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Garten

Die neue Gemüsesaison erfolgreich gestalten

‘Madam Marmande’ bildet große, fleischige Früchte. (Bild: Wolfgang Nixdof)
Gesunde Tomaten und reiche Ernte 2018.
Paprika 'Amarosa' F1 wächst sehr gut in Töpfen auf der Terrasse.
Wer mittelscharfe bis scharfe Peperoni  ‘Tabaluga’.
'Mustang' F1 ist ideal zum Füllen und  Grillen.
Dezember 2018

In Teil 1 seiner Kurzserie wird Autor Wolfgang Nixdorf von seinen Erfahrungen im Gemüse-anbau des vergangenen Jahres berichten und daraus Schlüsse für die Gemüsegartensaison 2019 ziehen.

 

2018 waren eindeutig die Sonnenanbeter unter den Pflanzen auf der Gewinnerseite. Und 2019? Sicher ist, dass wir dem gelassen entgegensehen können, wenn wir gut vorbereitet mit den richtigen Materialien und Sorten in die Saison starten. Zur guten Vorbereitung gehört auch, sich mit dem vergangenen Jahr auseinanderzusetzen und Schlüsse daraus zu ziehen, was man vielleicht anders hätte machen können. Denn wenn die Wissenschaft Recht behält, wird es künftig häufiger warme und trockene Sommer geben. Die Sortenwahl spielt davon unabhängig immer eine sehr große Rolle für den Anbauerfolg. Es ist nicht nur ein Teil meines Berufs, sondern auch mein Hobby, mich damit auseinanderzusetzen und immer wieder Neues auszuprobieren und mit Bestehendem zu vergleichen. Diese Erfahrungen gebe ich gerne weiter. In der aktuellen und der nächsten Ausgabe dieser Zeitschrift versuche ich deshalb aus Erfahrungen des vergangenen Jahren und Neuheiten für 2019 eine Kombination zu schaffen für eine größtmögliche Sicherheit, die neue Gemüsegartensaison erfolgreich zu gestalten. Beginnen wollen wir heute mit Tomaten und Paprika, weil diese in den meisten Fällen zuerst gesät werde, wenn man sich seine Jungpflanzen selbst heranzieht.

 

Tomaten lieben Wärme und einen trockenen Kopf

Somit war 2018 ein optimales Jahr für Tomaten. Oder doch nicht? Im Prinzip schon, mit gewissen Einschränkungen. Die sonst übliche Problematik mit Pilzkrankheiten war im vergangenen Jahr kaum ein Thema – auch nicht im Freilandanbau ohne Dach. Selten habe ich im August und selbst im September beim Blick über die Gartenzäune noch so viele gesunde Tomaten gesehen wie im vergangenen Jahr. Ursache dafür waren die fast täglich scheinende Sonne und das Ausbleiben von Regen. Somit hatten die Sporen der Kraut- und Braunfäule (soweit überhaupt welche vorhanden waren) ganz schlechte Karten. Denn sie benötigen Blattfeuchte, um sich daran festsetzen und vermehren zu können. Ohne Feuchtigkeit (Wasser) können sie – wie alle anderen Lebewesen auch – nur kurze Zeit überleben. Dennoch sollte man für die Zukunft nicht darauf spekulieren, dass der Freilandanbau von Tomaten erneut so gut gelingt. Eine nach allen Seiten offene Überdachung ist der Garant dafür, dass die Tomaten auch in regenreicheren Sommern gesund bleiben.

 

