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Garten

Pflanzenschutz im sommerlichen Gemüsebau

Gegen die Weiße Fliege wird am besten ein Erdflohnetz aufgelegt.
Die Mehlige Kohlblattlaus ist vor Regen geschützt.
Die Raupen auf der Blattunterseite der Tomate sind nur schwer zu finden.
Hier sind die Sklerotien im weißen Pilzgeflecht gut sichtbar.
Wenn die Blütenendfäule sichtbar wird, wird der Schaden noch eine Weile anhalten
Die gelblichen Flecken sind für den Hobbygärtner schwer zu deuten.
Juni 2019

Das Krankheitsgeschehen ist im Sommer entscheidend vom Wetter geprägt. Bei Nässe und Kühle dominieren die Pilzkrankheiten, bei Hitze, wie sie im vorigen Jahr herrschte, jubilieren die Insekten. Der folgende Beitrag wird beide Seiten berücksichtigen.

 

Werden Radieschen gesät – jetzt nur Sommersorten verwenden, Treibsorten gedeihen im Sommer nicht –, kommt man nicht um die Auflage eines speziellen Kulturschutznetzes herum. Das Erdflohnetz hat eine besonders kleine Maschenweite und sperrt den Erdfloh aus, der sonst die Keimblätter so stark schädigt, dass die Pflanzen absterben. Zudem schützt es vor der Kohlfliege. Deren Maden sorgen für „wurmiges“ Gemüse, weil sie Gänge in Rettich oder Radieschen fressen. Grünkohl, Rosenkohl und Wirsing leiden mit ziemlicher Sicherheit an der Weißen Fliege. Da deren Larven unbeweglich auf der Blattunterseite sitzen, heißt sie auch Kohlmottenschildlaus. Sie scheidet klebrigen Honigtau aus, auf dem sich dann Schwärzepilze ansiedeln. Eine Bekämpfung ist in der Regel nötig und auch möglich. Dazu werden an kühlen oder bewölkten Tagen die Blattunterseiten mit einem Pflanzenschutzmittel auf Rapsölbasis eingesprüht. Es ist wirksam gegen die geflügelten Tiere, Eier und Larven. Dieses Pflanzenschutzmittel kann nicht selbst hergestellt werden. Es ist übrigens völlig ungiftig und ungefährlich.

Ein Augenmerk muss auch auf die Mehlige Kohlblattlaus gerichtet werden, vor allem in Hitzeperioden. Zu erkennen ist sie an den violetten oder gelblichen Verfärbungen an den Blättern. Wenn es den Läusen gelingt, das Herz zu besiedeln, stirbt die Pflanze ab. Auch deren Behandlung ist mit Rapsölmitteln möglich oder die Kolonien werden einfach mit den Fingern zerdrückt.

 

Kulturschutznetze gegen Raupen

Ein weiteres Problem können Schmetterlingsraupen darstellen. Die Raupen des großen Kohlweißlings sind freifressend und gut sichtbar. Diese können beispielsweise mit einer Kombizange gut zerdrückt werden. Raupen der Eulenfalter verstecken sich aber sofort im Inneren der Pflanzen, besonders beliebt sind Brokkoli und Blumenkohl. Der Einsatz eines Kulturschutznetzes wäre hier das Mittel der Wahl, denn gerade bei diesen Kulturen kommen die Raupen oft erst auf dem Teller zum Vorschein.

