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Garten

Krankheiten und Schädlinge – Worauf sollten wir achten?

Krankheiten und Schädlinge – Worauf sollten wir achten?
Ein typischer Kohlfliegenschaden.
Über den Kot der Maden kann der Schlupfbeginn ermittelt werden.
Wenn die erste Generation des Apfelwicklers nicht vollständig entfernt wird.
Im Inneren des Apfels entwickeln sich die Räupchen des Apfelwicklers.
Wird den Schnecken kein Einhalt geboten, übernehmen sie die komplette Ernte.
April 2019

Der Frühsommer ist die wichtigste Zeit für Pflanzenschutzmaßnahmen. Hier gilt es, genau zu beobachten und gegebenenfalls zu korrigieren. Natürlich ist es wichtig, die Biologie der Erreger zu kennen. Denn ohne deren Kenntnis ist eine Bekämpfung kaum erfolgreich.

Mitte bis Ende Mai tritt regelmäßig der Apfelwickler auf. Das ist ein unscheinbarer Kleinschmetterling, der für „wurmige“ Äpfel sorgt. Er fliegt in der Dämmerung ab 15 °C und legt seine Eier ab Juni auf die Früchte. Er tritt in mehreren Generationen auf und fliegt praktisch ununterbrochen bis in den Herbst. Eine Bekämpfung mit Lockstoff-fallen ist sinnlos. Hier werden nur ein paar Männchen gefangen. Aber die legen keine Eier. Genauso unwirksam ist das Anbringen von Wellpapperingen. Die Larven sollten sich darin verstecken und verpuppen. Durch regelmäßiges Entfernen werden auch die Larven entfernt. Leider funktioniert das alles nicht. Möglich wäre die Behandlung mit dem biologischen Apfelwickler-Granulosevirus. Technisch wird das nur bei kleinen Bäumen funktionieren. Es muss ja jede Frucht mit dem Präparat umhüllt sein, so dass die Raupe beim Einbohren das Virus aufnimmt und stirbt. Zudem muss bei Beginn der ersten Generation gehandelt werden. Dazu werden die walnussgroßen Früchte täglich kontrolliert. Beim Auftreten des ersten Kothäufchens an der Frucht wird behandelt. Ein Wermutstropfen darf nicht unerwähnt bleiben: Befruchtete Weibchen fliegen bis zu 300 Meter weit. Wenn die Bäume des Nachbarn unbehandelt bleiben, droht von ihnen weiterhin Befallsdruck.

Kirschfruchtfliege
Auch die Kirsche ist jährlich ein Sorgenkind. Frühe Sorten wie Burlat bleiben madenfrei. Allerdings werden sie meist vollständig von den Vögeln gefressen. Schon ab der dritten Kirschwoche finden wir dann die Maden der Kirschfruchtfliege. Diese überwintern als Puppe im Boden und schlüpfen dann über mehrere Wochen. Gegen beide Schädlinge hilft nur ein Schutz durch vollständiges Umhüllen mit einem Insektenschutznetz. Das geht allerdings nur, wenn der Baum als Schlanke Spindel erzogen wurde. Spätester Zeitpunkt: wenn sich die Früchte von Grün auf Gelb färben.

Blattläuse
Junge Bäume müssen jetzt auch regelmäßig auf Blattläuse kontrolliert werden. Die Stammmütter sind ja schon bei Knospenaufbruch geschlüpft und gebären nun täglich junge Läuse. Bei einem starken Befall sterben dann die Triebspitzen, was bei jungen Bäumen unerwünscht ist. Die Läuse können mit einem scharfen Wasserstrahl heruntergespritzt werden oder es kommt ein biologisches Mittel auf Kaliseifenbasis zur Anwendung. Wichtig ist ein Einsatz, bevor sich die Blätter einrollen. Denn dann sind die Läuse geschützt. Läuse an Ziergehölzen oder Stauden werden geduldet. Da sollen sich die Nützlinge drum kümmern, was sie mit einiger Zeitverzögerung auch tun. Bei der Mehligen Kohlblattlaus an Kopf- und Rosenkohl bleiben wir aber nicht untätig. Sie ist da, sobald sich gelbviolette Flecken an den Blättern zeigen. Besiedelt sie das Pflanzenherz, stirbt die Pflanze. Erfolgreich wäre hier ein direktes Einsprühen der Kolonien mit einem biologischen Pflanzenschutzmittel auf Rapsölbasis. Das Mittel aber nicht bei praller Sonne ausbringen, das mögen die Pflanzen nicht. Bei nur wenigen Pflanzen oder Befallsstellen können die Kolonien aber auch mit einem Pinsel herausgekehrt werden.

Kohlfliege und Schnecken
Exakt terminieren können wir den nächsten Schädling, die Kohlfliege. Sie beginnt mit der Eiablage genau dann, wenn die Kastanien in Vollblüte stehen. Voriges Jahr war das sogar schon am 26. April der Fall. Sie legt ihre weißen, länglichen, ein Millimeter großen Eier am Boden neben den Pflanzen ab. Bei einer Inspektion sind sie leicht zu finden. Die Larven graben sich dann zu den Wurzeln vor und fressen sie ab. Bei Rettich und Radies ist der Übeltäter schnell ausgemacht, denn der Schaden ist offensichtlich, da sie ja vermadet sind. Bei anderen Kohlpflanzen herrscht oft Ratlosigkeit, warum sie welken, kümmern oder sogar absterben. Zöge man sie aus dem Boden, wäre die Ursache offensichtlich. Je jünger die Pflanzen, desto gefährdeter sind diese. Die Lehre sagt, ab dem Vierblatt-Stadium halten sie auch einen starken Madenangriff aus. Die Praxis sagt was anderes. Einen sicheren Schutz bieten Kulturschutznetze. Bei Rettich und Radies sind sie unverzichtbar, bei Brokkoli und Blumenkohl höchst empfehlenswert. Denn damit entledigt sich auch das Problem mit den Raupen. Diese spreizen sich derart in das Innere der Blume, dass sie auch durch ausgiebiges Waschen nicht entfernt werden. Nach dem Kochen liegen sie dann auf dem Teller. Die Kohlfliege hat drei Generationen. Praktisch ist sie wie der Apfelwickler den ganzen Sommer unterwegs.
Ein immer wiederkehrendes Problem sind Schnecken. Sie durch Barrieren mit Duftpflanzen oder Streifen aus Sägemehl fernzuhalten, ist völliger Unsinn. Das gelingt bei der einheimischen Roten Wegschnecke, die lebt aber nicht in unseren Gärten. Wir haben es mit der in den 50er-Jahren eingeschleppten Spanischen Wegschnecke zu tun – und die ist extrem robust. Als mechanische Barrieren haben sich Schneckenzäune bewährt. Gut wirksam ist auch Schneckenkorn. Alle Präparate basieren auf einem von zwei Wirkstoffen, Eisen-III-Phosphat oder Metaldehyd. Bei Letzterem schleimen die Schnecken ab. Schon bei Aufnahme sehr geringer Mengen ist es wirksam. Auf andere Tiere wie Igel, Laufkäfer oder Regenwürmer hat es keine Wirkung. Im Boden wird es vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut. Vom Eisen-III-Phosphat muss die Schnecke mindestens zehn Körner fressen, um sicher zu sterben. Wenn sie weniger frisst, erholt sie sich wieder. Deshalb muss bei einem Präparat mit diesem Wirkstoff immer nachgestreut werden. Hier schleimt die Schnecke auch nicht ab. Auch dieser Wirkstoff ist völlig ungefährlich für andere Organismen.