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Garten

Obstgehölze selbst veredeln: Teil 5 – Chip-Budding oder Chip-Veredelung

Schritte bei der Chip-Veredelung 1
Schritte bei der Chip-Veredelung 2
Schritte bei der Chip-Veredelung 3
Schritte bei der Chip-Veredelung 4
Schritte bei der Chip-Veredelung 5
Schritte bei der Chip-Veredelung 6
Februar 2018

Mit Chip-Budding und Okulation veredelt man, wenn Unterlage und Edelreis gleich dick sind. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie die beiden Verfahren funktionieren.

 

Das Verfahren der Chip-Veredelung kann sowohl im Frühjahr (April/Mai) auf das treibende Auge als auch im Sommer auf das schlafende (d. h. nicht mehr austreibende) Auge angewandt werden. Für die Frühjahrsveredelung werden gelagerte Reiser verwendet. Bei der Sommerveredelung kann man frisch vom „Mutterbaum“ schneiden. Bevor man mit der Chip-Veredelung beginnt, wird die Unterlage oder der Wildling auf 20 bis 30 Zentimeter freigestellt, d. h. von Seitenästen befreit und mit einem Tuch gereinigt. Vor dem Einsetzen des Chips in die Unterlage sind einige Vorbereitungen nötig. Zu Beginn vollzieht man etwa 1,5 Zentimeter unterhalb des Auges einen ca. drei Millimeter tiefen, leicht nach unten gerichteten Schnitt. Der zweite Schnitt setzt etwa drei Zentimeter über der ersten Schnittstelle an und führt das Messer flach hinter der Rinde in Richtung der ersten Einkerbung. Aus der Unterlage löst sich ein schmaler Span und hinterlässt einen umgekehrt V-förmigen Ausschnitt an der Unterlage. In genau der gleichen Art und Weise wird das Auge aus dem Edelreis geschnitten. Die besten Augen befinden sich im mittleren Bereich. Zunächst eine schräg nach unten führende Einkerbung unterhalb des Auges und anschließend eine zweite nach unten gerichtete Schnittbewegung, die den Chip aus dem Edelreis löst. Hierbei gilt es, vor allem zwei Punkte zu beachten: Das Auge sollte etwa in der Mitte des Chips liegen und die spanförmige Einkerbung an Unterlage und Edelreis sollte gleich groß sein. Beim Einsetzen sollten sich die Ränder der Schnittstellen an Unterlage und Edelreis genau decken. Nur das teilungsfähige Kambium zwischen Rinde und Holzteil sorgt für das Verwachsen der beiden Veredelungspartner. Eine exakte Schnittführung erscheint auf den ersten Blick recht schwierig, kann jedoch mit etwas Übung wie bei anderen Veredelungsvarianten an weichen Weidenästen schnell erlernt werden. Übung macht auch hier den Meister. Im Idealfall liegen beide Schnittstellen mit den besonders teilungsfähigen Gewebepartien deckungsgleich aufeinander und sorgen somit für ein schnelles Anwachsen des Auges. Verbunden wird entweder mit einem Gummiband (z. B. Fleico-Gummiband) oder Medifilm-Veredelungsband. Man beginnt von unten nach oben, überbindet den angelegten unteren Teil und arbeitet sich bei der Verwendung des Fleico-Gummibands dachziegelartig unter leichtem Zug von unten nach oben. Das Auge in der Mitte bleibt frei. Bei einer Frühjahrsveredelung, z. B. im April/Mai, treibt das Auge nach einigen Tagen oder Wochen an und bildet einen zügig wachsenden Trieb aus. Bei der Veredelung im Sommer muss man auf den Austrieb bis zum nächsten Frühjahr warten. Ist der Trieb etwa zehn Zentimeter lang, wird die Unterlage bis auf einen kurzen Stummel über der Veredelungsstelle abgeschnitten. Hieran kann man den neuen Trieb der Edelsorte anheften (Vorsicht – er bricht leicht!). Wird der Trieb größer, kann man ihn zusätzlich stäben. Im nächsten Jahr, wenn der Neuaustrieb aus eigener Kraft seine erwünschte Stellung beibehält, kann diese Stützhilfe zapfenlos über der Veredelungsstelle entfernt werden. Im Gegensatz zum Veredelungsbast braucht man beim Gummiband kein Einwachsen zu befürchten. Es wird durch die UV-Einstrahlung der Sonne allmählich brüchig und fällt dann fast von selbst ab. Wird eine Folie verwendet, kann man diese ca. vier bis sechs Wochen nach dem Austrieb vorsichtig mit einem Messer durchtrennen. Je nach erwünschter Baumform, werden die Seitentriebe des neuen Baums belassen (z. B. für die Buscherziehung) oder bis in die gewünschte Kronenhöhe entfernt. Ein Anschnitt des Haupttriebs im zweiten oder dritten Jahr fördert den gezielten Austrieb von Seitentrieben und liefert den sogenannten Viertel-, Halb- oder Hochstamm. Die Stammhöhen betragen beim Busch/Spindelbusch 40 bis 60 Zentimeter, beim Niederstamm 80 bis 100 Zentimeter, beim Halbstamm 100 bis 120 Zentimeter, beim Hochstamm 160 bis 180 Zentimeter.

