Zurück zur Übersicht

Garten

Jetzt noch Obstgehölze pflanzen

Der Topaz trägt im dritten Jahr schon reichlich (Bild: Hubert Siegler).
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Kleingarten Magazin
Oktober 2018

Durch den Klimawandel bleiben die (Boden-)Temperaturen oft bis Januar über dem ­Gefrierpunkt. So können die im November neu gepflanzten Obstgehölze noch gut einwurzeln, solange kein Dauerfrost im Boden herrscht.
 

Es bilden sich bereits neue Faserwurzeln, solange die Bodentemperaturen im Wurzelbereich noch über fünf bis sechs Grad liegen. Über den Winter ist ausreichend Bodenfeuchte vorhanden, die meist lange in den Frühsommer hält. Bei Frühjahrspflanzungen der letzten Jahre hingegen mit trockenen, v.  a. heißen Monaten April und Mai musste schon frühzeitig mehrfach nachgegossen werden. Die Herbstpflanzung ist v.  a. für wurzelnackte Gehölze vorteilhaft. Früher galt es, erst spät, d. h. nach dem Blattfall der Bäume und Sträucher, wurzelnackte Gehölze von den Anzuchtquartieren zu roden und daher erst im November zu pflanzen. Durch diesen späten Rodetermin konnten aktive Blätter noch lange Zeit Reservestoffe in die Knospen der Obstgehölze einlagern und diese somit stärken. Für den Herbst spricht auch, dass die Auswahl an bestimmten Obstsorten und in guter Gehölzqualität am größten ist. Außerdem kann wurzelnackte Ware, die zudem preisgünstiger angeboten wird, besser transportiert werden. Für empfindliche bzw. wärmeliebende Obstarten wie Tafeltrauben, Kiwibeeren, Aprikosen empfiehlt sich die Frühjahrspflanzung v.  a. in Regionen mit strengeren Wintern (z. B. Bergländer, Mittelgebirge). Der Standort für alle Obstgehölze soll sonnig sein, nicht direkt neben Hecken (Wurzel-, somit Wasser- und Nährstoffkonkurrenz) bzw. zu nah an Mauern und befestigten Gehwegen (eingeschränkter Wurzelraum).


