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Leben

Von Obstliebhabern und anderen Nahrungskonkurrenten

Kleingarten Magazin
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September 2012

Früchte sind bei vielen Tieren eine beliebte Nahrungsquelle und ziehen so zum Beispiel Vögel in den Garten. Andere Tiere leben in den Früchten, meist nicht zur großen Freude des Gärtners.

Die Früchte vieler Pflanzen sind voller nahrhafter und für uns Menschen wohlschmeckender Inhaltsstoffe, weshalb wir einige dieser Pflanzen in Hinblick auf die Ausbildung großer Früchte ja auch immer weiter züchterisch entwickelt haben und sie in unseren Gärten anbauen. Dass Früchte auf Lebewesen auch ohne unsere züchterischen Bemühungen attraktiv wirken, ist dabei in vielen Fällen durchaus kein Zufall: Sie dürften ihr nahrhaftes Fruchtfleisch und auch ihre auffälligen Farben im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um so beispielsweise Vögel anzulocken, die dann für die Verbreitung der Samen sorgen. Viele Samen, Früchte oder Fruchtstände sind rot, gelb oder schwarz gefärbt und stechen so aus ihrer grünen Umgebung heraus – ideal, um die sich sehr stark optisch orientierenden Vögel anzusprechen. Auch dass die Früchte erst während des Reifens von ihrer ursprünglichen grünen zu einer auffälligeren Färbung wechseln und meistens zudem weicher werden, ist günstig, weil die Vögel die Früchte so erst dann ernten, wenn die in ihnen enthaltenen Samen reif für die Verbreitung sind. Die Vögel fressen die Früchte, verwerten das Fruchtfleisch und scheiden die Samen unversehrt und keimfähig mit dem Kot wieder aus – meist an einem von der Mutterpflanze etwas weiter entfernten Ort, so dass die Pflanzenart sich neue Standorte erobern kann.

Wer gerne Vögel im Garten beobachten möchte, kann deshalb versuchen, sie durch das Anpflanzen früchtetragender, einheimischer Wildsträucher anzulocken. Eine Vielzahl verschiedener Arten eignet sich dafür, wobei nicht jede Vogelart jede Beerensorte mag und die Sträucher sich jahreszeitlich hinsichtlich des Nahrungsangebots für Vögel ergänzen können, da sie zu verschiedenen Zeiten Früchte tragen.

 

Gut fürs Tier, giftig für den Menschen

Die orangeroten, länglichen Früchte des Sanddorns – botanisch als Schein-Steinfrüchte bezeichnet – beispielsweise sind oft während des gesamten Winters am Strauch zu finden und stellen deshalb eine wertvolle Bereicherung des Speisezettels vieler Vögel dar. Die Früchte des Faulbaums dagegen sind eine bei vielen Vogelarten beliebte Herbstnahrung. Wacholder- und Misteldrosseln zählen zu den eifrigsten Verbreitern der Samen dieser Pflanze. Für uns Menschen übrigens sind die Früchte des Faulbaums ebenso wie auch Blätter und frische Rinde giftig. Sie können Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall bewirken. Damit ist der Faulbaum eines von vielen Beispielen dafür, dass Früchte für uns nicht unbedingt bekömmlich sein müssen, nur weil wir beobachtet haben, dass sie von Tieren immer wieder gerne gefressen werden. 

