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Ideen

Die Zeigerpflanzen

Kleingarten Magazin
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Februar 2016

Ein Blick auf den natürlichen Bewuchs auf einem Boden lässt bereits viele Rückschlüsse auf die Bodenverhältnisse zu. Es sind die sogenannten Zeigerpflanzen, die nur unter bestimmten Bedingungen wachsen und so Aussagen zu dem vorhandenen Bodengefüge, Bodenreaktion, Nährstoffgehalt und Lichtsituation zulassen.

 

Die Farbe, die Korngröße und auch die Fingerprobe sind gute Charakteristika eines Bodens, um ihn zu bestimmen. Weitere Auskünfte für eine spontane Analyse geben die sogenannten Zeigerpflanzen. Es handelt sich hierbei um natürlich vorkommende Wildkräuter mit speziellen Standortansprüchen, die für das Wachstum erfüllt sein müssen. Um­gekehrt kann man Rückschlüsse auf die Standortverhältnisse ziehen, wenn sie an einer bestimmten Stelle wachsen. Will man exakte und detaillierte Informationen über die Bodenreaktion und die Bodenverhältnisse haben, muss man eine Bodenprobe nehmen und sie in ein Labor einschicken. Dabei kann man selbst bestimmen, welche Faktoren und Nährstoffgehalte analysiert werden sollen.

 

Die Lichtsituation

Je nach Lage einer Fläche, kann es zu einem spontanen Bewuchs kommen, der ganz eindeutig die Besonnung anzeigt. Dort, wo viel Sonnenlicht hinkommt, wächst das Gelbe Sonnenröschen (Helianthemum). Es ist zugleich ein Zeichen für einen trockenen Boden.

Im Schatten macht sich die Vegetation eher rar und eine der wenigen Pflanzen, die mit wenig Licht auskommt, ist der Sauerklee (Oxalis). Aber auch Giersch (Aegopodium), Gundermann (Glechoma) und Adlerfarn (­Pteridium) siedeln sich dort an, wo wenig Sonnenlicht an den Boden gelangt.

 

Die Bodenreaktion

Ein wichtiges Charakteristikum für einen Boden ist der pH-Wert, weil sich viele Pflanzen an eine basische bzw. eine ­saure Reaktion angepasst haben. Der basische, häufig auch ­alkalisch genannt, Boden enthält viel Kalk. Hier findet man Löwenzahn (Taraxacum), Ackerwinde (Convulvulus), Kuhschelle (Pulsatilla), Brennnessel (Urtica), Acker-Rittersporn (Consolida), Klatschmohn (Papaver rhoeas) und Huflattich (Tussilago). Ebenso fühlen sich Salbei (Salvia), Wegwarte (­Cichorium), Taubnessel (Lamium), Ringelblume (Calendula), Storchschnabel (Geranium) und Leberblümchen (Hepatica) wohl. Selbst wenn diese als Stauden in einem Garten gepflanzt sind, so ist es ein Zeichen, wenn sich diese Pflanzen von allein ausbreiten und große gesunde Horste bilden. Weitere typische Pflanzen für kalkreiche Böden sind Wolfsmilch (Euphorbia), Tauben-­Skabiose (Scabiosa), Leinkraut (Linaria), Hauhechel (Ononis), Gänsedistel (Sonchus), Ehrenpreis (Veronica) und ­Sichelmöhre (Falcaria). Dagegen ist die Kamille (Matricaria chamomilla) ein Indiz dafür, dass der Boden eine neutrale ­Reaktion aufweist. Und zugleich kann man dort, wo die Kamille wächst, von Verdichtungen ausgehen. Klare Zeichen für den sauren Boden mit einem pH-Wert von 6 und niedriger sind Pflanzen wie Sauerampfer (Rumex), Stiefmütterchen (Viola), Sauerklee (Oxalis acetosella) und Schachtelhalm (Equisetum). Ebenso ist dort, wo die Heidelbeeren gut wachsen und Moorbeetpflanzen wie Rhododendren (Rhododendron), Besenheide (Calluna vulgaris) und Lavendelheide (Pieris) sowie Stech­palmen (Ilex) gedeihen, von einem sauren Boden auszugehen.