Hitzeverträglichkeit von Tomatensorten

Grundsätzlich lässt sich dies zusammenfassen: Ältere Sorten mit weicher Konsistenz hatten oft Probleme mit dem Dauersommer. Sie wurden infolge der anhaltend hohen Temperaturen noch weicher – oft zu weich. Die neueren, hochwertigen Sorten wie ‘Hamlet’, ‘Pannovy’, ‘Cristal’, ‘Sparta’, ‘Sportivo’ oder ‘Bocati’ brachten ausnahmslos Spitzenresultate, bei den „normalen“, runden 90 bis 110 Gramm schweren Tomaten, sowohl in der Menge als auch in der Qualität. Die eben erwähnte Sorte ‘Bocati F1’ kennen vermutlich noch nicht viele. Sie ist meines Erachtens eine wirklich hervorragende Alternative zur Sorte ‘Sportivo F1’, die oft als die geschmacklich beste 100-Gramm-Tomate bezeichnet wird. In der Qualität sehe ich keine Unterschiede und preislich ist die neue Sorte doch um einiges günstiger. Ähnliches gilt für die kleinen Cocktail- oder Cherrytomaten. Auch hier waren die neueren Sorten im Vorteil. Interner Testsieger im Geschmack war bei mir erneut die Cherry-Eier­tomate ‘Monterrey F1’ – einfach klasse! Hinzu kommen der sehr frühe Erntebeginn und die bis Ende Oktober anhaltende Ernte dieser Sorte. Bei den Fleischtomaten gefallen mir neben der bewährten Standardsorte ‘Country Taste’ (italienische Fleischtomate) vor allen Dingen die Sorten ‘Fantasio F1’ und ‘Big Daddy F1’ besonders gut. Ganz neu wird es 2019 die Sorte ‘Madam Marmande Bountiful’ geben, mit den für diesen Sortentyp typischen großen, gerieften Früchten. Auch für die Freunde der länglichen San-Marzano-(Roma)-Typen gibt es eine interessante Neuheit. Die Sorte ‘Incas’ wird nur ca. 1,20 bis 1,50 Meter hoch und braucht nicht ausgegeizt zu werden. Neben einem sehr hohen Ertrag zeigte sie sich 2018 bemerkenswert unempfindlich gegen Blütenendfäule, die sonst insbesondere bei diesem Sortentyp weitverbreitet ist.

 

Paprika und Chili
Paprika baue ich schon seit vielen Jahren in 15-Liter-Pflanz-kübeln auf der Terrasse an, größtenteils überdacht. In der sonnenverwöhnten Südwestlage wachsen sie dort fast genauso gut wie im Gewächshaus. Da es sehr wichtig ist, dass die Pflanzen die Jugendphase zügig durchlaufen, muss man die ersten vier Wochen nach der Pflanzung Anfang bis Mitte Mai mit der Wärme eventuell noch etwas nachhelfen. Je nach Wetter, insbesondere nachts, leistet die Abdeckung mit Vlies äußerst wertvolle Dienste. Meist reicht ein 17-Gramm-Vlies, in höheren Lagen oder einem kalten Frühjahr kann ein 30-Gramm-Vlieszweckmäßig sein. Dies sichert einen frühen Erntebeginn. 2018 war ein ideales Jahr für Paprika. Nur mit dem Gießen musste man ganz besonders beim Anbau in Töpfen fast täglich den Ansprüchen der Pflanzen gerecht werden. Es ist schwer, einzelne Sorten herauszuheben, die mir besonders gut gefallen haben, denn alle waren sehr gut. Dennoch: Meine persönlichen Favoriten sind der längliche Dolce-Italiano-Typ ‘Estillo F1’, der großblockige und erstaunlich frühe ‘Aurelio F1’, ‘Amaroso F1’ (blockig) sowie der Thaichili ‘Rotes Teufele’, der in Deutschland von einem kleinen Biobetrieb vermehrt wird, ebenso wie die optische Augenweide ‘Lila Luzy’. Freunde blockiger Paprika dürfen sich 2019 auf die neue Sorte ‘Solero F1’ freuen. Diese stach bei unserem Versuchsanbau bei den Neuheiten heraus. ‘Solero’ bildet große, breitschultrige und dickwandige Früchte, die nach vorne leicht spitz zulaufen.

Beeindruckend ist die intensive rote Farbe im Reifestadium. Am Anfang sind die Früchte grün. ‘Tabaluga F1’ bildet ca. 15 Zentimeter lange, schlanke Früchte, die man als mittelscharf bis scharf einstufen kann, wobei die zuerst geernteten Früchte schärfer waren als im weiteren Verlauf des Sommers. Wer diese Geschmacksrichtung mag, trifft mit dieser Sorte eine gute Wahl. ‘Tabaluga’ war 2018 die schnellste Sorte mit einem insgesamt sehr hohen Ertrag leuchtend roter Früchte. Nicht ganz neu, aber wieder verfügbar ist die Sorte ‘Mustang F1’, ein sehr breitschultriger, aber kurzer, milder Paprika, der sich aufgrund seiner Form ideal zum Füllen eignet oder als Grillpaprika.


Mehr Infos: www.garten-wn.de.