Bei der Eibe sind die Verhältnisse noch etwas komplizierter: Für den Menschen sind alle Teile dieses Nadelgehölzes sehr stark giftig – mit einer Ausnahme: Der als Arillus bezeichnete rote Samenmantel, der die bläulich-braunen Samen umschließt, ist ungiftig, der darin enthaltene Samen allerdings -genauso giftig wie alle anderen Pflanzenteile. Auch auf verschiedene Haustiere – Säugetiere wie Pferde, Rinder oder Schafe, aber auch Geflügel – wirken Eibenteile stark giftig, wenn es auch von Art zu Art hinsichtlich der Wirkung Unterschiede gibt. Verschiedene Vogelarten aber werden vom leuchtend roten, zuckerhaltigen Arillus angelockt und fressen Arillus samt Samen auf. Das Fruchtfleisch verdauen sie, den Samen scheiden sie unversehrt und nach wie vor keimfähig wieder aus. Mit dem im Samen enthaltenen Gift sind die Vögel auf diese Weise gar nicht in Berührung gekommen, man weiß also nicht, ob es giftig auf sie gewirkt hätte. Star, Singdrossel, Amsel und Misteldrossel sind einer englischen Untersuchung zufolge die Vögel, die am häufigsten die Arillen fressen. Auch wenn der Mensch die aus Arillus und Samen bestehende Eiben-Scheinfrucht verzehren würde, ohne den Samen zu zerkauen oder sonst wie zu beschädigen, geht von den Samen der Literatur zufolge keine Vergiftungsgefahr aus. Schon alleine, weil man nicht sicher sein kann, ob der Samen nicht doch irgendwie beschädigt ist oder im Magen beschädigt wird, sollte man dieses Experiment aber auf keinen Fall wagen. Neben den Vögeln, die nur am Arillus der Eibe interessiert sind, gibt es auch solche, die gezielt den Samen fressen. Kleiber, Grünling, Kernbeißer und Kohlmeise gehören dazu. Ihnen allen scheint das Gift der Eibe nichts auszumachen. Der Kleiber scheint dabei zur Ausbreitung der Eibensamen beizutragen, indem er einige davon als Wintervorrat versteckt und dann vergisst. Die Kohlmeise dagegen hämmert die Kerne auf und verzehrt das Innere – sicherlich nicht im Interesse der Eibe, der ihr Gift in diesem Fall aber anscheinend nichts nützt.

 

Für jeden Vogel das Richtige

Ebenso wie die Eibe ist auch das Pfaffenhütchen – und diese Pflanze wirklich in allen ihren Teilen – für den Menschen giftig. Und ebenso wie bei der Eibe gibt es auch beim Pfaffenhütchen Vögel, denen das Gift nichts ausmacht. Besonders häufig kann man das Rotkehlchen dabei beobachten, wie es den fleischigen Arillus von den aus der Samenkapsel heraushängenden Samen abschält und die Samen dabei fallen lässt – oder aber beides verschluckt und den Samen an einem anderen Ort wieder ausspeit. Am Schwarzen Holunder dagegen lässt sich vor allem der Hausrotschwanz häufiger blicken, um von den Beeren zu fressen. Auch mit Kirschen, Johannisbeeren und anderem eigentlich für den eigenen Gebrauch angebauten Obst lockt man bekanntermaßen Stare, Amseln und andere Vögel in den Garten, die man dann hervorragend beobachten kann – wenn man sie auch meist lieber nicht in seinem kurz vor der Pflückreife stehenden Obst sehen möchte. Welche Vögel sich im Einzelfall an Wild- und Kultursträuchern und -bäumen einstellen, hängt stark davon ab, welche Arten überhaupt in der Gegend vertreten sind und was für Nahrungsquellen sonst in der Umgebung geboten werden.

 

 

Bunte Resteverwerter

Auch wenn die Früchte bereits überreif vom Baum gefallen und für uns Menschen nicht mehr besonders attraktiv sind, stellen sie für viele Tiere noch eine interessante Nahrungsquelle dar. Der Admiral beispielsweise ist im Spätsommer, wenn viele seiner vorher genutzten Nektarquellen langsam versiegen, sehr häufig an aufgeplatztem, manchmal bereits faulendem oder gärendem Obst anzutreffen. Besonders gern bedient er sich an Pflaumen und Zwetschgen, aus denen er mit seinem langen Rüssel den zuckerreichen Saft heraussaugt. Später im Jahr sind die Admirale dann plötzlich aus unserer Gegend verschwunden: Ähnlich wie viele Vögel ziehen sie in den Süden – in einer Flughöhe von drei bis vier Metern und mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Kilometern pro Stunde. Ebenso wie der Admiral gehört der C-Falter zu den Schmetterlingen, die häufiger süße Säfte aus dem Fallobst saugen, während viele andere Schmetterlingsarten diese Nahrungsquelle offensichtlich nicht für sich entdeckt haben. Auch Hornissen, Wespen und Bienen sind häufiger am Fallobst oder auch an noch am Baum hängenden, aufgeplatzten Früchten zu beobachten.

