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Garten

Wenn Stachelbeeren in den Himmel wachsen

Kleingarten Magazin
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Juni 2015

Die Stachelbeere findet auch noch im kleinsten Garten ein Plätzchen. Die gelben, grünen und roten Früchte laden bereits Anfang Juli zum Naschen ein. Wären da nur nicht die Dornen und das Bücken, das Ernten könnte so schön sein.

 

Stachelbeeren können mehr, als nur als wildes Gestrüpp dicht über dem Boden zu wachsen. Sie wollen gezielt gefördert und in die Höhe gezogen werden. Das Ergebnis könnte eine eintriebige Erziehung als schlanke Spindel oder die Hochstammpyramide sein.

 

Einen normalen Strauch „umfunktionieren“

Nicht überall im Handel bekommt man Stachelbeeren als eintriebige, schlanke Spindeln, sondern oft nur als Busch angeboten. Dies lässt sich relativ einfach ändern. Der erste Schritt besteht darin, aus der Vielzahl junger Triebe nur den stärksten zu belassen und den Rest der Bodentriebe mutig zu entfernen. Der belassene Trieb erhält einen kräftigen Stab und wird sorgfältig in die Höhe geleitet. Etappenweise wird der Trieb am Stab fixiert. Innerhalb von ca. drei Jahren kann bei wüchsigen Sorten, wie z. B. ‘Redeva’, eine beachtliche Höhe von zwei Metern und mehr erreicht werden. Zur Förderung des Leittriebs werden Konkurrenztriebe, die sich unterhalb der Endknospe bilden, entfernt. Triebe, die sich aus der Basis neu bilden und wieder zu einem strauchartigen Wuchs führen würden, beseitigt man konsequent. Empfehlenswert ist auch das Entfernen der Seitentriebe bis in eine Höhe von ca. 30 bis 40 Zentimetern. Nach dem Ernten wird es Zeit für einen Sommerschnitt. Die Seitentriebe werden etwa auf 20 bis 30 Zentimeter eingekürzt. Im Idealfall kann man auf kurze Seitentriebe absetzen. Dicht über den jungen Seitentrieben eingesetzte Wäscheklammern fördern einen waagerechten Wuchs der seitlichen Triebe und sorgen für Ordnung im Aufbau. In Verbindung mit einem dünnen Metallstab lassen sich auch die Astfix-Klammern gut zum Abspreizen einsetzen. Die extremen Wetterwechsel der letzten Jahre haben aber auch gezeigt, dass man mit dem Sommerschnitt etwas vorsichtig sein muss. Werden die Früchte während einer Hitzeperiode „freigestellt“, kann es leicht passieren, dass Schäden durch Sonnenbrand auftreten. Besonders in der Erziehungsphase sollte man auch auf Blattlausbefall am Terminaltrieb achten. Gekräuselte Blätter verraten schon von Weitem den Schädling. Lässt man die Sache „laufen“,  kommt dann das Längenwachstum schnell ins Stocken und der „Gipfelsturm“ verzögert sich entsprechend. Im Obstlehrgarten in Coburg werden z. B. die Sorten ‘Redeva’, ‘Mucurines’ und ‘Spinefree’ als schlanke Spindeln erzogen.

 

Eigene Vermehrung durch Grünstecklinge

Wer selbst gerne vermehrt, kann Stachelbeeren gut durch Grünstecklinge vermehren. Ende Mai, Anfang Juni, wenn die Neutriebe weder zu weich noch zu verholzt sind, ist je nach Witterung und Wachstum eine gute Zeit für die Stecklingsvermehrung. Zum Schneiden eignet sich ein scharfes Stecklingsmesser oder eine scharfe Gartenschere. Alternativ leistet auch  eine Rasierklinge hervorragende Dienste. Geschnitten wird am besten dicht unterhalb eines Blattknotens, da sich dort besonders viele zur Wurzelbildung notwendige Pflanzenwuchsstoffe befinden. Bis auf die oberen zwei bis drei Blätter werden alle  Blätter entfernt. Große Blätter kann man auch etwas einkürzen. Wer möchte, kann die Stecklinge vor dem Abstecken noch in ein Bewurzelungspulver tauchen. Als Erdmischung eignet sich eine fertige, nährstoffarme Aussaaterde. Die klassische Substratvariante aus einer Mischung von Torf und Sand im Verhältnis von etwa 1 : 1 eignet sich ebenso. Steckt man in sog. Multitrays, lassen sich die bewurzelten Stecklinge nach einigen Wochen unbeschadet herausnehmen, in einen größeren Topf setzen und den Sommer über zügig weiterkultivieren.

Die Vermehrung erfolgt wie üblich: licht schattig unter gespannter Luft. Hierzu sind Anzuchtschalen mit variabel lüftbaren Deckeln gut geeignet.

Nach erfolgter Bewurzelung wird der junge Steckling flott in Kultur gehalten, gewässert, gestäbt und flüssig gedüngt. Triebe, die sich aus der Basis bilden, werden entfernt, Konkurrenztriebe zum Leittrieb und Seitentriebe können etwas eingekürzt werden, so dass das Höhenwachstum gefördert wird. 

Je nach Kulturgeschick und Wüchsigkeit der Sorte dauert es meist etwa zwei bis drei Jahre, bis man eine Höhe von 1,50 bis zwei Metern erreicht hat.

 

Hochstammpyramide

Hat man ein normales Hochstämmchen im Garten, kann es lohnenswert sein, dieses Stämmchen als sog. Hochstamm­pyramide weiterzuentwickeln.

Hierzu wird ein kräftiger Mitteltrieb an einem Trieb kontinuierlich weiter vertikal nach oben geleitet. Die anderen Seitentriebe werden pyramidal zurückgesetzt und untergeordnet, um das Höhenwachstum der Mitte zu fördern. In der Regel wird es auch notwendig sein, die Krone deutlich auszulichten und nur eher horizontal wachsendes Astmaterial zu belassen. Mit etwas Geschick kann man auch hier leicht eine Höhe von 150 bis 200 Zentimetern erreichen.

 

Lieferadresse Astfix-Klammern:

Andreas Reisinger, Tel. 0 71 43/40 18 03 13, Mobil 01 72/1 82 33 08, A.Reisinger@rema-plasticparts.com.