

Die erste Gefahr – und möglicherweise eine sehr große – ist der Blütenfrost. Die unterschiedlichen Stadien der Blüte sind unterschiedlich gefährdet. Im Ballonstadium vertragen die Blüten bis zu minus vier Grad. Die geöffnete Blüte hält zwei Grad minus aus. Am gefährdetsten sind die Blüten nach dem Fall der Blütenblätter. Hier kann die Verdunstungskälte bei plus einem Grad die Temperatur ins Minus treiben und zu erheblichen Schäden führen. Entgegen landläufiger Meinung sind Frostschäden nicht einfach zu diagnostizieren. Wer meint, braune Blütenblätter bedeuten den Verlust der Ernte, liegt falsch. Im Frühstadium der Blüte erfolgt die Kontrolle über die Narbe. Ist diese schwarz, ist die Blüte tot. Im Endstadium der Blüte erfolgt sie eher über den Fruchtknoten. Ist er nicht fühlbar, ist die Blüte in der Regel auch tot. Bei dieser Methode braucht es aber etwas Erfahrung.
Die nächste Bedrohung erfolgt, wenn die Witterung nasskalt ist. Das ist optimal für den Blütenbrand, der vor allem bei Birnen, eventuell auch mal am Apfel vorkommt. Auslöser ist das Bakterium Pseudomonas syringae, das als natürlicher Epiphyt die Baumrinde besiedelt. Es ist auch bei niederen Temperaturen noch sehr aktiv, die Abwehr des Baums aber geschwächt. Nun kann es die Blüten besiedeln, die dann rasch absterben. Möglicherweise vertrocknen auch noch die nächstgelegenen Blätter, aber dann kommt die Krankheit zum Stillstand. Blütenbrand kann zwar dramatisch aussehen, der Baum übersteht ihn aber problemlos. Etwas problematischer ist da schon Monilia, ein Pilz, der in Fruchtmumien auf den Bäumen überdauert. Auch er bevorzugt kühles und feuchtes Wetter. Seine Sporen gelangen auf die Narben der Blüten und wachsen dann über die Blüte bis zum Ende des Blütenstiels. Das gesamte Blütenbüschel stirbt darauf ab. Grundsätzlich können alle Kern- und Steinobstarten befallen werden, aber in unterschiedlicher Schwere. Am gefährdetsten sind die Sauerkirschen, allen voran die Schattenmorelle. Bei ihr tritt zusätzlich noch die Spitzendürre auf. Das heißt, der Zweig oberhalb einer befallenen Blüte stirbt vollkommen ab.
Als Bekämpfungsmaßnahme wird der befallene Zweig 20 Zentimeter unterhalb der Befallsstelle gekappt. Die Sauerkirschsorten ‚Morina‘ und ‚Gerema‘ sind jedoch weitgehend unempfindlich gegen diesen Pilz und sollten der Schattenmorelle unbedingt vorgezogen werden. Süßkirschen sind weniger gefährdet, bei starkem Druck kann es aber doch zu beträchtlichen Ausfällen kommen. Bei starkem Befall kann die Süßkirsche auch schlagartig absterben. Die vorbeugende chemische Bekämpfung ist im Hausgarten zwar möglich, erfordert aber Spezialwissen, das der Hobbygärtner in der Regel nicht hat. Auch Apfel wird befallen, die Gefährdung ist aber sehr stark sortenabhängig. Besonders gefährdet sind ‚Berlepsch‘, ‚Cox Orange‘ und ‚James Grieve‘. Aber auch diese Sorten überstehen Infektionen meist ohne bleibenden Schaden. Ein ganz anderes Kaliber ist der Feuerbrand. Auch das ist ein Bakterium namens Erwinia amylovora und in Süddeutschland seit Jahrzehnten heimisch. Es befällt unter dem Obst nur Äpfel, Birnen und Quitten. Es überwintert am Stamm in Nestern, sogenannten Cancern. Im Frühjahr sondern diese süßes, schleimiges Exsudat aus, das von Insekten, auch Bienen, angenommen wird. Wenn diese dann Blüten besuchen, werden diese infiziert. Die Bakterien wandern in den Blütenzweig und weiter zum Stamm. Da die Wasserleitungsbahnen verstopft werden, sterben die Zweige sofort ab. Daher kommt der Name Feuerbrand. Wenn eine Blüteninfektion erfolgt, geschieht diese normalerweise vieltausendfach, da die Bienen ja von Blüte zu Blüte fliegen und die Infektion immer weiter übertragen. In der Regel bedeutet dies sofortigen Tod und sofortige Rodung und Beseitigung des Baums beziehungsweise der gesamten Anlage. Anders als die vorherigen Kandidaten braucht der Feuerbrand Wärme und Feuchte. Regelmäßig sind diese Temperaturen am Bodensee und in Unterfranken öfter vorhanden, so dass diese Gebiete viel höher gefährdet sind als andere Teile Süddeutschlands. Der letzte Seuchenzug erfolgte außerhalb dieser Gefährdungsgebiete vor ungefähr 15 Jahren. Leider sind diese Krankheiten für den Laien überhaupt nicht unterscheidbar. Wenn der Baumbesitzer aber um seinen Baum bangt und Feuerbrand befürchtet, kann er auf den Internetseiten der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising die Feuerbrandprognose für seinen Standort überprüfen. Wenn die Infektionsbedingungen nicht erreicht sind, kann Feuerbrand sicher ausgeschlossen werden. Wenn sie allerdings erreicht sind, kann das Landratsamt im Regelfall helfen.