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Ideen

Die Boden­hilfs­stoffe

Kleingarten Magazin Boden
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Februar 2015

Böden sind in puncto Luft- und Wasser­führung ganz unterschiedlich. Um Extreme auszugleichen und die Versorgung der Pflanzen zu optimieren, kann man sogenannte Bodenhilfsstoffe ausbringen und in den Boden einarbeiten.

 

Ein Sandboden ist gut durchlüftet, weil die Zwischenräume der Sandkörner groß sind. Gleichzeitig rinnt das Wasser hindurch und versickert schnell. Ganz anders verhält es sich beim Lehm- oder Tonboden, der sich aus vielen kleinen Einzelkörnern zusammensetzt. In den engen Zwischenräumen, den sogenannten Kapillaren, hält sich das Wasser gut. Allerdings mangelt es häufig an einer guten Durchlüftung. Bodenverbesserungsstoffe zielen darauf ab, diese einseitigen Gegebenheiten eines Bodens auszugleichen. Daher geht es bei den Bodenverbesserungsstoffen darum, kleine Korngrößen in sandige Böden zu bekommen und grobe Korngrößen in Lehm- beziehungsweise Tonböden anzureichern.

 

Feinste Stäube mit großer Oberfläche

Auf sandigen Böden kommt es zum Ausgleich der Korngrößen, wenn man Urgesteinsmehl verwendet. Es handelt sich hierbei um industriell zermahlenes Gestein. Dieses Mehl ist wirklich sehr fein und von einer staubartigen Konsistenz. Das bedeutet, dass die Oberfläche des Urgesteinsmehls sehr hoch ist und sich neben Wassermolekülen auch Nährstoffe anheften können, um den Pflanzenwurzeln zur Aufnahme zur Verfügung zu stehen. Auf einem Quadratmeter Boden werden etwa 100 bis 500 Gramm Urgesteinsmehl ausgebracht. Die tatsächliche Menge ist von dem Bodenzustand abhängig. Man unterscheidet zwischen einem basischen und einem sauren Urgesteinsmehl. Diese Einteilung ist abhängig vom Ausgangsgestein. Je höher der Kalziumgehalt des Ausgangsgesteins ist, desto höher der pH-Wert des Urgesteinsmehls. Basische Urgesteinsmehle sind vor allem für sandige Böden zu empfehlen. Die sauren Urgesteinsmehle, häufig aus dem Ausgangsgestein Basalt, kann man dagegen auch auf Ton-, Lehm- oder Lößböden einsetzen. Zugleich kommen mit dem Urgesteinsmehl wichtige Spurenelemente in den Boden. Urgesteinsmehl wird auch zur Verbesserung der Fruchtbarkeit eines Bodens eingesetzt. Durch die besondere Struktur der Urgesteinsmehle fördern sie die Entstehung der sogenannten Ton-Humus-Komplexe. Diese krümeligen Strukturen gleichen auf der einen Seite die Luft- und Wasserhaltefähigkeit des Bodens aus, auf der anderen Seite verhindern sie, dass Nährstoffe aus der oberen ­Bodenschicht ausgewaschen werden und in das Grundwasser gelangen. Ton-Humus-Komplexe verhindern, dass der Boden verschlämmt und durch Wind feine Partikel abgetragen werden. Ähnlich wie Urgesteinsmehl ist auch Bentonit ein feines Mehl, das für die Verbesserung der Struktur von sandigen, leichten Böden verwendet wird.