Vorgehensweise bei der Pflanzung
• Das Pflanzloch muss ausreichend groß und tief sein, am besten doppelter Durchmesser des Wurzel- bzw. Containerballens. Dies hat den Vorteil, dass in diesem größeren Pflanzbereich der Boden locker ist und durch Zuschlagsstoffe verbessert werden kann. Standen an der Pflanzstelle bereits Obstbäume, sollte der Aushub nicht wieder­verwendet, sondern von der Gemüse-, Blumen- oder ­Rasenfläche entnommen werden. Dieser wird mit etwa ein Drittel gut verrottetem Kompost vermischt.
• Pflanztiefe: Die Veredelungsstelle der Obstbäume muss deutlich, etwa ein bis zwei Handbreit, über dem Bodenniveau bleiben. Containergehölze werden so tief wie die Substratoberfläche gesetzt; bei wurzelnackter Ware kommt der Wurzelansatz gut unterhalb der Oberfläche. Oft kann man den Übergang an der Rindenfarbe erkennen, wie tief wurzelnackte Gehölze in der Baumschule standen. Hinweis: Etwas tiefer pflanzen als „gewohnt“, ist ratsam auf leichten, humusarmen Böden und bei Nachbau. Auch bei der ein-, zwei- oder dreitriebigen Spindelerziehung von Johannis-, v. a. aber Stachelbeeren führt dies zu einer stärkeren Wuchskraft.
• Bei Obstbäumen den Pfahl vor dem Einpflanzen des Gehölzes in der Hauptwindrichtung etwa zehn bis 15 Zentimeter vom Stamm entfernt 40 bis 50 Zentimeter tief einschlagen.
• In wühlmausgefährdeten Gärten wird das Pflanzloch von Obstbäumen, v. a. Apfelbäumen, mit einem Drahtgeflecht ausgekleidet. Nach der Pflanzung muss auch die Oberfläche damit bis zum Stamm abgedeckt werden.
• Trockene Container bzw. wurzelnackte Gehölze werden vor dem Pflanzen in einen großen Eimer Wasser gestellt, damit sich Ballen bzw. Wurzeln mit Wasser vollsaugen.
• Wurzelschnitt: Wurzelnackte Ware hat beim Roden einen Großteil seiner Wurzelmasse verloren. Diese muss geschont werden. Nur beschädigte, gequetschte oder überlange Wurzeln werden (leicht) eingekürzt, die feinen Faserwurzeln bleiben ungeschnitten. Bei Containerware entfällt meist der Wurzelschnitt. Handelt es sich um einen total durchwurzelten, verfilzten Ballen, so wird dieser am Rand an drei bis vier Stellen mit der Schere keilförmig angeritzt. Auch bei Ringelwurzelbildung werden lange Wurzelzöpfe eingekürzt. Durch diese Maßnahmen können sich neue Faserwurzeln bilden.
• Der Pflanzvorgang ist zu zweit einfacher. Eine Person hält das Gehölz mittig über der Pflanzsohle in entsprechender Höhe zum Bodenniveau. Die andere Person schaufelt den vermischten Aushub locker in die Grube. Während des Verfüllens das Gehölz immer wieder rütteln, damit die Erde gut zwischen die Wurzeln gelangt. Am Ende dann gut andrücken bzw. leicht festtreten, jedoch nicht „einbetonieren“. Ein Gießwall am Rand der Baumscheibe verhindert das Wegschwemmen von Wasser. Das Angießen (zehn bis 20 Liter, leicht einschlämmen) erfolgt auch bei feuchtem Boden und sorgt für guten Bodenkontakt der Wurzeln. Nach dem Einsickern kann noch eine dünne Erdschicht über die Baumscheibe gestreut werden.
• Baumscheibe bewuchsfrei halten! Sie sollte wegen Mäusegefahr von Mitte September bis April mulchfrei bleiben, danach mit organischem Material, wie angewelktem Rasenschnitt, dünn abgedeckt sein, um Bodenfeuchte und Bodengare im Wurzelbereich zu erhalten.
• Obstbäume gut anbinden, die Schnur am besten in Form einer „Acht“ zwischen Stamm und Pfahl binden.


Pflanzschnitt
Außer den speziellen Säulenobstbäumen, deren Mitteltrieb nicht eingekürzt werden darf, erfolgt bei den anderen Erziehungsarten von Obstbäumen, wie Rundkrone, Spindel und Spalier, ein entsprechender Pflanzschnitt. Dieser kann bei der Herbst- bzw. Frühwinterpflanzung erst im März durchgeführt werden. Er ist v.  a. bei wurzelnackten Gehölzen zwingend, da diese beim Roden erhebliche Wurzelmasse verloren haben und mit dem Rückschnitt nun ein ausgewogenes Verhältnis von unter- und oberirdischen Gehölzteilen hergestellt wird. Bei allen Baumformen wird der Konkurrenztrieb ganz entfernt. Bei der Rundkrone verbleiben drei bis vier Leitäste, die zu 50 bis 70 Prozent abgeschnitten werden, sowie der Mitteltrieb, welcher in ein- bis 1,5-facher Scherenlänge über dem obersten Leitast eingekürzt wird. Bei der Spindelerziehung werden außer dem Konkurrenz- und Mitteltrieb alle Seitenäste mit Schnüren, Astklammern oder Gewichten flach bis leicht aufsteigend (ca. 20-Grad-Winkel) angeordnet. Die formierten Äste werden nicht eingekürzt, was das Triebwachstum bremst und die Blütenbildung im ersten Standjahr fördert. Der Mitteltrieb wird 50 bis 60 Zentimeter über dem obersten flachen Seitentrieb abgeschnitten.