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Leben

Know-how für den Gemüsegarten

Kleingarten Magazin
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Oktober 2016

Der Witterungsverlauf 2016 stellte die Gemüsegärtner vor zum Teil schwierige Aufgaben. Das betrifft sowohl die Gartenbaubetriebe wie auch den Anbau im Garten. Als man nach einem erneut milden Winter im März auf den Frühling wartete, hielt sich dieser lange zurück.

 

Bis fast Mitte Juli war es oft zu kalt und vielerorts zu nass. Zudem gab es immer wieder unwetterartige Gewitter, die regional schwere Schäden verursachten. Es war ein Jahr mit idealen Befallsbedingungen für Pilzkrankheiten, aber auch tierische Schädlinge traten mehr auf als in zurückliegenden Jahren. Dennoch ließen sich mit dem nötigen „Gewusst wie“ und den richtigen Maßnahmen wieder gute Ernten einfahren.

Was tun gegen Pilzkrankheiten im Gemüsegarten?
Der Falsche Mehltau ist die schlimmste Krankheit bei den Gurken und tritt jedes Jahr auf. 2016 war ein sehr starkes Befallsjahr. Der Befall zeigt sich mit gelben Flecken auf der Blattoberseite, die bei der Freilandgurke exakt von den Blattadern begrenzt werden. Bei Gewächshausgurken ist diese eindeutige Abgrenzung meist nicht gegeben. Auf der Blattunterseite findet man oft erst im fortgeschrittenen Stadium einen graubraunen Sporenrasen. Die Gefährlichkeit dieser Krankheit liegt darin, dass sie sich sehr rasch ausbreitet und einen Gurkenbestand innerhalb weniger Tage zum Absterben bringen kann. Vorbeugende Maßnahmen sind große Pflanzabstände und beim Gießen darauf zu achten, dass die Blätter möglichst nicht nass werden. Bei den vielen Niederschlägen in diesem Jahr half das diesmal auch nicht entscheidend weiter. Ideal wäre auch hier, wie bei den Tomaten, eine Überdachung der Freilandgurken. Seit einigen Jahren baue ich Gurken in großen Töpfen auf unserer überdachten Terrasse an. Dort wurden die Pflanzen noch nie krank! Auch das Hochleiten der Triebe an einem Rankgerüst reduziert das Befallsrisiko, weil die Blätter insgesamt wesentlich weniger nass werden bzw. deutlich schneller abtrocknen. Im Gewächshaus muss auf eine gute Lüftung, ganz besonders in den Morgenstunden, geachtet werden, damit eine hohe Luftfeuchtigkeit schnell entweichen kann. Aus meiner Sicht ist es schade, dass das sehr gut wirksame Mittel Spezialpilzfrei Aliette künftig nicht mehr vertrieben wird. Das neue Produkt Ortiva Pilzfrei hat zwar eine größere Breitenwirkung gegen Pilzkrankheiten, oft leidet darunter aber die Wirksamkeit gegen spezielle Fälle. Sehr gute Erfahrungen habe ich auch in diesem Jahr wieder mit den beiden Freilandsorten ‚Schubert‘ (glatte Einlegegurke) und ‚Zircon‘ (rustikale Vesper- und Einlegegurke) gemacht. Auch bei diesen Sorten kam man 2016 zwar nicht ganz ohne Spritzungen aus, aber ihre deutlich bessere Widerstandsfähigkeit gegen Falschen Mehltau im Vergleich zu anderen Sorten ist sehr markant.

