Zurück zur Übersicht

Ideen

Boden: Mulchen schützt die Krume

Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Juni 2015

In einer natürlichen Vegetation ist der Boden bedeckt, ein kultivierter Boden ist weniger gut geschützt. Ihn schädigen Austrocknung, Erosion und UV-Strahlung. Eine Möglichkeit ihn davor zu bewahren, ist das Mulchen des offenen Bodens.

 

Ganz gleich, ob Wald, Wiese oder Magerrasen – Natureinflüsse treffen in der natürlichen Vegetation nicht direkt auf die obere Schicht des Bodens. Der Bewuchs ist dicht und bietet der obersten Schicht quasi eine Partnerschaft auf Gegenseitigkeit an. Die Pflanzen finden in diesem Bereich Halt, Wasser und Nährstoffe, während die Wurzeln das Erdreich halten und die oberirdischen Pflanzenteile sich wie ein schützender Mantel ausbreiten. Es wird die direkte UV-Strahlung mit dem Blätterdach abgefangen. Die Verdunstung und Austrocknung wird reduziert, weil sich der Boden nicht so schnell aufheizt. Tropfen prasseln nicht hart auf die Krume, sondern laufen langsam ab. Wind hat keine Angriffsfläche, die einzelnen Bodenpartikel aufzuwirbeln und davonzutragen. Und die Wurzeln durchwachsen den Boden, was zur Lockerung beiträgt. Es ist ein Geben und Nehmen in diesem System. Wenn man nun den Boden urbar macht und für die Kultur von Gemüse, Früchten und Blumen nutzt, durchbricht man dieses System. Der Boden liegt mit einem Mal schutzlos offen. Alle Naturgewalten können angreifen und so die Eigenschaften des Bodens negativ beeinflussen. Die Folgen im Einzelnen sind der Abtrag des Bodens durch Regen und Wind, die Verdichtung der obersten Schicht durch den Tropfenschlag sowie die Abnahme des Bodenlebens durch UV-Strahlung, Austrocknung und schlechte Belüftung. Für die Pflanzen heißt das, Nährstoffe, Temperatur sowie der Luft- und Wasserhaushalt sind nicht mehr optimal. Hinzu kommt, dass sich auf einer freien Fläche rasch Unkräuter ausbreiten und diese in Konkurrenz zu den Kulturpflanzen Nährstoffe und Wasser dem Boden entziehen.

 

Eine schützende Decke

Nun ist es sicherlich im Bereich von Zierbeeten ratsam, die Pflanzendecke durch Bewuchs zu schließen. Man lässt Stauden, Kleingehölze und Rosen ineinander wachsen, so dass die obere Bodenkrume bedeckt ist wie in der Natur. Allerdings ist dieser Zustand nicht gleich erreicht, sondern braucht meist ein paar Jahre. Es macht keinen Sinn, Pflanzabstände zu verringern, um den Boden rasch zuwachsen zu lassen. Besser ist es, die Lücken mit Sommerblumen in den ersten Jahren zu füllen. Außerdem kann man die Flächen mulchen. Diese Kulturmaßnahme bietet sich auch für den Nutzgarten an, denn hier kann man offene Flächen nicht vermeiden. Durch Erntezyklen und Konkurrenzvermeidung sowie Arbeitsflächen wie Wege bleiben Bereiche über längere oder kürzere Phasen ohne Bewuchs. Mulchen bedeutet, dass man den Boden mit organischem Material abdeckt. Als Material, das bei der gärtnerischen Kultur anfällt, kommen Häckselgut, Laub, Rasenschnitt oder Komposterde infrage. Häufig werden auch andere organische Materialien wie Stroh, Sägespäne und Rindenmulch verwendet. Diese Materialien fallen im Garten nicht an, sondern müssen hinzugekauft werden. Bei Rindenmulch hat man eine lange Haltbarkeit, allerdings muss das Material auch zur Umgebung passen. Auch farbiges Mulchmaterial wird angeboten, es wirkt aber in der Regel nicht sehr natürlich und zersetzt sich nur schwer.

 

Ausbringung mit Fingerspitzengefühl

Mulchen heißt, organisches Material in einer dicken Schicht auf dem Boden auszubringen. Nun hat man verschiedene Gartenabfälle, die man hierfür gut nutzen kann. Allerdings sollte man auf eine ausgewogene Mischung achten, das heißt Rasenschnitt wird entweder mit gröberen Materialien vermischt oder direkt etwas eingearbeitet, damit die geschnittenen Halme bei Feuchtigkeit nicht verkleben und eine Schicht bilden, die den Luft- und Wasseraustausch verhindert. Bei Häcksel ist darauf zu achten, dass keine Samenstände untergemischt werden, um die ungewollte Ausbreitung von Stauden und Sommerblumen zu vermeiden. Laub kann man mit dem Rasenmäher oder einem Häcksler zerkleinern, um die Zersetzung etwas anzukurbeln. Grundsätzlich muss man darauf achten, dass bei der Umsetzung von organischem Material Stickstoff benötigt und festgelegt wird. Daher ist es ratsam, mit dem Häckselma­terial auch etwas organischen Stickstoffdünger auszubringen, damit genügend von dem Nährstoff im Boden ist und es bei den Pflanzen nicht zu Mangelerscheinungen kommt.

 

Mulch als Dünger und gegen Unkraut

Organischer Mulch aus der täglichen Gartenbewirtschaftung  wird mit der Zeit zersetzt. Das hat zwar auf der einen Seite zur Folge, dass man Mulch wieder neu ausbringen muss. Auf der anderen Seite entsteht ein natürlicher Nährstoffkreislauf, der Dünger spart und dafür sorgt, dass die Pflanzen gut versorgt werden. Die Abdeckung des Bodens sorgt dafür, dass die Oberfläche schattiert ist und die Bedingungen zur Keimung von Unkrautsamen schlecht sind. Allerdings muss man auch aufpassen, dass man durch das Häckselgut und durch Rasenschnitt nicht andere Samen in den Boden einbringt.

 

Die Temperatur des Bodens

Mulch reguliert und fördert auch die Temperatur des Bodens. Verwendet man dunkle Materialien, so haben diese vor allem im zeitigen Frühjahr den Vorteil, dass sie die Sonnenstrahlen absorbieren und in Wärme umwandeln. Dadurch steigt die Temperatur im Erdreich. Folglich steigen die Aktivität des Bodenlebens sowie die Umsetzungsprozesse, so dass auch das Wachstum der Pflanzen angekurbelt wird. Als dunkle Materialien haben sich Kompost und Rindenmulch bewährt. Im Bereich der anorganischen Mulchmaterialien ist es vor allem dunkelgrauer Splitt, der Wärme speichert.

 

Die Sache mit den Schnecken

Mulch hält die Feuchtigkeit im Boden, was im Grunde positiv zu bewerten ist. Allerdings fühlen sich in der feuchten Schicht auch Schnecken sehr wohl und überleben. Daher muss man bei schneckenempfindlichen Pflanzen das Mulchen durchaus kritisch sehen. Eine gründliche Kontrolle, das Absammeln der Schädlinge und die Vermeidung der Ansiedlung in der Nähe des Austriebs durch Beimischung spitzer Nadeln oder spitzer Steine ist empfehlenswert. Gegebenenfalls sollte man gerade bei empfindlichen Stauden wie Rittersporn und Salbei oder auch Dahlien auf Mulch verzichten und erst, wenn die Triebe älter bzw. abgehärtet sind, den Mulch verteilen.