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Ideen

Ernten unter Glas und Folie

Ernten unter Glas und Folie.
Dieses Tomatenhaus ist Richtung Sonne und Süden geöffnet.
Das Spektrum der Formen und Farben bei Paprikafrüchten ist groß.
Tomaten und Gurken wachsen gut geschützt im Foliengewächshaus.
Einige Wochen nach der Pflanzung sind Gurken erntereif.
Dank der Kippscheiben lässt sich das Frühbeet einfach regelmäßig belüften.
April 2019

Kleingewächshaus oder Folientunnel, Tomatenhaus oder Vliestunnel: Der sogenannte „geschützte Anbau“ bietet nicht nur die Möglichkeit, früher mit der Aussaat und Anzucht von Jungpflanzen zu beginnen, er ist auch perfekt für Gemüse, die es lieber ein bisschen wärmer haben und erst bei Temperaturen über 25 Grad so richtig loslegen.

 

Bei Kleingewächshäusern oder Folientunnel ist es nicht nur die höhere Temperatur, die das Wachstum wärmeliebender Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika und Chili, Auberginen und Gurken fördert, sondern auch der Schutz vor Nässe durch Regen und Tau sowie der geringere Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur. Obwohl die letzten Sommer so heiß waren, dass der Anbau der genannten Arten auch im Freien problemlos möglich war (solange genug Wasser zum Gießen zur Verfügung stand), sind die mediterranen Früchtchen unter einem Glasdach auch vor Krankheiten besser geschützt und Nützlinge gegen Weiße Fliege oder Rote Spinne können einfacher ausgebracht werden.

Tomate
Die Sortenvielfalt bei Tomaten ist unüberschaubar und man kennt mehrere Tausend verschiedene Sorten und Formen, mit weißen, grünen, gelben, orangefarbenen oder roten, ja sogar fast schwarzen, gefleckten oder gestreiften Früchten, deren Größe von kaum weintraubengroß bis kindskopfgroß reicht. Auch bei der Form lassen sich Tomaten in kein Korsett zwängen: kugelig, rund, oval, länglich, zugespitzt, birnenförmig, gerippt oder wülstig. Bei Tomaten unterscheidet man zwei Typen: Stabtomaten, die mit einem langen Trieb wachsen und eine Stütze brauchen, sowie Buschtomaten, die sich verzweigen und strauchförmig wachsen. Während sich für Beete oder Hochbeete die buschigen Typen besser eignen, sind Stabtomaten perfekte Gewächshauskandidaten. Achten Sie jedoch bei der Sortenwahl auf den Hinweis der Züchter, dass die Sorte robust und resistent ist, z. B. gegen Kraut- und Braunfäule – auch wenn die Gefahr eines Befalls unter Glas geringer ist.
Tomaten werden ab Februar/März ganz flach (0,5–1 cm) ausgesät. Da die kleinen Pflanzen viel Licht brauchen, ist es besser, beim Gärtner, auf dem Wochenmarkt oder im Gartencenter vorgezogene Jungpflanzen zu erwerben, da die Triebe auf der Fensterbank meist lang und weich werden, die Pflanzen kippen dann leicht. Ab April (im Freiland erst nach den Eisheiligen) kommen sie dann ins Gewächshaus – entweder direkt in die Erde (wenn im Vorjahr keine Tomaten an derselben Stelle gewachsen sind und es auch keine Probleme mit Braunfäule gab) oder in große Töpfe (mind. 20 Liter Volumen). Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte etwa 60 × 60 Zentimeter betragen. Setzen Sie die Pflanzen so tief ein, dass die untersten Blätter gerade noch über der Erde liegen. Am Stängel in der Erde bilden sich schnell neue Wurzeln und die Pflanze ist standfester. Diesen Umstand kann man sich auch zunutze machen, wenn man „vergeilte“ Jungpflanzen, also solche, die durch zu viel Wärme und zu wenig Licht lange, dünne und weiche Stängel haben, retten möchte. Legen Sie die Pflanzen einfach längs in eine Rille, so dass nur die Spitze aus der Erdoberfläche herausschaut. Das Wachstum wird gefördert, wenn Sie zwischen den Tomaten Basilikum, Schnittsellerie, Ringelblumen oder Tagetes aussäen.
Tomaten brauchen viel Wasser und sollten alle zwei Wochen einen speziellen kalium- und kalziumreichen Tomatendünger bekommen. Bei Kalziummangel entstehen an den Enden der Früchte schwarze, eingesunkene Flecken, die sogenannte Blütenendfäule. Bei Stabtomaten werden die Seitentriebe in den Blattachseln alle paar Tage entfernt („ausgegeizt“), bei Busch- oder Strauchtomaten können Sie sich das sparen. Spätestens Ende September/Anfang Oktober wird auch im Gewächshaus die Spitze gekappt, denn die dann noch gebildeten Blüten setzen zwar noch Früchte an, diese reifen aber nicht mehr aus. Gegen Weiße Fliege helfen Nützlinge (Schlupfwespen) und Gelbtafeln, gegen Kraut- und Braunfäule robuste Sorten und das Düngen mit einer Schachtelbrühe sowie das Besprühen mit Pflanzenstärkungsmitteln.

