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Leben

Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin – Am Anfang stand die Bart-Iris

Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 1
Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 2
Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 3
Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 4
Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 5
Pflanzenzüchter Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, Bild 6
Februar 2018

Schwertlilien, Pfingstrosen und Taglilien zählen zu den besonderen Spezialitäten der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin – ebenso wie die Beetkollektionen mit genau auf verschiedene Gartensituationen abgestimmten Staudensortimenten.

 

Im vom Klima verwöhnten Markgräflerland zwischen Freiburg und Basel liegt die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin mit ihren ausgedehnten Freilandflächen inmitten von Weingütern und Weinbergen. Auch die Gärtnerei selbst wurde auf den Flächen eines Weinguts gegründet, das Helen Gräfin von Zeppelin, Nichte des Luftschiffingenieurs Ferdinand Graf von Zeppelin, von ihrer Großmutter geerbt hatte. Die Gründerin, die bereits als Neunjährige angefangen hatte, Iris zu sammeln, brachte eine kleine Sammlung dieser Pflanzen mit nach Laufen und begann, aus der Gutsgärtnerei eine weltweit bekannte Spezialitätengärtnerei aufzubauen. Züchterisch konzentrierte sie sich zunächst auf ihre Lieblingspflanze, die Bart-Iris, so dass aus der ursprünglich kleinen Iris-Sammlung schließlich eines der arten- und sortenreichsten Angebote Europas hervorging.

 

Mehr als 500 Iris-Sorten

Aktuell umfasst das Sortiment der Staudengärtnerei über 500 Sorten Schwertlilien, die nach wie vor eine Spezialität des Pflanzenbetriebs sind. Weitere Schwerpunkte liegen bei Pfingstrosen mit rund 200 und bei Taglilien mit rund 300 Sorten, zwei Pflanzengruppen, deren Züchtung und Vermehrung sich die Gräfin ebenfalls schon sehr früh besonders intensiv widmete. „Neben diesen und vielen weiteren Staudensorten und -arten umfasst unser Sortiment heute auch unter anderem 120 Rosensorten, verschiedene Gehölze und ein großes Angebot an Kräutern, ­Gräsern und Farnen“, erläutert Betriebsleiterin Michaela Rösler. „Ungefähr 2.200 Sorten haben wir fest im Sortiment. Das kann aber von Jahr zu Jahr etwas schwanken. Manchmal kommen in einem Jahr viele Neuheiten hinzu, manchmal nehmen wir wieder Sorten aus dem Sortiment heraus. Wir müssen ja auch aufpassen, dass unser Angebot mit all seiner Vielfalt für unsere Kunden überschaubar und für uns beherrschbar bleibt.“ Für die Liebhaber alter Iris-Sorten hat die Staudengärtnerei noch die 1962 von Helen Gräfin von Zeppelin gezüchtete ’Aglaja von Stein‘ und die von den deutschen Züchtern Max Joseph Goos und August Koenemann 1920 bzw. 1924 herausgebrachten Sorten ’Rheintraube‘ und ’Rheingauperle‘ im Angebot. Die von ihr aus aller Welt in einer Schausammlung zusammengetragenen rund 1.000 Iris-Sorten dagegen übergab die Iris-Gräfin 1969 dem botanischen Garten in Basel-Brüglingen. Insbesondere zur Blütezeit im Mai kommen dort Irisfreunde aus aller Welt zusammen und lassen sich von der blühenden Vielfalt begeistern. „Wir müssen hier für uns einen Mittelweg zwischen der Bewahrung des Alten und der Aufnahme von Neuerungen finden“, so Michaela Rösler. „Während es im Pfingstrosenbereich richtig viele alte Sorten gibt, werden bei den Iris häufiger neue Sorten gezüchtet. Dabei geht der Trend zu immer intensiveren Farben und zu größeren Blüten. Die neue blaue Sorte ist dann sozusagen der Feind der älteren blauen Sorte.“ Eigene neue Sorten züchtet die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin allerdings nicht mehr. „Mit der Erweiterung unseres Sortiments um verschiedene Pflanzengruppen haben wir uns für einen anderen Weg entschieden und sind jetzt ein reiner Produktionsbetrieb“, erläutert die Betriebsleiterin. „Stattdessen haben wir Kontakt zu verschiedenen Zuchtbetrieben, die Iriszüchtung und -produktion im großen Stil betreiben und sich auf diese Gruppe beschränken. Aufgrund ihrer Spezialisierung können sie viel mehr Energie in die Züchtung stecken, als wir das als breit aufgestellter Betrieb könnten – auch was den häufig nötigen Rechtsschutz neuer Sorten betrifft. Unser Verständnis dagegen ist es, uns im Irismarkt weltweit nach Neuheiten umzuschauen, die uns begeistern und die interessant für unsere Kunden sind. Wir prüfen, ob die neu entdeckten Sorten auch unter den Verhältnissen bei uns wachsen, ob sie beispielsweise auch bei uns winterhart sind, und ob sie besser sind als die Sorten, die wir haben. Wenn das so ist, bauen wir sie auf, nehmen sie neu in unser Sortiment auf und ersetzen eben eventuell auch eine alte Sorte dadurch.“ Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Frage, ob eine Sorte zum deutschen Geschmack passt – nicht alles, was beispielsweise den Amerikanern gut gefällt, kommt auch auf dem deutschen Markt gut an.

