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Garten

Süßkirschen – So klappt’s mit den köstlichen Früchten

Kleingarten Magazin
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Juni 2018

Kirschen gehören zum Sommer, am besten aus dem eigenen Garten. Wenn man einige Hinweise beachtet, werden wir mit leckeren Früchten belohnt. Sie wünschen einen sonnigen Standort, humose, durchlässige, jedoch nicht zu schwere und keine staunassen Böden.

 

Schwachwüchsige Unterlagen sind ein Muss für den Kleingarten. Inzwischen Standard geworden sind Bäume, die einen schwachen Wuchs ausbilden, z. B. auf Veredelungsunterlagen der GiSelA-Klone 5 und 3, sowie der nur vereinzelt erhältlichen Weiroot 720. Durch Spindelerziehung (u. a.: www.lwg.bayern.de, Infoschrift Nr. 3159) werden die als Busch angezogenen Bäume zudem im Wuchs gebremst: flachgestellte, nicht eingekürzte Seitentriebe beruhigen das Triebwachstum. Nach sechs bis sieben Jahren können die Spindelbäume durch Ableiten der zu hohen Mittelachse und zu breiter Kronen auf je etwa 2,5 Meter reduziert werden. Ein Schnitt zur/nach der Ernte bremst den Neuaustrieb und fördert die Heilung größerer Schnittwunden. Ein derart klein gehaltener Spindelbaum oder eine als Fächerspalier erzogene Kirsche erleichtert Schnitt, Pflege, Ernte und Einnetzung gegen Schädlinge.

Säulenkirschen bevorzugen?
Anders als bei den sehr kurzen Seitentrieben ausbildenden und niedrig wachsenden Säulenäpfeln handelt es sich bei den „Säulenkirschen“ um spezielle, kompakt wachsende Erwerbssorten, die lediglich ohne Seitentriebe angezogen werden. Da sie normalerweise längere Seitentriebe bilden, müssten diese Sorten, meist aus dem kanadischen Zuchtprogramm wie ‚Celeste‘, ‚Samba‘, ‚Skeena‘ (fälschlicherweise als Säulenkirschen ‚Claudia‘, ‚Sara‘, ‚Helena‘ im Handel) sowie ‚Sylvia‘ regelmäßig und mehrfach auf kurze Stummel zurückgeschnitten werden. Durch Nichtanschnitt des Mitteltriebs können sie sehr hoch werden, weil die Seitentriebe als Wuchsbremse fehlen. Aus unseren Erfahrungen ist die Spindelerziehung mit der Lieblingssorte auf schwacher Unterlage besser geeignet, einen gut fruchtenden, kleinen Baum im Garten zu halten.

Befruchtungshinweise
Kirschen sind zweifelsohne ein wichtiges Nährgehölz für Wild- und Honigbienen, Hummeln und andere Insekten. Im Gegensatz zu den meisten Sauerkirschen sind Süßkirschen weitgehend selbstunfruchtbar. Ihre Blüten benötigen den Pollen einer anderen Sorte, die nicht nur in der Blütezeit übereinstimmen, sondern auch in ihrer Genetik passen muss. Als Bestäuber kommen andere Kirschsorten aus Nachbargrundstücken, das Einveredeln einer Befruchtersorte in einen Kirschbaum ebenso infrage wie das Pflanzen einer zweiten Kirschensorte im eigenen Garten, die durch Schnitt kompakt gehalten wird. Als weit und breit einziger Kirschbaum müsste die Wahl auf eine der inzwischen erhältlichen selbstfruchtbaren Sorten wie ‚Celeste‘, ‚Stella‘, ‚Sweetheart‘, ‚Lapins‘, ‚Sunburst‘, ‚Early Star‘, ‚Grace Star‘ etc. fallen.

