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Garten

Pflanzenschutz: Kaliseife

Kleingarten Magazin
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Juni 2011

 

Als natürliches Inzektizid ist Kaliseife besonders wirkungsvoll und pflanzenverträglicher als herkömmliche Schmierseifenlösungen.

 

Kaliseifen sind beispielsweise zugelassen unter dem Namen Neudosan Neu. Die Wirkstoffe sind Kaliumsalze natürlicher Fettsäuren. Kaliseifen sind eine Weiterentwicklung von Schmierseifenlösungen. Schmierseifen enthalten Duftstoffe und andere Inhaltsstoffe, die Pflanzenschäden verursachen können. Kaliseifen dagegen sind viel pflanzenverträglicher. Sie beinhalten ausschließlich drei Fettsäuren, die eine besonders gute insektizide Wirkung haben.
Der Wirkstoff zerstört die Zellstruktur von weichhäutigen Insekten, so dass die Zellinhaltsstoffe austreten. Zudem werden die Atmungsorgane geschädigt. Dies funktioniert aber nur bei sehr kleinen Tieren wie Blattläusen. Bei Marienkäfern oder Florfliegen ist die Chitinschicht so dick, dass sie nicht beeinträchtigt werden. Kaliseifen sind deshalb vollkommen nützlingsschonend.
Kaliseifen wirken nur als wässrige Lösung. Nach dem Abtrocknen ist keine Wirkung mehr zu erwarten. Diese Präparate sollten deshalb am frühen Morgen oder in den Abendstunden ausgebracht werden. Die Temperaturen sind dann niedriger und die Luftfeuchte höher. Dadurch bleibt der Spritzfilm länger erhalten und die Wirksamkeit kann optimal ausgenutzt werden. Der Abtötungseffekt erfolgt sehr schnell. Bei Verwendung von sehr hartem Wasser lässt die Wirkung schnell nach, deshalb sollte nach Möglichkeit ein weiches Wasser oder Regenwasser zur Verwendung kommen.
Kaliseifen sind reine Kontaktmittel, nur wenn die Schädlinge von der Brühe benetzt werden, kann das Mittel funktionieren. Die Pflanzen sind grundsätzlich tropfnass zu spritzen. Außerdem ist zu beachten, dass die meisten Schädlinge auf der Blattunterseite leben. Für eine gute Wirkung ist es deshalb unabdingbar, dass vor allem die Blattunterseiten genügend benetzt werden. Da dies oft nicht beachtet wird, erholen sich die Blattlauspopulationen schnell und dem Mittel wird ungerechtfertigterweise eine Minderwirkung unterstellt.
Kaliseifen haben wie Rapsölprodukte eine breite Indikation. Sie sind in Zierpflanzen, Gemüsekulturen und Obst gegen Blattläuse, Weiße Fliegen und Spinnmilben einsetzbar. Eine Wartezeit besteht nicht. Für den Mensch sind sie völlig unbedenklich und können auch mit Kindern angewendet werden.
Das Anwendungsspektrum von Kaliseifen gleicht dem von Rapsölprodukten. Kaliseifen besitzen jedoch eine höhere Pflanzenverträglichkeit, gerade weichlaubigere Pflanzen vertragen diese Präparate besser. Im Gegensatz zu Ölprodukten haben sie aber keine Wirkung auf die Eier der Schädlinge.
 

Blattläuse
Ein typisches Einsatzgebiet von Kaliseife ist die Bekämpfung von Blattläusen an Obstgehölzen. Nötig ist dies vor allem bei Jungbäumen. Durch eine starke Läusevermehrung kommt es an den Jungtrieben schnell zu Stauchungen und Verkrüppelungen. Bei starkem Befall stirbt der Trieb ab. Dem Baum gelingt es dann nicht, ein großes Kronenvolumen aufzubauen und Früchte hervorzubringen. Wird der Einsatzzeitpunkt sehr spät gewählt, sind viele Läusekolonien bereits in den eingerollten Blättern versteckt. Diese können nur noch unvollständig erfasst werden, von ihnen geht auch eine Neukolonisierung aus. Besser wäre eine Behandlung im Ballonstadium der Blüte. Hier sind schon alle Stammmütter geschlüpft. Diese gebären laufend lebende Junge und sorgen so für schnell wachsende Kolonien. Sind jedoch die Stammmütter unschädlich gemacht, so ist die Blattlausplage im Keim erstickt.
 

