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Garten

Obstgehölze selbst veredeln – Teil 6 – Okulation und Anschäften

Schritte beim Anschäften ungleicher Veredelungspartner (Bild: Thomas Neder)
Kopulationsschnitt an der Unterlage (Bild: Thomas Neder)
Gegenzungenschnitt an der Unterlage (Bild: Thomas Neder)
Kopulationsschnitt am Edelreis (Bild: Thomas Neder)
Gegenzungenschnitt am Edelreis (Bild: Thomas Neder)
Beide Schnitte sind gleich lang und breit (Bild: Thomas Neder)
Ineinanderschieben beider Partner (Bild: Thomas Neder)
Verbinden beider Partner mit Veredelungsband (Bild: Thomas Neder)
Unterlage und Edelreis sind fest verbunden (Bild: Thomas Neder)
April 2018

Wie man bei der Okulation, die in der letzten Ausgabe vorgestellt wurde, weiter vorgeht, wird nachfolgend behandelt. Außerdem werfen wir einen Blick auf das Anschäften bei ungleichen Veredelungspartnern.

 

Im nächsten Frühjahr zeigt sich auf jeden Fall zweifelsfrei, ob die Veredelung geglückt ist. Die Veredelungsunterlage wird knapp über dem Veredelungsschnitt abgeworfen (abgeschnitten). War die Veredelung erfolgreich, treibt das Auge durch und bildet einen neuen Trieb. Treibt das Auge wider Erwarten dennoch schon im Sommer aus, wird der Trieb nach dem Wachsen am besten auf ein Auge eingekürzt, da in der Regel der Trieb nicht ausreifen wird und erfrieren kann. Der neue Trieb wird, wenn er 10 – 15 Zentimeter lang ist, an einem Stab (Tonkinstab, Bambusstab etc.) fixiert und gerade in die Höhe geleitet. Zu diesem Zweck sind spezielle Klammerzangen ideal, es geht natürlich auch manuell. Nach Ende des Triebabschlusses im Herbst hat der Austrieb dann in der Regel eine Höhe von 80 – 120 Zentimetern. Je nach verwendeter Unterlage und erwünschter Erziehungsform (Busch, Halb- oder Hochstamm) wird der neue Trieb angeschnitten.

 

Veredelung weiter behandeln – einen Baum erziehen

Im Haus- und Kleingarten liegt die Anzucht von Buschbäumen bzw. schlanken Spindeln wohl am nächsten. Gut geeignet ist auch die Erziehung im sogenannten Central-Leader-­Erziehungssystem (nach Tobias Vogel). Ursprünglich für Kirschen konzipiert, eignet es sich z. B. auch gut für Äpfel. Hierunter versteht man einen Baum mit einer dominanten Mitte und schwachen, möglichst flach abgehenden Fruchtästen. Diese sind spiralförmig und unregelmäßig um die Achse verteilt und gehen bis in die gewünschte Endhöhe. Sie soll den natürlichen Wuchs nur leicht lenken und korrigieren. Die notwendigen Schritte sollen kurz beschrieben werden: Ideal sind einjährige Veredelungen mit vorzeitigen Trieben in einer Ansatzhöhe von ca. 60 – 80 Zentimetern. Sind diese nicht vorhanden, wird der noch unverzweigte Trieb auf die gewünschte Stammhöhe von 60 – 80 Zentimetern zuzüglich etwa sechs Augen angeschnitten (Rückschnitt fördert Austrieb von Seitenknospen). Zwei bis vier Augen unter der Endknospe bricht man am besten aus. Dies verhindert steile Konkurrenztriebe zur Mitte. Sind vorzeitige Triebe vorhanden, werden diese auf drei bis fünf ausgedünnt. Sie ordnen sich spiralförmig um die Mitte an. Steile Triebe werden auf Astring entfernt. Die verbliebenen Triebe werden, so notwendig, mittels Astklammern (Astfix 2 – eventuell auch Wäscheklammern) in eine waagerechte Position gebracht. Nach ca. drei Wochen entfernt man die Klammern und hängt sie fortlaufend an die Spitzen des Triebs. Dies bewirkt einen waagerechten Aufbau der Seitentriebe. Wird diese Maßnahme verpasst, muss man notfalls waagerecht binden. Bis zum Erreichen der Endhöhe lässt man die Spitze durchtreiben und führt den Ausbruch der darunterliegenden zwei bis vier Knospen durch. Nach dem Aufbau erfolgt die Fruchtholzpflege im Sinne einer Fruchtholzrotation. Hierzu wird altes Fruchtholz zugunsten neuer Triebe weggenommen. Vegetatives und generatives Wachstum müssen sich in der Waage befinden.

 

Anschäften

Ist die Unterlage wesentlich dicker als das Edelreis, eine Kopulation nicht mehr möglich und das Geißfußpfropfen vielleicht zu schwierig, kann man auf das sogenannte Anschäften zurückgreifen. Es lässt sich leicht in die Praxis umsetzen. Man kann entweder in Bodenhöhe anschäften oder mit dieser Methode auch gut Stämmchen veredeln. Mit einem waagerechten Schnitt an der Unterlage legt man zunächst die Veredelungshöhe fest. Hierzu eignet sich eine scharfe Gartenschere. An einer glatten Stelle zieht man von unten Richtung Kopfwunde einen ca. 3 – 5 Zentimetern flachen Kopulationsschnitt. Er geht nur einige Millimeter ins Holz und verläuft nur außen. Die Tiefe des Schnitts richtet sich nach der Stärke des Veredelungsreises. Er setzt unten schmal an und endet oben breiter. Ein zu breites Auslaufen kann reduziert werden, indem man eine kleine Wölbung schneidet, wodurch der Schnitt am oberen Ende Richtung Anschnitt wieder etwas schmaler wird. Hierdurch bringt man beide Partner am oberen Ende besser zur Deckung. Der Schnitt sollte in der Breite und der Länge dem am Edelreis durchgeführten Kopulationsschnitt entsprechen. Je genauer, umso besser. Passt er nicht optimal, sollte zumindest an einer Seite Kambium auf Kambium zur Deckung kommen. Beim Verbinden muss man etwas achtgeben, dass das Reis seine Stellung behält und nicht verrutscht. Beide Veredelungspartner kann man wie beim Kopulieren mit Gegenzunge zusätzlich noch durch einen Gegenzungenschnitt fixieren. Hierzu wird am Edelreis im oberen Drittel leicht schräg zum Veredelungsschnitt Richtung Mitte des Reises eingeschnitten. Das Gleiche erfolgt im unteren Drittel der Unterlage. Mit etwas Übung gelingt es, beide Partner durch Ineinanderschieben gut zu vereinen. Der Anschnitt am Edelreis kann etwas über den waagerechten Querschnitt an der Unterlage hinausragen. Dort setzt verstärkt die Bildung von Wundkallus ein. Bei dünnen Veredelungsköpfen kann mit Medifilm-Veredelungsband oder mit Fleico-Gummiband verbunden werden. Gut ausgeführt gelingt ein Verbinden von oben nach unten bzw. von unten nach oben. Sind die Köpfe dicker, kann man auf Veredelungsband oder Bast zurückgreifen. Nach dem Anwachsen sollte man nicht vergessen, die Verbindung mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge zu lösen, um ein Einwachsen zu verhindern.