Sorten für den Haus- und Kleingarten
Hier spielt der Befall madiger Früchte, ausgelöst durch die Eiablage der Kirschfruchtfliege, eine zentrale Rolle. Frühsorten bis zur Kirschenwoche 3 bis 4 bleiben meist madenfrei. In 20 Jahren haben wir einen einzigen Befall an Frühsorten erlebt. Zu dieser Zeit (Anfang bis Mitte Juni in Franken; Mitte bis Ende Juni in Südbayern) ist jedoch der Schaden durch Vogelfraß äußerst hoch. Frühsorten müssen mit Vogelschutznetzen abgedeckt werden. Empfehlenswert sind Frühsorten wie ‚Burlat‘, ‚Merchant‘ (weniger verbreitet, guter Geschmack), ‚Souvenir de Charmes‘. Die neue ‚Bellise‘ trägt frühzeitig, hoch und regelmäßig, in guter Qualität, kann ggf. bei Überreife Madenbefall aufweisen. Ältere Varietäten wie ‚Kassins Frühe‘, ‚Johanna‘, ‚Frühe Rote Meckenheimer‘ entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Als selbstfruchtbare Frühsorten eignen sich ‚Celeste‘, ‚Sweet Early‘ und ‚Early Star‘ v. a. für trockene Regionen, da sie bezüglich Platzen sensibel sind. In der mittleren und späten Reifezeit (ab Kirschenwoche 4 bis 5) wären die qualitativ sehr hochwertigen Sorten wie ‚Samba‘, ‚Summit‘, ‚Sylvia‘, ‚Kordia‘, ‚Regina‘ erste Wahl. Sie sind z. T. deutlich besser als die früher üblichen ‚Hedelfinger‘, ‚Große Schwarze Knorpel‘ und die sensible ‚Schneiders Späte Knorpel‘. Leider fallen sie alle in den Zeitraum, wo ihre geschmackvollen Früchte sehr wahrscheinlich mit einem wurmigen Mitbewohner belegt sind. Von den selbstfruchtbaren Sorten der mittleren und späteren Reifezeit erweist sich ‚Grace Star‘ weniger anfällig für Platzen und Fruchtmonilia als ‚Sunburst‘, ‚Lapins‘ oder ‚Skeena‘.

Problem: Kirschfrucht- und nun auch Kirschessigfliege?
Bei der Wahl von mittleren und späten Sorten sollten engmaschige Insektenschutznetze zum Einsatz kommen. Bereits zur abgehenden Blüte im Mai können sie im Durchmesser der Baumkrone über dem Boden (ohne bzw. mit kurzem Aufwuchs) ausgelegt werden. Diese relativ einfache Maßnahme hindert die im Boden des Kronenbereichs befindlichen, schlüpfenden Fliegen an dem Einwandern in den Kirschbaum. Allerdings ist ein Zuflug aus Nachbargärten damit nicht abgewehrt. Dieser wird mit dem Einnetzen des gesamten Baums etwa drei bis vier Wochen vor der Reife zum Zeitpunkt des Umfärbens der unreifen Früchte von Grün nach Gelb erreicht. Bitte beachten Sie, dass das Netz am Stamm zusammengeknotet wird. Diese Abwehrmöglichkeit ist nur bei klein gehaltenen Bäumen oder einem Wandspalier praktikabel. Allerdings schützt das Netz zugleich vor Vögeln und bei engen Maschenweiten von 0,8 Millimetern auch vor der Kirschessigfliege. Die mehrjährige und mehrfache Nutzung (auch gegen Gemüsefliegen) relativiert die Anschaffungskosten. Beleimte Gelbtafeln zum Abfangen der Kirschfruchtfliege können helfen, wenn in der Nähe keine weiteren Kirschbäume stehen und wenn mehrere Tafeln in der Krone ausgebracht werden. Denn sie üben auch einen Anreiz (Zuflug) aus Nachbargärten aus, was einen zusätzlichen Befall auslösen kann. Außerdem können auch Nützlinge „auf den Leim“ gehen. Die kleinere Kirschessigfliege tritt in Bayern meist verstärkt ab Mitte Juli (Franken) bzw. Anfang August (Südbayern, Bergländer) auf. Frühe und mittlere Sorten bleiben vielfach verschont, v. a. wenn die Witterung trocken oder sehr heiß ist. Spätkirschen können v. a. bei Überreife und in nicht abgeernteten Partien mit mehreren kleinen Maden belegt sein. Es empfiehlt sich, knapp reif und Wirtspflanzen stets komplett zu ernten. Hinweise im Umgang mit diesem invasiven Schädling finden Sie unter www.lwg.bayern.de, Infoschriften (Nr. 3363). Erste Erfahrungen zeigen, dass dieser „Fiesling“ nicht überall in Bayern die Süßkirschen heimsucht, aber verstärkt die später reifenden Sauerkirschen.