Wurzelläuse
Sehr viel Schaden wird durch Wurzelläuse angerichtet. Diese sind häufig zu finden an Möhre, Sellerie, Artischocke, Sonnenblume oder Salat. Durch die Wurzelläuse stockt das Wachstum, mitunter sterben die Pflänzchen sogar ganz ab. Nach eigenen Erfahrungen können die Läuse sehr gut bekämpft werden, wenn der Wurzelraum mit einer zweiprozentigen Kaliseifenlösung begossen wird. Das Problem ist, dass es zwar eine Indikation „saugende Insekten in Gemüse“ gibt, es fehlt aber die Anwendungsart „Gießen“, genehmigt ist nur „Spritzen“. Gießen ist strenggenommen deshalb nicht erlaubt. Nun könnte auch auf eine zweiprozentige Schmierseifenlösung hingewiesen werden, die leicht selbst herzustellen ist und bisher ebenso ein erprobtes Mittel zur Läusebekämpfung auch bei Wurzeln war. Bei genauem Studium des Pflanzenschutzgesetzes stößt man jedoch auf einen Paragrafen, der Folgendes beinhaltet: „Pflanzenschutzmittel dürfen selbst hergestellt werden, aber nur mit Substanzen, die nicht zu gewerblichen Zwecken in den Handel gebracht wurden.“ Da Schmierseife nicht am Wegesrand wächst, sondern im Geschäft verkauft wird (zu gewerblichen Zwecken in den Handel gebracht), ist Pflanzenschutz mit Schmierseife prinzipiell nicht erlaubt und kann hier deshalb nicht empfohlen werden. Außerdem enthalten Schmierseifen oft überschüssiges Chlor und Parfümstoffe, die für empfindliche Pflanzen schädlich sein können.
 

Nützlinge
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet von Kaliseifen ist die Schädlingsreduzierung vor dem Nützlingseinsatz. Wenn beispielsweise Schlupfwespen gegen die Weiße Fliege oder Raubmilben gegen die Rote Spinne zum Einsatz kommen, so ist das nur erfolgreich, wenn die Schädlingszahl sehr klein ist. Bemerkt man den Befall aber einige Tage zu spät, hat sich der Schädling schon zu stark vermehrt. In diesem Fall wird er durch eine Kaliseifenbehandlung stark reduziert. Schon nach wenigen Stunden können dann die Nützlinge freigesetzt werden, ohne eine Beeinträchtigung durch das ­Insektizid zu erfahren.
 

Bewertung
Kaliseifen sind im ökologischen Erwerbsanbau Standardmittel und werden gerne eingesetzt, um den Befallsdruck zu senken oder um Befallsnester herauszuspritzen, um dann erfolgreicher mit Nützlingen arbeiten zu können. Aber auch im konventionellen Gartenbau finden sie Verwendung, weil keine Wartezeit einzuhalten ist, weil es die Mitarbeiter nicht belastet und weil keine Geruchsbelästigung entsteht. Positiv zu vermerken ist noch ihre Bienenungefährlichkeit.
Kaliseifen sind aufgrund ihrer Ungiftigkeit und Problemlosigkeit auch im Haus- und Kleingarten sehr empfehlenswert. Ihre Anwendung ist universal. Sie sind zugelassen für Obst, Gemüse, Zierpflanzen, egal ob im Freiland, Gewächshaus oder auf der Fensterbank. Fehlerhafte Anwendungen mit schädlichen Konsequenzen sind praktisch nicht möglich. Eine Wartezeit besteht bei diesen Präparaten nicht. Im Jahr 2009 wurde Neudosan Neu Blattlausfrei von Öko-Test übrigens mit „sehr gut“ bewertet. 250 Milliliter kosten rund sechs Euro, angeboten wird es in allen Gartenmärkten und Fachgeschäften. 

 

Weitere Informationen zum Thema Pflanzenschutz in dem Buch "Quickfinder Pflanzenschutz: Die besten Mittel gegen Krankheiten und Schädlinge" von Thomas Schuster, Gräfe und Unzer Verlag.

Bilder: Thomas Schuster