Tomatenkrankheiten vorbeugen und früher ernten
Es ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, dass man Tomaten am besten unter einem windoffenen Dach anbaut, doch wird dies immer noch nicht überall praktiziert. Indem man die Tomaten von oben trocken hält, verhindert man die Keimung der Pilzsporen, deren Zuflug mit dem Wind man nicht verhindern kann. Aber durch die fehlende Blattnässe fehlt den Sporen die notwendige Grundlage für eine Infektion der Pflanzen. Zusätzlich schützende Maßnahmen sind genügend große Pflanzabstände und regelmäßige Pflege (Ausgeizen der Seitentriebe und rechtzeitiges Entfernen der unteren Blätter). Je besser die Luftzirkulation ist, umso besser kann überschüssige und pilzfördernde Luftfeuchtigkeit wieder abziehen. Dies ist auch der Punkt, warum im Gewächshaus Pilzkrankheiten nicht selten vermehrt auftreten. Fast alle Hobbygewächshäuser haben zu wenig Lüftungsfläche an den Seitenwänden und im Dach und werden somit oft zu Brutstätten für Pilzkrankheiten. Unter einer nach allen Seiten offenen Freilandüberdachung hat man dieses Problem nicht. Nur im Frühjahr hänge ich die Seitenflächen bei Bedarf mit Gitterfolie oder 60-Gramm-Vlies ab, um für mehr Wärme und besseres Wachstum zu sorgen. Das ist aber zu einem Zeitpunkt, wo noch keine Pilzsporen fliegen  und somit auch keine Gefahr besteht. Auch bei Tomaten können Fruchtfolgeprobleme auftreten, wenngleich Tomaten diesbezüglich vergleichsweise unempfindlich sind. Deshalb baue ich meine Tomaten unter einer feststehenden Überdachung in 15-Liter-Eimern an und fülle diese jährlich mit frischer Erde. Das Gesamtergebnis sind ein kräftiger Wuchs, ein früher Erntebeginn (meist ab Ende Juni) und gesunde Pflanzen. Pflanzenschutzmittel bei Tomaten verwende ich seit über zehn Jahren nicht mehr, ein teures Gewächshaus brauche ich auch nicht.
Auch andere Kulturen bekommen Pilzkrankheiten. Empfindlich sind z. B. Zwiebeln, Möhren und Salat. Grundsätzlich gilt immer das Gleiche: Pilze lieben Feuchtigkeit. Vorbeugend sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen von oben möglichst selten nass werden und nass gewordene Pflanzen möglichst schnell wieder abtrocknen können. Beim Gießen sollte man also neben und nicht über die Pflanzen bewässern. Am besten tut man dies am Morgen. Eine gute Luftzirkulation zum besseren Abtrocknen erzielt man durch große Pflanzenabstände. Sägemüse sollte stets in Reihen, nicht breitwürfig ausgesät werden. Ein gutes Pflanzenschutzmittel für den Notfall ist Duaxo Pilzfrei, das für viele Kulturen zugelassen ist.

Die tierischen Schädlinge
Auch von diesen unbeliebten Gästen in unseren Gemüsegärten gab es 2016 genug. Insgesamt lassen sie sich mit den richtigen Hilfsmitteln aber relativ einfach in Schach halten. Die am häufigsten genannten Probleme waren Blattläuse und Raupen an verschiedenen Kulturen. Gerade bei den Raupen ist so manchem Gartenbesitzer nicht bewusst, dass es außer dem Kohlweißling noch zahlreiche andere Schadschmetterlinge, Falter und Motten gibt, die Probleme bei sehr vielen Kulturen auslösen können. Insektenabwehrnetze mit verschiedenen Maschenweiten sind die einfachste, sicherste, langlebigste, umweltfreundlichste und langfristig preisgünstigste Methode. Besonders häufig sind neben Kohlgemüse Lauch und Zwiebel betroffen. Aber auch Salat war in diesem Jahr relativ häufig von Gammaeulenraupen oder Minierfliegen befallen. Es sieht zwar nicht schön aus, wenn die Pflanzen mit Netzen zugedeckt sind, der Erfolg entschädigt aber dafür umso mehr. Die Vorteile sind also eindeutig in der Überzahl. Notfallmittel sind z. B. Naturen Schädlingsfrei gegen saugende Insekten
(z. B. Blattläuse) oder Spruzit Schädlingsfrei gegen saugende und beißende Insekten (z. B. Erdflöhe, Raupen). Schnecken traten trotz des milden Winters und der vielen Niederschläge insgesamt weniger auf als im vergangenen Jahr. Das soll nicht heißen, dass mich bundesweit auch in diesem Jahr wieder zahlreiche genervte, schneckengeschädigte Gartenbesitzer um Rat fragten. Die Schneckenkorn-Schneckenfalle ist seit mittlerweile 20 Jahren ein nicht mehr wegzudenkender Artikel meines Versandhandels und über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Man muss mit ihr zwar weiterhin Schneckenkorn einsetzen, aber in sehr viel geringeren Mengen und hat über Wochen eine Schutzwirkung, ohne dass Schneckenkorn mit dem Boden in Berührung kommt.

Bedeutung der Sortenwahl
Schwierige Witterungsbedingungen erfordern noch mehr als in anderen Jahren bestmögliches Sortenmaterial. Erwerbsgärtner verwenden nicht umsonst andere Sorten als die klassischen Hobbysorten. Aber auch für den Hobbygärtner werden Spitzensorten aus dem Profibereich in guten Fachgeschäften angeboten. Der höhere Preis ist absolut gerechtfertigt und gut angelegtes Geld.

 

Der Autor dieses Artikels ...
Wolfgang Nixdorf, Gemüsebauberater, Buchautor und Fachjournalist, betreibt seit über 20 Jahren einen Versandhandel für Hobbygärtner mit selbst erprobten Produkten aus dem professionellen Gemüseanbau. Einen kostenlosen Katalog anfordern unter www.garten-wn.de, per E-Mail an nixdorf@garten-wn.de