 

Beetkollektionen für jeden Geschmack

Eine besondere Spezialität der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin sind die Beetkollektionen – Staudensortimente für die verschiedensten Gartensituationen, die neben den Pflanzen selbst einen Pflanzplan und ausführliche Pflegehinweise enthalten. „Viele Hobbygärtner haben ein Bild davon im Kopf, wie ein Beet einmal aussehen soll – wohlgeordnet oder auch etwas wilder, in dunkleren oder helleren Farben“, sagt Michaela Rösler. „Gerade Anfängern fällt es aber häufig schwer zu überlegen, welche Pflanzen zueinanderpassen, wie sie sich entwickeln werden und ob sie überhaupt für den vorgesehenen Standort geeignet sind. Aber auch für Fortgeschrittene ist es eine anspruchs­volle Aufgabe, Blütezeiten, Wuchshöhen und Blattstrukturen, Boden- und Klimaansprüche zu einem stimmigen Konzept zusammenzufügen.“ 2001, zum 75-jährigen Jubiläum, hatte die Staudengärtnerei erstmals Beetkollektionen in ihren Katalog aufgenommen. Die Idee wurde sehr gut angenommen, so dass sich die Anzahl der verschiedenen angebotenen Beetkollektionen auf mittlerweile rund 60 erhöht hat. Da gibt es trendige ebenso wie klassische oder blumenbunte Lösungen, Kollektionen für den Balkon ebenso wie solche für den Vorgarten. „Der Gärtner kann sich bei der Anlage des Beets genau an unserem Pflanzplan orientieren. ­Gerade wenn er erfahrener ist oder auch etwas andere Vorstellungen hat, kann er aber auch mit den Anordnungen experimentieren“, erläutert Michaela Rösler. „Wenn er beobachtet hat, wie die Pflanzen sich über mehrere Jahre entwickelt haben, kann er auch seinem Geschmack entsprechend die Pflanzenanordnung ändern oder neue Pflanzen hinzunehmen. Unabhängig davon bieten wir an, unsere Kollektionen auf eine andere Beetgröße oder einen etwas anderen Standort hin umzuarbeiten oder auch in Absprache mit den Kunden individuelle Beet­planungen durchzuführen. Dieses Angebot wird gerade von ­Leuten gerne angenommen, die recht genaue Vorstellungen davon haben, wie ihr Beet aussehen soll, sich aber nicht trauen, das selbst umzusetzen.“

 

Rundweg durch die Pflanzenvielfalt

Als auf Stauden ausgerichteter Betrieb produziert die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin ganz überwiegend Pflanzen, die das ganze Jahr über im Freien stehen und in geeigneter Umgebung bei der entsprechenden Pflege winterhart sind. Deshalb hat die Gärtnerei im Vergleich zu anderen Zierpflanzenbetrieben mit rund 1.200 Quadratmetern, von denen 1.000 Quadratmeter beheizbar sind, relativ wenig Flächen unter Glas. „Die Gewächshäuser nutzen wir zur Anzucht und für die von uns ebenfalls angebotene Überwinterung von Kübelpflanzen“, führt Michaela Rösler aus. „Freilandfläche dagegen haben wir mit insgesamt 6,5 Hektar relativ viel. Auf ungefähr 10.000 Quadratmetern davon stehen die zuvor unter Glas angezogenen Pflanzen, nachdem sie getopft worden sind.“ Einen Teil der Freiflächen bekommen die meisten Gärtnereibesucher nicht zu sehen, weil sie in etwas weiterer Entfernung und ein wenig versteckt hinter Reben liegen. Auf den direkt beim Betrieb gelegenen 1,3 Hektar aber können sie sich in Ruhe umsehen. „Auf diesen Flächen haben wir zum Beispiel eine große Schaupflanzung mit Pfingst­rosen, ein großes Feld mit Taglilien, eine ausgedehnte Fläche mit Irismutterpflanzen, die hier zur Vermehrung stehen, und auch Pflanzungen unserer anderen Stauden und Kräuter. Wer uns zur Blütezeit besucht, kann genau sehen, wie hoch die einzelnen Sorten werden und kann die Blütenfarben noch besser als im Katalog begutachten – es ist für die Kunden eine schöne Hilfe, wenn sie die Pflanzen hier einmal in echt sehen“, betont Michaela Rösler. Um die ganze Pflanzenvielfalt zu zeigen und eine Fülle von Anregungen für die Beetgestaltung zu geben, führt ein Schaugartenrundweg mit mehr als 20 Stationen durch die Gärtnerei – von der bunten Prachtstaudenrabatte über Kräuterbeet, Teichgarten und Bodendecker bis hin zum Irisbrunnen.

 

Alles rund um den Garten

Bereits vor mehr als 20 Jahren begann die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin damit, sich über das ohnehin ausgesprochen vielfältige Pflanzenangebot hinaus noch breiter aufzustellen und sich zum Anbieter für alles rund um den Garten zu entwickeln. So erweiterte Aglaja von Rumohr, die als Tochter der Gründerin die Staudengärtnerei 1993 übernahm, das Angebot des Betriebs um Gartenbücher, Gartenwerkzeuge und Dekoartikel. Die Buchhandlung zählt mittlerweile sogar zu den größten Fachbuchhandlungen für Gartenliteratur in Deutschland. Fachseminare und Workshops werden ebenso angeboten wie Führungen für Vereine und das 2012 eröffnete Lilien-Café lädt zum Verweilen. Mehr und mehr entwickelt sich der Besuch des Betriebs vom reinen Pflanzenkauf zum Erlebniseinkauf, wie Michaela Rösler berichtet: „Bei einigen unserer Kunden ist es mittlerweile schon gute Tradition, im Urlaub jedes Jahr auf dem Weg in den Süden oder zurück bei uns vorbeizukommen, eine Runde durch den Schaugarten zu machen und zu sehen, was es Neues bei uns gibt, bevor sie ihre Reise fortsetzen.