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Ideen

Rettet die Insekten!

Insekten sind ein wichtiger Bestandteil der Natur.
Marienkäfer machen sich als Blattlausvertilger im Garten nützlich.
Ameisen dagegen betrachten Blattläuse eher als Nutztiere, die sie pflegen.
Mit Nisthilfen kann man Wildbienen einen Platz für die Eiablage bieten.
Die Honigbiene ist bei uns das drittwichtigste Nutztier.
Gut getarnter Gartengast: die Punktierte Zartschrecke.
Der Schwalbenschwanz ist einer unserer größten Tagfalter.
Februar 2019

Insekten sind ein wichtiger Bestandteil der Natur. Aber sie sind zunehmend bedroht – höchste Zeit, etwas für sie zu tun!

Fast eine Million Insektenarten haben Wissenschaftler bis heute weltweit beschrieben – und es gibt wahrscheinlich noch einige Millionen mehr in den tropischen Regenwäldern und anderswo, die von der Wissenschaft bisher unentdeckt sind. Innerhalb des Tierreichs sind Insekten die artenreichste Klasse. Und nicht nur das: Mit mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten stellen sie die absolute Mehrheit. Das gilt auch für Deutschland, wo einer Dokumentation des Bundesamts für Naturschutz von 2004 zufolge Insekten mit 33.305 Arten den größten Teil der insgesamt rund 48.000 Tierarten ausmachen. Auch die Vielfalt der zu den Insekten zählenden Tiergruppen ist gewaltig: Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Bienen, Wanzen, Fliegen, Mücken, Läuse, Ameisen und Heuschrecken gehören dazu, um nur ein paar bekanntere unsystematisch herauszugreifen.

Studien belegen Insektensterben
Aber diese Insektenvielfalt ist bedroht: Innerhalb von 27 Jahren – von 1989 bis 2015 – ist die Biomasse fliegender Insekten um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. Dies zeigt eine 2017 veröffentlichte Studie, für die an über 60 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg Daten erhoben wurden. Genau genommen gelten die ermittelten Zahlen natürlich nicht automatisch für ganz Deutschland, sondern nur für die von der Untersuchung abgedeckten Standorte. Dass es sich bei diesen Gebieten um Naturschutzgebiete handelt, in denen die Natur noch so halbwegs intakt sein sollte, lässt die Ergebnisse allerdings umso alarmierender erscheinen. Zudem bestätigen verschiedene vom NABU Baden-Württemberg zusammengestellte Studien zu diversen Insektengruppen in verschiedenen Untersuchungsgebieten, dass sich auch dort erschreckende Rückgänge dokumentieren lassen. Über die genauen Prozentzahlen kann man sicherlich streiten – das Insektensterben an sich aber ist erschreckende Realität. „Wieso erschreckend?“, wird sich mancher fragen. „Es ist doch schön, wenn es ein paar weniger lästige Stechmücken, Blattläuse und Wespen gibt.“ Würde es sich nur um einzelne kleinere Tiergruppen handeln, die vom Verschwinden betroffen sind, so ließe sich vielleicht etwas leichtfertig in dieser Art argumentieren. Tatsächlich aber sind die Insekten schon aufgrund ihrer großen Anzahl und Vielfalt als wichtige Spieler in zahlreiche natürliche Abläufe verwickelt.

Massive Auswirkungen auf die Natur

Insekten sind Bestandteil vieler Nahrungsnetze, indem sie fressen und gefressen werden. Sie verwerten organische Abfälle, die in der Natur oder auch durch menschliche Aktivitäten anfallen. Als Bestäuber sind sie für die Fortpflanzung vieler Wild- und auch Nutzpflanzen unentbehrlich. Und in Gestalt der ­Honigbiene stellen sie in Deutschland das nach Rindern und Schweinen drittwichtigste Nutztier, wobei ihre Leistung bei der Bestäubung von Kulturpflanzen weitaus höher zu bewerten ist als der von ihnen produzierte Honig. Wenn also die Insektenzahlen weiterhin so stark zurückgehen wie in den letzten rund 30 Jahren, so wird das ganz massive Auswirkungen auf die Natur und auch auf uns Menschen haben. „Gäbe es schlagartig keine Insekten mehr, würden alle insektenbestäubten Blütenpflanzen verschwinden, Ab- und Umbauprozesse im Wald weitgehend zum Erliegen kommen. Die auf Insektennahrung spezialisierten Vögel, Fledermäuse, Igel und Spitzmäuse würden weitgehend oder ganz aussterben“, erklärt der Biologe Bruno Streit, Seniorprofessor für Ökologie und Evolution der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Erst im Laufe vieler Millionen Jahre könnte sich theoretisch wieder eine neue entsprechende Vielfalt einstellen. „So weit wird es zwar nicht kommen, aber eine Abnahme der Singvögel ist teilweise bereits eingetreten“, fügt er hinzu.

Etwas ketzerisch gedacht, könnte das Verschwinden der Insekten aber auch ein paar Vorteile mit sich bringen: Man müsste sich nicht mehr vor blutsaugenden Insekten wie Mücken oder den von Insekten übertragenen Krankheiten wie Pest, Malaria und Schlafkrankheit schützen. Eventuell müsste man die Pflanzenschädlinge unter den Insekten, die in den Monokulturen von Nutzpflanzen große Ernteausfälle verursachen können, auch nicht mehr bekämpfen. Gerade Letzteres könnte sich aber auch leicht als Trugschluss herausstellen: Als eine Hauptursache für den Rückgang der Insekten wird nämlich die intensive Landwirtschaft mit ihren monotonen Äckern aus Mais, Raps oder Getreide ohne Auflockerungen durch Feldgehölze, Hecken oder Blühstreifen, mit Überdüngung, Pestizideinsatz und dem Verlust ökologisch hochwertiger Flächen genannt. Und zumindest von manchen dieser Entwicklungen profitieren die durch Monokulturen geförderten Pflanzenschädlinge ja sogar. Es ist also nicht gesagt, dass sie überhaupt vom Insektensterben betroffen sind.

Nachhaltigkeit nützt Insekten
Weil landwirtschaftliche Flächen mit rund 50 Prozent den größten Anteil an der deutschen Gesamtfläche haben, lässt sich durch Änderungen in diesem Bereich am meisten für die bedrohten Insekten erreichen. Wer seine Lebensmittel möglichst direkt aus seiner Region zur richtigen Saison und am besten aus biologischen Anbau bezieht, nimmt damit Einfluss auf die landwirtschaftlichen Produktionsweisen – und eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft nützt auch den Insekten. Aber auch in eigenen Garten kann man etwas für die Insekten tun, indem man komplett auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet und seinen Garten möglichst vielfältig und naturnah gestaltet. Ein Beet mit Wildblumen oder allgemein einheimischen Pflanzen, selten oder gar nicht gemähte und kultivierte wilde Ecken, Frühblüher für früh fliegende Insekten, Totholzstapel und Insektennisthilfen bieten vielen Insekten wertvollen Lebensraum. Wer Stauden nur einmal im Jahr schneidet, ermöglicht es Insekten, in ihren Halmen zu überwintern, und wer ungefüllte statt gefüllte Blütenpflanzen bevorzugt, bietet Bienen und anderen bestäubenden Insekten damit bessere Nahrungsquellen.