Paprika, Chili und Peperoni
Paprika gibt es in fast so vielen Formen wie Tomaten – das Spektrum ist viel größer als „nur“ blockige Gemüsepaprika oder Spitzpaprika. In den letzten Jahren werden immer häufiger auch kleinfrüchtige Sorten, sogenannte Tomaten- oder Pflaumenpaprika, angeboten, deren Anbau man durchaus ausprobieren sollte. Bei Chili oder Peperoni wird der Schärfegrad in Scoville angegeben: 0 bedeutet keine Schärfe, Peperoni haben 100 bis 500, Jalapenos 2.500 bis 8.000 und reiner Cayennepfeffer 30.000 bis 50.000. Paprika und Chili werden ab Februar flach (0,5–1 cm) ausgesät. Da sie nicht ganz so lichthungrig wie Tomaten sind, macht es nichts, wenn man früher anfängt und die Tage noch nicht so lang und hell sind. Vorgezogene Jungpflanzen können ab April ins Gewächshaus gepflanzt werden – im Abstand von 50 × 50 Zentimeter. Stecken Sie zu jedem Exemplar gleich einen kleinen Bambus- oder Holzstab oder einen Staudenstützring mit in die Erde, da die Pflanzen später durch die schweren Früchte leicht umkippen und abknicken. Die Temperatur im Gewächshaus sollte nicht unter 12 °C fallen, denn Paprika- und Chili-Jungpflanzen reagieren bei Kälte mit mehrwöchigen Wachstumsstockungen. Die erste Blütenknospe an der Triebspitze, die sogenannte Königsknospe, wird ausgekniffen, damit sich die Pflanze verzweigt und mehr Früchte ansetzen kann. Gedüngt wird anfangs sparsamer, erst später, wenn die ersten Früchte da sind, wird häufiger gegossen und alle zwei Wochen mit Gemüsedünger gedüngt. Vorsicht vor zu viel Stickstoff: Dann bilden die Pflanzen nur Blätter und keine Blüten. Die Früchte sind bei allen Sorten anfangs grün und färben sich dann zu Gelb, Orange, Rot oder Violett-Schwarz. Bei warmer, trockener Luft können Spinnmilben auftreten – dann helfen Lüften und das Bespritzen der Wege mit Wasser, damit die Luftfeuchtigkeit erhöht wird. Gegen Weiße Fliege und Blattläuse helfen Gelbtafeln und Nützlinge.

Gurke
Während im Beet und Hochbeet die kleinwüchsigen Mini- oder Midi-Gurken und natürlich Gewürzgurken am besten wachsen, gedeihen im Gewächshaus auch die größeren Schlangengurken. Ab Mitte April kommen die im März/April vorgezogenen Jungpflanzen ins Gewächshaus – der Pflanzabstand beträgt 100 × 40 Zentimeter. Besonders ertragreich sind veredelte Gurken, die auch noch robuster gegen Pilzkrankheiten sind. Gurken brauchen viel Wasser und Dünger und dürfen niemals austrocknen. Gegen Spinnmilben hilft die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, Blattläuse und Weiße Fliege lassen sich mit Nützlingen und Gelbtafeln in Schach halten und gegen Mehltau kann eine Spritzung mit Schachtelhalmpräparaten zur Pflanzenstärkung vorbeugen. Schon vier bis sechs Wochen nach der Pflanzung beginnt die Ernte. Lassen Sie die Früchte nicht zu groß werden, sonst werden weniger neue Blüten (und damit Früchte) angesetzt.

Aubergine
Auberginen stammen aus Indien und dem Fernen Osten und lieben Wärme – noch mehr als Tomaten. Außer den bekannten violett-schwarzen Sorten aus dem Supermarkt gibt es auch weiße, gelbe, gestreifte, grüne, kugelig runde, länglich ovale und eiförmige, was ihnen den Namen „Eierfrucht“ oder „Eggplant“ im Englischen einbrachte. Auberginen vertragen in der Anzucht keine Kälte und werden am besten als vorgezogene Jungpflanzen vom Gärtner gekauft, es sei denn, Sie haben ein beheizbares Anzuchtgewächshaus. Erst im Mai kommen sie dann ins Kleingewächshaus im Garten. In derselben Erde sollten im Vorjahr keine Tomaten gewachsen sein, denn das kann zu Wachstumsstörungen führen. Kürzen Sie die Triebe in den ersten Wochen nach dem Auspflanzen ein, damit die Pflanze sich verzweigt und drei bis vier kräftige Triebe bildet. Auberginen dürfen nie austrocknen und bekommen ab Juni alle zwei Wochen einen Tomatendünger. Gegen Weiße Fliege sind zwischen den Pflanzen aufgehängte Gelbtafeln sinnvoll. Ein Tipp zur Ernte: Auberginen sind dann erntereif, wenn die Früchte die gewünschte Größe erreicht haben, noch fest sind, aber auf Druck leicht nachgeben und die Schale glänzt. Schneiden Sie die Früchte mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere am Stiel mit dem Kelchansatz ab. Im Kleingewächshaus können Sie die ersten Früchte ab Juli ernten, im Freien erst ab August. Rohe Auberginen sind nicht bekömmlich, da sie Solanin enthalten – einen Giftstoff, der durch Erhitzen zerstört wird. 

Wichtiger Hinweis
Beachten Sie bitte die Vorgaben Ihrer Gartenordnung.

Aubergine (Solanum melongena)
Saattiefe: 0,5–1 cm
Pflanzabstand: 60 × 50 cm
Nährstoffbedarf: hoch
Pflanzsubstrat: Pflanzerde oder Kompost-Erde
Aussaat: Vorkultur ab März bis April
Pflanzung: Ende Mai/Anfang Juni
Kulturdauer: vier bis sechs Monate
Beetpartner: Kohlrabi, Radieschen, Spinat