 

Die Bodenfeuchtigkeit

Bodenfeuchtigkeit ist im Moment der Betrachtung häufig eher kurzfristig, weil diese vor allem von der klimatischen Situation und hierbei insbesondere von den Niederschlägen beeinflusst wird. Für einen feuchten Boden sprechen Kohldistel (Cirsium) und Trollblume (Trollius). Und darüber hinaus sind auch Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Sumpfdotterblume (Caltha palustris) typisch. Für Staunässe sprechen vor allem Ackerminze (Mentha), Beinwell (Symphytum), Acker-Schachtelhalm (Equisetum), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Scharbockskraut (Ficaria verna), Wiesenknöterich (Polygonum bistorta) und Wiesenknopf (Sanguisorba). Ist der Boden dagegen trocken, so sind Lichtnelke (Silene latifolia), Reiherschnabel (Erodium), Sonnenröschen, Wegerich (Plantago), Storchschnabel und Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) häufig anzutreffen.

 

Verdichtete Schichten

Wenn der Boden verdichtet ist, entsteht schnell Staunässe, und empfindliche Pflanzen können sich nur schlecht entwickeln. Daher ist es wichtig, dass man beispielsweise Ackerschachtelhalm als eindeutiges Zeichen für Verdichtungen wertet. Meist sind bauliche Maßnahmen mit schwerem Gerät oder Wegränder von diesem Zeichen betroffen. Man bekämpft dieses Problem am besten mithilfe des Spatens, in dem man bis in die Schichten vordringt, die die Probleme auslösen. Durch Umgraben und Einbringen von Sand oder Kies kann man die Wasserführung des Bodens wieder verbessern. Auch die Königskerze (Verbascum), der Huflattich sowie der Breitwegerich sind eindeutige Anzeichen für Verdichtungen. Gleichzeitig ist ein verdichteter Boden eher lehmig, weil die feine Kornstruktur leicht zusammengedrückt wird.

 

Der Nährstoffgehalt

Wenn es um die Nährstoffe geht, dann stellt sich zunächst die Frage, ob der Boden viele oder wenige Nährstoffe bietet. Ein eher armer Boden ist an Pflanzen wie Gänseblümchen (Bellis), Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris), Hungerblümchen (Draba), Kleinem Wiesensauerampfer, Saatwucherblume (Glebonis) und Weißklee (Trifolium) zu erkennen. Wenn dagegen Brennnessel, Franzosenkraut (Galginsoga), Melde (Atriplex) und Vogelmiere (Stellaria) sich ausgebreitet haben, spricht dieser Bewuchs dafür, dass die Humus- und Nährstoffstruktur hoch ist. Gerade Brennnessel und Franzosenkraut, aber auch Löwenzahn, Quecke (Elymus), Vogelmiere, Bärenklau (Heracleum) und Giersch zeigen einen guten Stickstoffgehalt an. Auch wenn der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) sich gut entwickelt und verwildert, ist ausreichend Stickstoff vorhanden. Wenn dagegen der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre), der Behaarte Klappertopf (Rhinanthus), Besenginster (Cytisus), Hungerblümchen, die geruchlose Kamille (Tripleurospermum maritimum) und Ziest (Stachys) die Pflanzendecke bestimmen, zeugen diese Pflanzen von einem stickstoffarmen Boden.

Magnesium wird durch Gamander (Teucrium), Roten Fingerhut (Digitalis) und Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) angezeigt. Als Kaliumanzeiger sind Bärenklau, Melde, Fuchsschwanz (Amaranthus) und Roter Fingerhut bekannt.

 

Bodenprobe richtig entnehmen 

Zunächst den Boden bis zur gewünschten Tiefe entnehmen. An der geraden Schnittfläche, die entstanden ist, wird der Boden von unten nach oben abgenommen. Für eine Fläche sollten 10 bis 15 Einzelproben in einen Eimer gegeben und gemischt werden. 500 Gramm davon werden in einen Plastikbeutel gefüllt und eingeschickt. Dabei sollten alle wichtigen Daten mit einem Aufkleber auf dem Beutel versehen werden. Der ideale Zeitpunkt ist von Herbst bis Frühjahr. Es sollte vor der Düngung die Probe entnommen werden.

Die Tiefe hängt von der jeweiligen Kultur ab. Gemüse- und Blumen werden zwischen 0 und 25 Zentimeter entnommen. Für Rasen geht man nur bis zehn Zentimeter Tiefe und bei Gehölzen sollten zum einen 0 bis 30 Zentimeter und 30 bis 60 Zentimeter beprobt werden.