 

Okulation oder Augenveredelung

Die Okulation ist eine klassische Sommerveredelung, die je nach Witterung im Juli/August durchgeführt wird. Theoretisch kann auch im Frühjahr (Mai bis Juni) auf das treibende Auge veredelt werden, was in der Praxis aber nur wenig gemacht wird. Wie beim Chip-Budding wird nur ein Auge übertragen. Man verwendet hierzu am besten ein Okuliermesser. Die Edelreiser selbst werden erst unmittelbar vor der Veredelung (am besten am Morgen, wenn sie noch frisch sind) geschnitten. Verwendet werden hierzu Augen von ausgereiften, diesjährigen Trieben. Die Spitze der Triebe mit kleinen, schwachen Augen ist weniger geeignet. Als Vorbereitung werden die Blätter entfernt, so dass nur ganz kurze Stummel stehen bleiben. Sie sind beim Veredeln zum Einsetzen des Auges noch hilfreich. Zur Kurzzeitlagerung der Reiser eignet sich auch ein feuchtes Tuch. Kurz vor dem Veredeln werden vorhandene Seitentriebe entfernt und die Wurzelhälse mit einem feuchten Tuch gesäubert. Ein Prüfen der Rindenlöslichkeit einige Tage vor dem Veredeln ist vorteilhaft. Löst sich die Rinde nicht, muss der Termin verschoben werden. In Baumschulen wird zum besseren Lösen vor dem Veredelungstermin der Boden flach bearbeitet und kräftig gewässert. Sind die Unterlagen bzw. Wildlinge aufgeschult, werden die Triebe zum Veredeln zur Seite gedrückt. Die Veredelungsstelle liegt optimalerweise auf der Luvseite (der Hauptwindrichtung zugewandt), da hierdurch das Auge nicht von der Unterlage weggedrückt werden kann.

 

Okulation Schritt für Schritt (für Rechtshänder)

Um vom Edelreis das erwünschte Schildchen mit dem Auge zu gewinnen, setzt man zunächst unterhalb des Auges mit einem Okuliermesser flach an. Das Reis liegt hierbei so in der Hand, dass die eingekürzten Blattstiele auf den Körper zeigen. Der Daumen wird auf das Reis aufgesetzt und führt den flachen Schnitt des Okuliermessers in Richtung Körper. Der Schnitt wird bis etwa zwei Zentimetern hinter das Auge geführt. An dieser Stelle sollte das Messer bereits wieder dicht unter der Rinde angelangt sein. Durch Weiterführung der Schnitt- bzw. Zugbewegung wird die Rinde vom Holz gelöst. Die sich lösende Rinde kann dann nach vier bis fünf Zentimetern mit dem Messer durchtrennt werden. Nach dem Lösen wird das Augenschildchen mit der linken Hand am kurzen Stängelstummel gefasst (alternativ kann man das Schildchen auch am langen Ende halten, das man nach dem Einsetzen abschneidet). Das dünne Holzschildchen an der Rückseite des Auges kann man belassen. Wird es gelöst, läuft man Gefahr, das Auge zu verletzen. Als Nächstes wird die Unterlage direkt am Wurzelhals mit einem T- Schnitt zur Aufnahme des Edelauges vorbereitet. Zunächst wird mit dem Okulationsmesser ein Querschnitt durchgeführt. Von der Mitte des Querschnitts beginnend, führt ein senkrechter Schnitt bis etwa drei Zentimeter gerade nach unten. Beide Schnitte vereinen sich zu einem T. Der Schnitt durchschneidet nur die Rinde und geht nicht in das Holz. (Bei besonders dicken Augen kann man anstelle des T-Schnitts auch einen Kreuzschnitt durchführen. Das eingesetzte Auge liegt dann in der Mitte). Mithilfe des Lösers auf der Rückseite des Okuliermessers lässt sich die Rinde links und rechts des senkrechten Schnittes leicht zur Seite anheben. Nachdem einer der Rindenflügel etwas angehoben wurde, löst man auch die rechte Seite vom Holzteil und formt eine Art Tasche, in die das Auge eingeschoben werden kann. Das über den Querschnitt der Unterlage hinausragende Rindenstück des Schildchens wird abgeschnitten. Zum Verbinden des Edelauges gibt es verschiedene Varianten. Früher wurde mit Bast verbunden, mittlerweile hat sich der sogenannte Okulationsschnellverschluss (OSV) durchgesetzt. Im Gegensatz zum Bastverband, ist hier ein nachträgliches Lösen nicht notwendig. Die Gummimanschette zerfällt nach einiger Zeit und gibt das mit der Unterlage fest verwachsene Auge selbst wieder frei. Es kann manuell auch leicht entfernt werden. Die Manschette wird hierbei einfach über die Okulationsstelle gespannt und mithilfe der Klammer befestigt. Alternativ ist auch ein Verbinden mit dem Veredelungsgummiband möglich. Schon zwei bis drei Wochen nach der Veredelung kann man an Augen mit Blattstielen feststellen, ob das Anwachsen geglückt ist. Die Augen erscheinen prall gefüllt. Die Blattstiele lassen sich leicht entfernen oder sind bereits abgefallen. Durch rechtzeitige Erfolgskontrolle kann man, so erforderlich, nachokulieren. Dies erfolgt etwas unterhalb der nicht geglückten Veredelungsstelle. Alternativ okuliert man im nächsten Frühjahr oder Sommer erneut