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Ideen

Pflanzzeiten – Teil 2: Gehölze – Das A und O bei der Pflanzung

Kleingarten Magazin
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Oktober 2018

Laubabwerfende Gehölze und Rosen lassen sich während der Ruhephase am
besten verpflanzen, weil sie so am wenigsten Stress haben und der Neustart
im Frühling für das perfekte Anwachsen sorgt. Die Pflanzzeiten für immergrüne Gehölze sollten hingegen in den Frühling oder Spätsommer gelegt werden.


„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ – so lautet ein Sprichwort, das nicht nur im übertragenen Sinn seine Gültigkeit hat. Aber dennoch sind die Wünsche der Hobbygärtner immer wieder andere. Entweder man möchte einen Baum umsetzen, um die Fläche anders zu gestalten oder einen neuen Blickfang in die Gestaltung zu integrieren. In letzterem Fall möchte man auf jahrelanges Warten, bis sich das gewünschte Bild tatsächlich einstellt, verzichten. Also handelt man entgegen dem Sprichwort und verpflanzt einen alten Baum. Und damit dies gelingt, sollte ein Zeitpunkt gewählt werden, der für das jeweilige Gehölz optimal ist. Dieser ist die winterliche Ruhephase, in der die Stoffwechselaktivität und das Wachstum stark reduziert sind, so dass der Standortwechsel möglichst wenig Stress auslöst. Hinzu kommt der Aspekt, dass Trockenheit bei laubabwerfenden Gehölzen in den Wintermonaten keine Probleme bereitet. Meist reicht es, in der Phase des Standortwechsels den Bereich der Wurzeln abzudecken und leicht feucht zu halten. Grundsätzlich besteht das A und O bei der Pflanzung von Gehölzen darin, dass der Boden im Pflanzloch tiefgründig gewässert wird. Man hebt zunächst das Pflanzloch großzügig aus und prüft, ob der Bereich der Wurzeln genauso tief im Erdreich steht wie zuvor. Anschließend wird der Grund des Pflanzlochs gelockert und je nach Bodenart mit Sand- und Humusgaben verbessert. So wird das Durchwurzeln tieferer Bodenschichten erleichtert und das Wachstum der Wurzeln verbessert.


Pflanzqualitäten
Natürlich spielt auch für die Pflanzung im Winter der Container als Qualität bei Gehölzen eine Rolle, weil er den Transport ermöglicht. Aber Gehölze werden gerade zwischen Herbst und Frühling auch mit einem Ballen aus Erde und Wurzeln oder als sogenannte wurzelnackte Ware angeboten. Der Ballen wird in der Regel durch ein Ballentuch aus pflanzlichen Fasern gehalten. Dieses ist am Stamm verknotet. Der Knoten muss beim Pflanzen gelöst werden. Das Tuch kann im Boden verbleiben, weil es von den Wurzeln schnell durchwachsen wird und anschließend verrottet. Die wurzelnackte Ware wirkt für den Laien meist minderwertig, hat aber viele Vorteile. Zum einen sieht man tatsächlich, wie gut verzweigt der Wurzelkörper der Pflanze aufgebaut ist. Zum anderen ist die reine Pflanze vom Gewicht viel leichter und damit besser zu transportieren. Nicht unerheblich sind die Preisvorteile. Nach einem Jahr im Garten kann man die verschiedenen Qualitäten nur noch mit scharfem Blick und Vorkenntnissen voneinander unterscheiden.


Ein guter Stand

Wenn die Gehölze zwischen Herbst und Frühling gepflanzt werden, dann sollten vor allem die Stammbildner zusätzlichen Halt bekommen, damit sie bei windiger bis stürmischer Wetterlage nicht in Schieflage kommen und später unbemerkt so weiter wachsen. Daher sollten sie immer in der Hauptwindrichtung abgestützt werden. Dies geht mit einem klassischen Stützpfahl und einem weichen Bindematerial wie Sisal oder Kokos. Man kann aber auch an der Basis mit zwei Hölzern und breiten Gummischlaufen für den entsprechenden Halt sorgen. Grundsätzlich müssen Schlaufen etwas Spiel haben, damit sie beim Dickenwachstum nicht dazu führen, dass der Stamm durch Einschnürung beschädigt wird.