 

Mehr Luft durch grobe Körner

Für die feinen, dicht aneinanderliegenden Körner eines Ton- beziehungsweise Lehmbodens ist es wichtig, dass der Anteil gröberer Körner erhöht wird. Dieses erreicht man durch Quarzsand. Wichtig ist, dass das Material gewaschen ist, damit tatsächlich nur die groben Teile in den Boden kommen. Vollkommen ungeeignet ist Sandkastensand. Bei Quarzsand handelt es sich um einen Bodenverbesserer, der hinsichtlich der Nährstoffe und des pH-Werts als neutral zu beurteilen ist. In der Regel genügen etwa fünf Liter Quarzsand pro Quadratmeter zur Bodenverbesserung. Allerdings kann man Sand auch höher dosiert verwenden, um einen schweren Boden beispielsweise für mediterrane Pflanzen zu verbessern.

 

Kalk: Dünger und Bodenverbesserer

Kalzium ist ein Pflanzennährstoff und trägt vor allem dazu bei, dass die Struktur der Zellwände intakt und stabil ist, und unterstützt das Zellwachstum. Darüber hinaus ist Kalzium aber auch ein bedeutender Bodenverbesserer. Zum einen wird durch den hohen pH-Wert ein übersauerter Boden wieder ins Gleichgewicht gebracht. Zum anderen entstehen mithilfe von Kalzium und Bodenlebewesen die wertvollen Ton-Humus-Komplexe. Dadurch kommt es zu einer Stabilisierung der Bodenstruktur. Man unterscheidet zwischen Kalk, der aus natürlichem Kalkgestein, wie zum Beispiel Dolomitkalk, und karbonhaltigem Kalkgestein hergestellt wird, und Industriekalk, der als Abfallprodukt verschiedener Produktionszweige entsteht. Wenn man den Boden kalken will, dann sollte man grundsätzlich zunächst den Kalziumgehalt des Bodens mithilfe einer ­Bodenanalyse bestimmen, um tatsächlich ausreichend bzw. nicht zu viel Kalk auszubringen. Ideal sind granulierte Produkte, die sich leicht und gleichmäßig ausbringen lassen.

 

Das A und O: Humus

Auch Humus spielt bei der Bodenverbesserung eine große ­Rolle. Es handelt sich hierbei um abgestorbene Pflanzenreste, die durch Kompostierung verrotten. Im Kleingarten gehört Kompost zu den wichtigsten Humuslieferanten. Humus ist ein Bestandteil, der das Bodenleben anregt und durch die verschiedenen Lebewesen so zersetzt wird, dass alle Stoffe wieder in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt werden. Dadurch ist er nicht nur ein Bodenverbesserer, sondern durch die Bereitstellung von Nährstoffen auch ein Dünger. Die Aktivität des Bodenlebens führt gleichzeitig zu einer Erwärmung des Bodens und fördert die Durchlüftung. Deshalb ist es wichtig, dass man regelmäßig im Herbst oder spätestens im Frühling reifen, abgelagerten Kompost auf den Beeten ausbringt, damit den Bodenlebewesen mit den steigenden Temperaturen auch ausreichend Material zur Umsetzung zur Verfügung steht.

 

 

Tipps zum Ausbringen von Bodenverbesserungsstoffen

 
- Komposterde kann flächig ausgebracht werden.

- Sand erst mit der Schaufel auftragen und dann mit dem Rechen gleichmäßig verteilen.

- Sand kann nach dem Ausbringen durch Umgraben in das Erdreich eingearbeitet werden.

- Beim Ausbringen von trockenem Urgesteinsmehl immer einen Mundschutz tragen, damit die feinen Teilchen nicht in die Atemwege gelangen.

- Kalk und Gesteinsmehl können mit einem ­Düngerstreuer verteilt werden.

- Absolute Windstille sollte herrschen, wenn man Urgesteinsmehl oder Kalk ausbringt.

- Komposterde wird durch die Bodenlebewesen im Lauf des Frühlings in die Erde eingebracht.

- Vor dem Streuen von Kalk und Urgesteinsmehl sollten die Pflanzen von der Nacht oder einem Regen abgetrocknet sein.

 - Anhaftender Kalk bzw. Gesteinsmehl kann mit einem Wasserstrahl von Blättern und Blüten abgespült werden.