Bei der Tomate sorgt die Blütenendfäule zuweilen für Beunruhigung. Diese Kalzium-Mangelerscheinung tritt im Gewächshaus und in Pflanzgefäßen auf. Im Gewächshaus wird meist oft, aber wenig gegossen. Es wird dann nur eine sehr geringe Tiefe durchwurzelt und die Kalziumaufnahme ist 
gestört. Pro Woche sind deshalb drei Wassergaben mit je
20 l/m² einzuplanen. Bei Tomaten in Töpfen überhitzen diese oft, vor allem wenn sie schwarz sind und in der vollen Sonne stehen. Es sterben dann die Feinwurzeln ab und nehmen kein Kalzium mehr auf. Eine Schattierung der Gefäße bringt Abhilfe. Ab August droht der Tomate die Kraut- und Braunfäule. Diese Krankheit kann ab fünf Stunden Blattnässe auftreten und die Pflanzen schnell zerstören. Eine direkte Bekämpfung ist für den Hobbygärtner kaum möglich. Im Gewächshaus tritt Blattnässe durch Taubildung und aktive Wasserabgabe (Guttation) auf. Deshalb ist hier ab August auch nachts intensiv zu lüften, um die Blattnässedauer so kurz wie möglich zu halten. Zudem ist auf einen luftigen Bestand zu achten, also das Ausgeizen nicht vergessen. Ab und zu ein Auge auf die unteren Blätter zu werfen, schadet auch nicht. Manchmal sind diese durchlöchert. Nur bei sehr genauem Hinsehen bemerkt man die kleinen grünen Raupen. Klopft man auf das Blatt, lassen sie sich zu Boden fallen. Das sind die Raupen der Eulenfalter, Nachtschmetterlinge. Wenn die Raupen größer werden, bohren sie sich in die Früchte ein.

 

Pilz- und Milbenbefall bei Gurken

Bei der Salatgurke kommt es vor, dass sie im Frühsommer plötzlich welkt und sich nicht mehr erholt. Dann ist der Pilz Fusarium in die Leitungsbahnen eingedrungen und verstopft diese. Die Krankheit überdauert im Boden für lange Zeit. Ab jetzt können nur noch veredelte Gurken im Gewächshaus angebaut werden, da diesen der Fusariumpilz nichts anhaben kann. In der Regel ab Juli droht eine neue Gefahr: die Spinnmilben. Diese winzig kleinen Tiere saugen auf der Blattunterseite, die Blätter werden gelb und sterben ab. Bei trockener Luft und Temperaturen ab 30 Grad, in kleinen Häusern schnell erreicht, überleben die Gurken oft nur eine Woche. Ihr Tod kann verzögert werden, wenn die Temperatur gesenkt und die Luftfeuchte erhöht wird. Das Haus wird also schattiert und Erde und Pflanzen mit Wasser abgespritzt, an sehr heißen Tagen mehrmals am Tag. Keine Sorge, die Tomaten daneben halten das aus. Die Pflanzen müssen aber trocken in die Nacht gehen. Das Problem dabei ist, dass diese Maßnahme bei Befallsbeginn erfolgen muss. Er verrät sich durch kleine gelbe Punkte auf der Blattoberseite, die vom Hobbygärtner aber kaum wahrgenommen werden. Sollten die Gurken die Spinnmilben überlebt haben – die Freilandgurken kommen in der Regel durch –, erscheinen im August eckige, gelbe Flecken: der Falsche Mehltau. Jetzt heißt es Abschied nehmen, innerhalb einer Woche sind die Pflanzen abgestorben.

Fällt ein fast fertiger Kopfsalat in sich zusammen und welkt, sollte die Ursache erforscht werden. Das erfolgt durch eine Begutachtung des Strunks. Wächst ein mausgrauer Pilzrasen um den Strunk herum, handelt es sich um den Grauschimmel. Um ihm vorzubeugen, kommt der Erdpresstopf der Jungpflanze nur zu einem Drittel in die Erde. Die unteren Salatblätter berühren dann nicht so schnell die Erde. Ist ein weißes, watteartiges Pilzmyzel vorhanden, ist es Sklerotinia. In der Regel sind dann auch schon die bis zu einen Zentimeter großen schwarzen Dauerkörper, die Sklerotien, sichtbar. Diese Pflanzen sollten im Hausmüll entsorgt werden, da die Sklerotien im Boden viele Jahre überdauern können und für hohen Krankheitsdruck sorgen. Diese Pilzkrankheit tritt an vielen Wirtspflanzen auf, darunter Möhren, Sellerie, Tomaten, Gurken, Bohne und Petersilie.