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Garten

Die beifußblättrige Ambrosie

Kleingarten Magazin
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August 2013

Die Ambrosie ist ein weltweit verbreiteter einjähriger Korbblütler. Ein weiterer Name lautet Traubenkraut, weil sich die männlichen Blüten in dichten Trauben an den Triebspitzen befinden. Ursprünglich stammt die Pflanze aus der Prärie Nordamerikas, sie wurde aber schon 1860 in Deutschland nachgewiesen. Eine regelmäßige und hohe Einschleppung erfolgt über Futtermittel, hier insbesondere über Sonnenblumenkerne, da die Ambrosie in Sonnenblumenfeldern weit verbreitet ist und die Sonnenblumensamen aus Kostengründen nicht genügend gereinigt werden. Die Pflanzen benötigen einen offenen Boden zur Keimung. Das sind zum einen Ackerbauflächen, zum anderen jegliche Ruderalflächen, die entstehen, wenn der Boden gestört wird, beispielsweise durch Straßenarbeiten, Gehölzpflanzungen, Abschwemmungen oder Hufspuren durch Pferde. An nährstoffreichen Standorten erreichen die Pflanzen bis zu 1,5 Meter Höhe. Sie kann Zehntausende Samen produzieren, die bis zu 30 Jahre im Boden überdauern. In Mitteleuropa erstreckt sich die Blütezeit von August bis November. In der Vergangenheit reichte der Sommer dann nicht mehr aus, dass die Samen zur Reife kamen. Die Pflanzen konnten sich nie so recht etablieren, von einer massiven Ausbreitung konnte niemals die Rede sein. Da sich aber in den letzten Jahrzehnten die Vegetationszeit um zwei Wochen verlängert hat, steht die Ambrosie nicht mehr vor diesem Problem. Jetzt reifen die Samen aus. Dazu kommt noch eine immer stärkere Einschleppung aus dem Ausland, da erstens auch dort die Bestände zunehmen und zweitens die Einfuhr von Saatgut und Futtermitteln ein ungeheures Ausmaß angenommen hat. Besonders bei Bau- und Straßenarbeiten werden oft mit Ambrosiasamen belastete Böden transportiert und anderswo eingearbeitet. Auch so können neue Populationen entstehen. In die Hausgärten gelangen die Ambrosien über verseuchtes Vogelfutter. In der Regel sind sie deshalb unter der Fütterungsstelle zu finden. Ambrosia keimt zwar schon bei sieben Grad, das Optimum der Keimung liegt aber bei 18 bis 25 Grad Celsius. Aufgrund des sehr kalten Frühjahrs dürfte der Großteil der Pflanzen erst im Juni aufgelaufen sein. Dementsprechend verzögert werden größere Pflanzen oder Bestände möglicherweise erst im August aufzufinden sein. Diese können aber durchaus schon blühen, denn im günstigsten Fall kann Ambrosia bereits 30 Tage nach der Keimung blühen. Doch wo steckt nun das Problem dieser Pflanze? Dies ist ganz einfach: Deren Pollen sind allergener als alle Gräser- und Bäumepollen Europas zusammen. Dazu kommt, dass sich die Blütezeit bis Weihnachten erstrecken kann. Die bisher pollenfreie Zeit im Spätsommer und Herbst wird für Allergiker nun besonders schwierig. Dazu ist anzumerken, dass Personen, die auf Gräser- und Bäumepollen reagieren, unweigerlich auch auf Ambrosia ansprechen. Ein Teilbereich der Personen wird schweres Asthma bekommen. Eine andere Betrachtungsweise erschreckt noch mehr. Eine Pflanze kann mehr als 100 Millionen Pollen produzieren. Da Ambrosia ein Windbestäuber ist, sind die Pollen extrem leicht und fliegen sehr weit. Die mittlere Entfernung liegt bei 200 Kilometern. Das allergische Potenzial ist bereits mit zehn Pollen pro Kubikmeter Luft erreicht. In Ungarn gibt es sehr große Ambrosiavorkommen. Diese sind ursächlich für 80 Prozent aller dortigen Allergieerkrankungen. In Wien, wohin die Pollen geweht werden, ist Ambrosia noch für 30 Prozent aller Allergien verantwortlich. In Deutschland geht ein Prozent der Allergien auf diese Pflanze zurück und verursacht dem Gesundheitswesen jährliche Kosten von 32 Millionen Euro. Die Zahlen sind zehn Jahre alt, das Problem dürfte sich seitdem deutlich vergrößert haben. Eine Ambrosiapflanze zu erkennen, ist leicht, wenn man sie kennt. Für alle anderen wird die Sache etwas schwierig, da sie mit allerlei anderen Pflanzen relativ leicht zu verwechseln ist. Ein wichtiges Erkennungszeichen sind die männlichen Blüten an den obersten Pflanzenteilen. Sie haben keine Blütenblätter, sie sind grün mit gelben Pollen und haben einen Durchmesser von zwei bis vier Millimetern. Die weiblichen Blüten sitzen in den Blattachseln. Bei Verdacht auf Ambrosia kann es sinnvoll sein, die Pflanzen zur Blüte kommen zu lassen. Eine sichere Bestimmung ist dann viel leichter möglich. Für den Nicht-Ambrosia-Kenner ist die Blüte sogar Voraussetzung, um sie sicher anzusprechen. Wenn größere Bestände aufgefunden werden, die besser nicht zur Blüte kommen sollten, kann möglicherweise auf die Hilfe des Fachberaters an den Landratsämtern zurückgegriffen werden. In vielen bayerischen Gemeinden sind auch die Mitarbeiter des Bauhofs geschult im Erkennen dieser Pflanze. Sobald der allergische Störenfried identifiziert ist, ist die weitere Vorgehensweise dann leicht: herausreißen und ab damit in die Biotonne.  

 

Bestimmungsschlüssel für die Ambrosie

Stängel

Ist der Stängel im Durchmesser rund?

Ist der Stängel behaart?

Ist der Stängel ausgefüllt und nicht hohl?

Falls alle Fragen mit Ja beantwortet werden, zum nächsten Frageblock gehen. Falls mindestens eine Frage mit Nein beantwortet wurde, ist es wahrscheinlich keine Ambrosie.


Blatt

Ist das Blatt auf der Ober- und Unterseite nahezu gleichfarbig?

Sind die Blattnerven weißlich?

Ist das Blatt in mehrere Lappen geteilt, die ihrerseits oft bis zur Mittelrippe geteilt sind?

Haben die Zipfel der Blattlappen feine Spitzen?

Falls alle Fragen mit Ja beantwortet wurden, zum nächsten Frageblock gehen. Falls mindestens eine Frage mit Nein beantwortet wurde, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine Ambrosie. 


Blüte

Hat die Pflanze an den Stängel- und Astspitzen Trauben von kleinen, grünen, glockenförmigen Blüten?

Befinden sich an den Blüten helle Punkte oder gelber Blütenstaub?

Sitzen in einigen Blattachseln der oberen Blätter kleine blütenähnliche Organe?

 

Falls mindestens zwei Fragen und alle Fragen zu Stängel und Blatt mit Ja beantwortet wurden, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um eine Ambrosie. Falls mindestens zwei Fragen mit Nein beantwortet wurden, handelt es sich wahrscheinlich um keine Ambrosie.

 Bilder: Thomas Schuster, Shutterstock.com/Melinda Fawver