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Ideen

Nachernteschäden an Äpfeln

Kleingarten Magazin
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Oktober 2017

Die Apfelernte, die geschuldet den verheerenden Spätfrösten im Frühling nur gering ausfiel, ist vorbei. Umso ärgerlicher, wenn im Lager noch Probleme auftauchen. Dieser Beitrag beschreibt einige relativ häufige Nachernteprobleme.

 

Die bedeutendste nichtparasitäre Lagerkrankheit des Apfels ist die Stippe. Dicht unter der Schale zeigen sich mehrere Millimeter große, dunkle, eingesunkene Flecken. Stippige Äpfel schmecken bitter und sind praktisch nicht mehr zu verwerten. Stippe wird ausgelöst durch Kalziummangel. Kalzium ist Kalk und dieser ist, wie der Leser nun sofort einwendet, doch normalerweise genügend im Boden vorhanden. Das stimmt, doch so einfach ist das nicht. Die Kalziumaufnahme durch den Stiel findet zur Gänze in den ersten Wachstumswochen nach der Blüte statt. Wenn die Frucht dann an Größe zunimmt, wird die begrenzte Kalziummenge zunehmend verdünnt und nimmt zur Schale hin immer mehr ab. Bei sehr großen Früchten, und die sind von Stippe vor allem bedroht, reicht die Kalziumversorgung ganz außen nicht mehr aus, und die Zellen brechen zusammen. Ein geringer Fruchtbehang fördert die Stippe, weil die einzelnen Früchte dann besonders groß ausfallen. Begünstigt wird die Krankheit auch dadurch, wenn der Baum stark wächst. Denn auch die Triebe benötigen Kalzium, das den Früchten dann nicht mehr zur Verfügung steht. Im Erwerbobstbau wird vorbeugend mit Kalziumchlorid behandelt. Im Hausgarten ist dies nicht möglich. Hier sollten die Äpfel, wenn erste Anzeichen der Stippe bemerkt werden, sofort weiterverarbeitet werden. Geschieht dies nicht, entwickelt sich die Stippe weiter, und die Früchte werden unbrauchbar.

 

Kühle Nächte fördern Glasigkeit

Ein weiteres Phänomen, das im Herbst zuweilen beobachtet wird, ist die Glasigkeit. Dabei wird das Fruchtfleisch, häufig in Kernhausnähe, glasig-durchscheinend. Ein sehr schwerer Befall kann sogar von außen an dunkelgrünen, ölartigen Verfärbungen der Schale erkannt werden. Glasigkeit ist eine physiologische Störung, die gefördert wird durch große Hitze und sehr starke Sonneneinstrahlung im Herbst. Kühle Nächte befördern die Glasikgeit zusätzlich. Diese Umstände führen dazu, dass vermehrt Sorbit in der Frucht entsteht. Dies ist eine Zuckerart mit sehr hohem osmotischem Wert. Dann füllen sich die Hohlräume zwischen den Zellen mit Zellsaft und verdrängen die Luft. Glasige Äpfel können bedenkenlos verzehrt werden, in manchen Ländern gilt dies sogar als Qualitätsmerkmal, haben diese Früchte doch einen hohen Zuckergehalt und schmecken noch süßer. Glasige Früchte sind allerdings nicht lange haltbar, denn die Zellen brechen bald zusammen und dies führt zur Fleischbräune. Die Fleischbräune ist ein eigenständiges Krankheitsbild, deren Ursache nicht unbedingt die Glasigkeit sein muss. Ursache ist, dass die Frucht Kohlenhydrate, in dem Fall Apfelsäure abbaut. Daraus entsteht Acetaldehyd, und daraus wird Alkohol, der abgegeben wird. Im Prinzip ist das der Reifungsvorgang. Manchmal ist aber die Umwandlung von Acetaldehyd zu Alkohol gehemmt, dann führt der zu hohe Acetaldehydgehalt zur Fleischbräune. Bei zu später Ernte kann es zu einer vorzeitigen Fleischbräune schon am Baum kommen. Meist tritt sie aber am Lager am Ende der natürlichen Lagerfähigkeit auf.

 

Kernhausfäule durch Pilzbefall

Eine weitere Krankheit, die sich meist erst am Lager zeigt, ist die Kernhausfäule. Beteiligt sind hier Pilze der Gattungen Penicillium, Phoma, Fusarium oder Alternaria. Die Pilze gelangen schon im heranwachsenden Apfel über die Kelchröhre ins Apfelinnere. Bei beginnender Reife und hohem Zuckergehalt entwickelt sich das Pilzgeflecht. Dabei gibt es zwei Arten von Fäulen. Die eine beschränkt sich auf das Kernhaus und geht nicht auf das umliegende Gewebe über. Diese Fäule wird erst beim Durchschneiden der Frucht bemerkt. Bei der anderen Art wird das gesamte Gewebe durchwuchert, und der gesamte Apfel verfärbt sich schokoladenbraun. Äpfel mit Kernhausfäulen sollten nicht mehr verzehrt werden.

 

Vorsicht bei Mycotoxinen

Schimmelpilze bilden Mycotoxine, die bei Mensch und Tier nach Aufnahme über die Nahrung, über Hautkontakt oder Inhalation Vergiftungen hervorrufen. Die Mycotoxine sind klar zu unterscheiden von den giftigen Inhaltsstoffen der Großpilze, beispielsweise des Fliegenpilzes. Heute sind 300 verschiedene Mycotoxine bekannt, die hauptsächlich von den Gattungen Aspergillus, Fusarium und Penicillium gebildet werden. Mycotoxine sind hochresistent gegen Säuren und Hitze. Im Einzelnen können sie zellschädigend, leberschädigend, herzschädigend, immunsystemschädigend, erbgutschädigend, krebserregend und vieles mehr sein. Schon sehr kleine Mengen können ausreichen, um einen akuten Schaden anzurichten. Menschliche Nahrung wird gut überwacht, aber bei Tiernahrung wie verschimmeltem Heu kommt es immer wieder zu Tiersterben. Besondere Vorsicht ist bei Nüssen, vor allem bei Walnüssen geboten. Schon nach 24 Stunden unter dem Baum liegend, sind sie meist von Penicillium besiedelt. Dieser wird aber lange Zeit nicht bemerkt, da sichtbare Pilzfäden erst in einem späten Stadium ausgebildet werden. Schimmelkäsearten dagegen sind garantiert ungefährlich. So ist das Penicillium roqueforti ein Isolat, das keinerlei Gift produziert. Der Roquefort kann also unbedenklich verzehrt werden. Warum die Pilze diese Gifte produzieren, ist noch ungeklärt. Möglich ist aber, dass giftige Früchte nicht mehr von Tieren gefressen werden und so dem Pilz länger zur Verfügung stehen. Zunutze machte der Mensch sich die Tatsache, dass manche Gifte extrem giftig für Bakterien sind. So ist das Penicillium polonicum namensgebend für das Penicillin.