Manche Tiere sind gar nicht so sehr am Fruchtfleisch interessiert, sondern viel mehr am Kern. Manchmal kann man im Garten an einer Stelle zusammengesammelt ganz viele Zwetschgenkerne finden, die allesamt an der Seite ein Loch haben. Hier sind Mäuse tätig gewesen, die den Samen aus der harten Umhüllung herausgefressen haben.

  

 

Wurmiges Innenleben

Andere Tiere ernähren sich nicht nur von Früchten, sie leben sogar darin – zumindest zeitweise. Obst als Lebensraum von verschiedenem Kleingetier zu betrachten, entspricht dabei natürlich nicht der normalen Sichtweise eines Gärtners, der ja an einer reichen Ernte makelloser Früchte interessiert ist. Aber man kann das Ganze ja auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Die Würmer, die einem regelmäßig den Genuss vor allem der früher reifenden Himbeersorten verleiden, beispielsweise sind eigentlich gar keine Würmer, sondern die Larven von Himbeerkäfern (Byturus tomentosus). Die Weibchen dieses bis zu einem halben Zentimeter großen, bräunlichen Käfers legen im Juni ihre Eier an den Staubgefäßen offener Blüten oder an unreifen Früchten ab. Die aus den Eiern schlüpfenden, cremefarbenen Larven wohnen im Inneren der Himbeere, fressen zunächst vom Zapfen in der Mitte, schließlich aber auch vom Fruchtfleisch. Wenn die Himbeeren reifen, kommen die Larven aus ihnen hervor, lassen sich zu Boden fallen, graben sich ein und verpuppen sich. Die Käfer kommen dann erst im Frühjahr aus dem Boden hervor. Bei den ebenfalls häufig als Würmer oder Maden bezeichneten Bewohnern von Pflaumen und Zwetschgen dagegen handelt es sich nicht um Käferlarven, sondern um die Raupen eines Schmetterlings, des Pflaumenwicklers (Grapholita funebrana). Dass dieser auch im erwachsenen Zustand kein Prachtfalter, sondern nur ein unauffälliger, grauer Geselle ist, macht seine Larven nicht gerade beliebter. Das Weibchen legt die Eier an den jungen Früchten ab, die aus den Eiern schlüpfenden Raupen bohren sich dann in die Frucht ein, wobei häufig ein farbloser Gummitropfen auf die Einbohrstelle hinweist. Im Fruchtfleisch fressen sich die Raupen bis zum Kern vor und hinterlassen dabei einen mit krümeligem Kot gefüllten Gang. 

Auch der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist kein Freund des Gärtners. Dieser Rüsselkäfer ernährt sich früh im Jahr von verschiedenen jungen Früchten und stellt sich erst später auf Haselnüsse um. Die erwachsenen Käfer fressen Haselnussblätter und bohren junge Nüsse an, für ihren Nachwuchs beißen die Weibchen ein kreisrundes Loch in eine Haselnuss und legen ihre Eier hinein. Gut geschützt im Inneren entwickelt sich die Käferlarve. Ist sie ausgewachsen, verlässt sie die mittlerweile zu Boden gefallene Nuss, um sich für den Winter im Boden einzugraben. Himbeerkäfer, Pflaumenwickler und Haselnussbohrer sind dabei nur drei von weitaus mehr Arten, die einige ihrer Entwicklungsphasen im Inneren von Früchten verbringen, und sie dabei, das muss auch ein Biologe zugeben, für den menschlichen Genuss unbrauchbar machen.

 

Bilder: Gerd Röder, pixelio.de/dieter haugk, Fotolia/Naj/afitz