Die Hecke aus wurzelnackter Bundware
Für die Heckenpflanzung hat sich die wurzelnackte Ware, die es meist im Bund von 25 Stück zu kaufen gibt, als ideal erwiesen. Mit einer solchen Hecke fängt man klein an, was zunächst stört, der große Vorteil besteht aber darin, dass eine laubabwerfende Hecke von unten dicht wachsen kann und so eine gleichmäßig grüne Wand bildet. Man muss sich gut drei Jahre gedulden, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Die Vorteile des einfachen Transports der Bundware und der günstigen Preise sind entscheidend. Vor der Pflanzung sollten die Wurzeln feucht gehalten werden, indem man die Bunde einfach im Boden in einem sogenannten Einschlag feucht hält.


Immergrüne als Ausnahme
Bei der Pflanzung von Immergrünen sollte man ihre Pflanzzeit ganz bewusst auf das Frühjahr verlegen. Denn: Der Stoffwechsel und damit das Wachstum dieser Gewächse bleibt auch im Winter aktiv. Sicherlich sind das geringere Licht und die tiefen Temperaturen begrenzende Faktoren, aber bei Sonnenschein erwärmt sich das Laub schnell und daher benötigen die Pflanzen zur Photosynthese und zur Verdunstung Wasser. Ist der Boden im Bereich der Wurzeln gefroren, kann kein neues Wasser nachgeliefert werden und es kommt zu Schäden. Daher ist es wichtig, dass diese Pflanzen auf jeden Fall vor dem Winter gut einwurzeln können. Diese Chance ist gegeben, wenn Stechpalme, Rhododendron und Co. im September in den vom Sommer noch warmen Boden gepflanzt werden. Natürlich sollte das Pflanzloch ebenfalls gut vorbereitet werden, damit die jungen Wurzeln rasch in die Tiefe wachsen können und so nicht nur Halt geben, sondern auch die Wasserversorgung sicherstellen können. Grundsätzlich muss die Herbstpflanzung gut gewässert und auch im Winter immer wieder auf Trockenheit kontrolliert werden.


Rosen
Die optimale Pflanzzeit für Rosen ist ebenfalls der späte Herbst, wenn das Laub abgeworfen und das Wachstum zur Ruhe gekommen ist. Traditionell werden die Pflanzen als wurzelnackte Ware vertrieben, denn Rosen bilden sehr lange Wurzeln. Es werden schlanke, hohe Töpfe benötigt, die nur eine geringe Standfestigkeit besitzen. Die Rosen werden vor der Pflanzung gut gewässert und anschließend so gesetzt, dass die Veredelung in der Erde sitzt. Zum Schutz vor Frost werden die jungen Pflanzen mit abgelagerter Komposterde, Erdreich, Laub und/oder Häckselmaterial angehäufelt. Dieser Schutz wird im Frühling glatt gezogen. Wer viel unverrottetes Material verwendet, sollte darauf achten, dass der Stickstoffvorrat im Frühling entsprechend ausreichend ist, damit die neu gepflanzten Rosen keinen Schaden nehmen. Anfangs wird im Frühling bei Trockenheit gegossen, aber bereits zur ersten Blüte im Sommer kann sich die Rose selbst versorgen. Einzige Ausnahme sind extrem trockene Wetterlagen, in denen aber auch die eingewachsenen Pflanzen Wassergaben benötigen. 

 

Blühende Rosen pflanzen
Natürlich sieht man bei einer Pflanzung im Herbst nicht, wie die Rosen aussehen. So ist es in Mode gekommen, Rosen blühend in den Frühsommermonaten zu pflanzen. Das ist natürlich möglich, aber mit einem recht hohen Aufwand imHinblick auf das Gießen nach der Pflanzung verbunden. Da die Blüte Kraft kostet, die zulasten der Wurzelbildung geht, kann sich eine Containerrose im ersten Jahr noch nicht sehr gut selbst versorgen und muss regelmäßig gegossen werden. Wer sich diese Mühe sparen will, besucht in den Sommermonaten Rosenbaumschulen, Rosarien oder öffentliche Gärten, um sich die schönsten Sorten auszusuchen und sie dann für die Pflanzung im Spätherbst zu bestellen.